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Der KSC ist ein Verein - und das ist gut so

Es ist bewundernswert und respektabel, wie die Mannschaft des KSC mit der belastenden Abschlussschwäche und der damit einhergehenden Erfolglosigkeit, die übrigens mitnichten nur die Angreifer betrifft, umgeht. Da wird nicht nachgelassen, weiterhin doch noch den Erfolg zu suchen und sind Auflösungserscheinungen jeglicher Art nicht erkennbar.

Auch kommt es nicht zu herauszuhebenden verbalen oder gestischen Anfeindungen der Spieler untereinander, die auf einen Zersetzungsprozeß hindeuten könnten. Gewiss, Kritiker könnten nun einwerfen, dass man ein solches Verhalten doch wohl erwarten könne, oder entgegengesetzt, dass dies ein Zeichen dafür sei, dass man sich aufgegeben habe und nun um so ungerührter mit der Situation umgehen könne. Doch dies griffe zu kurz, da die Disziplin der Mannschaft auf allen Ebenen – so auch im Training und in der Öffentlichkeit – bemerkenswert ist.

Längst hätte es so weit kommen müssen, dass gegenseitige Vorwürfe und Nachlässigkeiten die sportliche Abwärtsentwicklung signifikant unterstrichen. Schließlich ist es auch so, daß vom aktuellen Kader nicht viele Spieler derart viel Reputation angehäuft hätten, dass sie auch künftig bei einem Bundesligaverein begehrt sein und von einem solchen bezahlt werden könnten. Wie leicht vermöge da der Zorn auf jene zu wachsen, die vor dem gegnerischen Tor mit den beruflichen und wirtschaftlichen Perspektiven der Mitspieler so fahrlässig umgehen. Aber noch wehrt sich der KSC und deutet nichts darauf hin, dass er bald nach einem Gegentor einmal völlig die Haltung verlieren und „abgeschossen“ werden könnte.

Nichts hat geholfen

Das ist erstaunlich, da die sportliche Krise keine Momentaufnahme ist. Im Gegenteil, es ist nicht ehrenrührig festzustellen, dass der Trainer an und mit dieser Mannschaft letztlich vor dem Scheitern steht. Und dies nicht erst seit der Beginn der Torflaute, sondern weitaus vorher. Seit rund eineinhalb Jahren griff keine Maßnahme, den unübersehbaren Abwärtstrend zu stoppen oder auch nur zu verlangsamen. Dass Becker aufgrund seiner Persönlichkeit und Verwurzelung mit der Genese dieses Vereins seit über dreißig Jahren, sowie seiner erwiesenen Fähigkeit, aus wenig sehr, sehr viel machen zu können, eine veränderte Mannschaft, ganz gleich in welcher Liga, wieder in die Erfolgsspur führen kann, ist eine mehr als berechtigte Hoffnung.

Wobei man sich auf Vereinsseite nicht zu sehr auf das Beispiel des Volker Finke und seinen SC Freiburg berufen sollte. Es war eine singuläre Ausnahme in den vergangenen Jahrzehnten, dass dieser nach Abstiegen mehrmals erfolgreich eine Mannschaft neu erfinden konnte. Daher sollte es bei Becker und dem KSC schon handfestere Gründe geben, um ein „weiter so!“ unterfüttern und glaubwürdig vertreten zu können.

Viel früher

Eine Zäsur hätte wohl spätestens nach dem verlorenen Pokalspiel gegen den SV Wehen stattfinden müssen. Wochenlang hatte zuvor die sportliche Leitung die Möglichkeit gehabt, die Mannschaft auf die Aufgaben der Rückrunde einzustimmen und ihr personell, taktisch, physisch und psychisch das Rüstzeug für einen erfolgreichen Abstiegskampf mitzugeben. Dass ihr dies noch nicht erkennbar gelungen ist, macht Fragen hinsichtlich ihrer Weiterbeschäftigung im Wildpark legitim. Hierzu sind aber die vorgegebenen Gremien des Klubs zu nutzen, die noch im vergangenen Herbst auf der Mitgliederversammlung indirekt bestätigt worden sind.

Denn der KSC ist – man sieht es gerne – noch immer ein Verein. Und dieser gehört ausschließlich seinen fast 5.000 Mitgliedern, denen die Satzung ausreichend Handhabe mitgegeben hat, um auch außerplanmäßig Einfluß nehmen zu können, so sie dies als vonnöten erachten. Bei allem Engagement von außen, das sich an verschiedenen Stellen äußert, sollte man dies berücksichtigen. Um vorgebliche Fehlentwicklungen zu beenden oder umstrittene Strukturen aufbrechen zu dürfen, benötigt es nun einmal zwingend der aktiven

Eine gute Ausgangslage

Denn so transparent und prinzipiell in sich funktionierend war der Verein in seiner Geschichte nur selten aufgestellt. Er ist sowohl wirtschaftlich als auch strukturell in der Lage, selbst die Weichen in eine gute Zukunft zu stellen. Hierzu wird freilich dennoch diskutiert werden und sich Präsidium, Verwaltungsrat und Mitglieder energisch mit möglichen Fehlentwicklungen auseinandersetzen müssen. Das wird nicht einfach werden – kontroverse Worte dürften fallen und Positionskämpfe ausgetragen werden.

Streitpunkte gibt es genug, man denke an die Stadionfrage, das Marketing, die Nachwuchsarbeit, die Causa Michael Kölmel, den sportlichen Bereich usw. Den Beweis, dass sie diese potentiellen Diskussionspunkte als Verantwortliche besser gelöst hätten, können die Kritiker natürlich nicht mehr antreten. Aber gerade von dieser hohen Warte aus wird redliche Sachlichkeit gefragt sein. Schlussendlich ist und bleibt all dies die Angelegenheit der in der Verantwortung stehenden aktiven und passiven Mitglieder.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich diese ebenso unverdrossen gegen scheinbar Unabwendbares stemmen werden wie die Spieler in diesen Wochen.

Der Autor ist Herausgeber und Chefredakteur von "Auf, Ihr Helden! Magazin für Fußballzeitgeschichten" (www.heldenmagazin.de). Dreisigackers KSC-Kolumne "Nachspielzeit" erscheint wöchentlich bei ka-news.de. 

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