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Hat der KSC gerade noch rechtzeitig reagiert?

Auch nach der Winterpause, in der der KSC die Fehlentscheidungen und -entwicklungen des vergangenen Jahres taktisch, innerbetrieblich und personell hatte korrigieren wollen, scheint die Talfahrt des Vereins nicht aufzuhalten zu sein. Dabei hatten die Spiele gegen den SV Wehen-Wiesbaden und den VfL Bochum ursprünglich sportlich wie wirtschaftlich richtungsweisende Bedeutung besessen.

Nun aber wäre es naheliegend festzustellen, dass der Verein – also Management, Trainer und Mannschaft – keinen Schritt weitergekommen scheinen und schon bald der Zeitpunkt gekommen sein könnte, das Unterste nach oben zu kehren und in der Bestandsaufnahme nichts auszulassen.

Im Stich gelassen

Hierbei muss berücksichtigt werden, dass der KSC die Konkurrenz in der Bundesliga mit nur sehr bescheidenen Mittel bestreitet und man daher auf seltene Erfolgserlebnisse vorbereitet sein muss – alles muss passen, um wettbewerbsfähig zu sein. Auch ist es befremdlich, welche Erwartungen viele Fans mit sich herumtragen und davon ausgehen, dass ihr Verein trotzdem ein ebenso buntes wie belebendes Element der Bundesliga sein muss. Man mag das Wehen-Spiel sehen wie man möchte, aber ebenso erschreckend wie die Niederlage war die spärliche Resonanz des Publikums, das seinen Verein in diesem wichtigen Spiel im Stich gelassen hat und zuhause geblieben ist.

Auch und gerade ist es eine Erwähnung wert, dass um des KSC Willen nur 14.000 Leute ins Stadion kommen, während die anderen Zuschauer erst wieder bei Kalibern wie Schalke, Stuttgart oder Bremen zu den größten KSC-Fans aller Zeiten mutieren. Sicher – der KSC spielt ohne Wenn und Aber eine enttäuschende Saison. Aber bis zu diesem Pokalspiel hatte er sich nicht hängen lassen und stets das Beste zu geben versucht.

Erschütternde Bestandsaufnahme

Dass dies gegen den SV Wehen-Wiesbaden nun nicht mehr der Fall war, bedeutet sicherlich eine Zäsur in der Beziehung der Fans zu ihrem Verein. Die Menschen im Stadion und vor den Fernsehgeräten waren ebenso fassungslos wie entsetzt, wie sich eine Mannschaft derart präsentieren kann. Und auch wenn die Leistung beim VfL Bochum engagierter und konzentrierter war, hätte selbst ein Sieg nicht vermocht, all jene Trümmer beiseite zu schieben, die das Ausscheiden aus dem DFB-Pokal verursacht hatte.

Die Reaktion der ins ehemalige Ruhrstadion mitgereisten KSC-Fans auf den verbesserten Auftritt der unverdient Geschlagenen war ablehnend, Pfiffe und Buhrufe schlugen den Spielern entgegen. Zu erschütternd fällt die Bestandsaufnahme des Mittwochabends aus, als dass er so bald vergessen würde.

Er fasste zusammen, was seit Monaten in der veröffentlichten Meinung zwar nicht repräsentiert ist, aber für jeden aufmerksamen Beobachter dennoch allzu offensichtlich war: Diese Mannschaft harmoniert nicht, ist nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich unzulänglich zusammengestellt und Trainer Edmund Becker schafft es (noch) nicht konsequent genug, sich entscheidend von alten Erfolgs- und Gedankenmustern zu trennen. Es zählt zur Hybris von mancher im Verein verantwortlichen Person, dass bei der Betrachtung der sportlichen Resultate der Schalter erst spät umgelegt werden konnte. Ob es zu spät war, werden die verbleibenden sechzehn Spiele erweisen.

Gespenstisch

Gespenstisch wäre es allerdings erst dann gewesen, wenn man sich gegenüber den veränderten Realitäten weiterhin wahrnehmungsresistent gezeigt und nicht in der Lage gewesen wäre, hieraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Fast sah es so aus, da man sich nicht daran erinnern konnte, einen solch dramatischer Niedergang jemals derart bagatellisierend und verharmlosend begleitet gesehen zu haben. Sollte diese Haltung die ganze Zeit nicht nur als Schutzpanzer gedient haben, um keine Unruhe um den Verein entstehen zu lassen und mediale Negativschlagzeilen vom Wildpark fern zu halten, dann wäre zumindest eine nachvollziehbare Strategie damit verbunden gewesen.

Dass dem nicht so war, müssen Becker & Co. nun allerdings nachhaltig beweisen. Immerhin – wie eine sich aufgebende und ihrem Trainer nicht mehr folgende Mannschaft ist der KSC in Bochum jedenfalls nicht aufgetreten. Und solange dies der Fall ist, besteht noch Hoffnung.

Der Autor ist Herausgeber und Chefredakteur von "Auf, Ihr Helden! Magazin für <%TBR from="editor"%> Fußballzeitgeschichten". Dreisigackers KSC-Kolumne "Nachspielzeit" erscheint wöchentlich bei ka-news.de.
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