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Auf und neben dem Platz: Mehr als nur "atmosphärische Störungen"

Das war’s. Im Zuge des nun feststehenden Abstieges wird sich das Gesicht der Mannschaft in den kommenden Wochen erheblich verändern, wobei viele Beobachter froh sein werden, das eine oder andere Gesicht im Wildpark nicht mehr sehen zu müssen. Doch nicht nur auf dem Platz, sondern auch hinter den Kulissen wird eine Zäsur unabdingbar sein. Hierbei im Blickpunkt stehen wird eine vom Präsidium gegenüber dem Verwaltungsrat zugesagte Klausursitzung, auf die das oberste Kontrollgremium des Vereins auch bestehen wird.

Denn dieses verfügt kaum über Möglichkeiten, in das operative, tagesaktuelle Geschäft einzugreifen. Laut Satzung berät und kontrolliert es zwar das Präsidium, verfügt darüber hinaus aber über keinerlei Sanktionsmöglichkeiten – ausschließlich das Präsidium stellt zum Beispiel ein oder entlässt Angestellte jeglicher Verantwortungsebene.

Zudem ist der Verwaltungsrat um seinen Vorsitzenden Peter Mayer beim Nachkommen seiner eingeschränkten Aufgaben darauf angewiesen, dass das Präsidium mit ihm zusammenarbeitet und alle Informationen zur Verfügung stellt, die es zur Wahrnehmung seiner Aufgaben benötigt.

Hierbei wurde der Verwaltungsrat in der Vergangenheit häufig düpiert und fußen hierauf die in den vergangenen Monaten zitierten "atmosphärischen Störungen" zwischen diesen beiden wichtigsten Vereinsgremien.

Kompetenzen wurden abgelehnt

Der sportliche Erfolg in der Ägide Raase/Dohmen/Becker vermochte viele dieser Disharmonien und Probleme zu übertünchen, zumal es einen Automatismus, "wenn die auf dem Platz gewinnen, dann wird auch auf der Geschäftsstelle tüchtig gearbeitet", leider nicht gab und gibt.

Dabei haben sich die Mitglieder einen substantiell hochwertigen Verwaltungsrat zusammengestellt, der dem Präsidium mit vielen Kompetenzen hätte zur Seite stehen können. Die Vorwürfe, diese nicht nur nicht abgerufen zu haben, sondern sie bisweilen sogar aktiv verweigert zu haben, wird sich das Team um und unter Präsident Hubert Raase deshalb gefallen lassen müssen.

Sorgen sind berechtigt

Doch nicht nur der Verwaltungsrat ist von der Entscheidungseinsamkeit des Präsidiums betroffen, sondern auch der KSC-Freundeskreis. Jene Gruppe engagierter Gönner ist von den Handelnden nachhaltig verärgert worden. Besonders beklagt wird hierbei mangelnde Kommunikation und eine zunehmende Oberflächlichkeit, wenn es darum geht, das Engagement seiner Mitglieder zu würdigen und sie einzubinden.

Enttäuscht ist man auch, dass es dem Präsidium Raase nicht gelungen ist, wichtige Vorgaben – Kontakte zur Wirtschaft, Marketing- und Sponsorenerlöse – einzulösen. Sogar kam es vor, dass für den Verein bedeutsame Schlüsselverbindungen nachhaltig beschädigt wurden und deshalb gewichtige Mitglieder des Freundeskreises ihre Gelder entnervt zurückziehen könnten.

So kann man es als durchaus unsensibel bezeichnen, dass die beiden exponierten Angestellten Edmund Becker und Rolf Dohmen mit der Wahl ihrer Dienstwagen einen langjährigen Sponsor und Partner verärgerten. So etwas muss nicht sein.

Urlaubsgeld oder VIP-Loge?

In Zeiten, in denen sich Sponsoren zwischen Urlaubsgeld für ihre Mitarbeiter und einer VIP-Loge im Stadion entscheiden müssen, ist solch eine Haltung für einen Verein wie den KSC nur wenig zielführend. Denn der KSC steht im Südwesten mit Vereinen wie Kaiserslautern, Frankfurt, Mainz, Hoffenheim, Stuttgart und Freiburg in einem aktiven Wettbewerb um Sponsoren.

Und für potentielle Investoren ist nun einmal in der Regel nicht das Herz für diesen oder jenen Verein, sondern alleine das Preis-Leistungsverhältnis entscheidend. Dass der KSC hier seine Möglichkeiten noch immer nicht vollständig zu nutzen vermag, ist bitter und kann er zu spüren bekommen. Man muss sich Sorgen machen.

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