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Karlsruhe Langkamp im Interview: "Gelbe Karten schießen keine Tore!"

Eigentlich gibt's es beim Karlsruher SC im Moment nur Verlierer. Mit einer Ausnahme: Sebastian "Basti" Langkamp. Der Ex-Hamburger ist der einzige Gewinner im KSC-Kader. Der baumlange Innenverteidiger erhielt von Cheftrainer Ede Becker beim Derby gegen den VfB Stuttgart überraschend eine Chance – nutzte die und ist seither Stammspieler. Mit Langkamp, der beim KSC noch einen Vertrag bis 2010 hat, der auch in Liga zwei gültig wäre, sprach Peter Putzing.

In einer Pause, denn Langkamp absolviert neben seinem Job als Bundesligafußballer noch im Städtischen Klinikum seinen Zivildienst. "Dort werde ich toll unterstützt", sagte er ka-news.

ka-news: Herr Langkamp, beim KSC gibt's im Moment nur Verlierer – außer einem Gewinner. Und der heißt Basti Langkamp. Langkamp (überlegt): Wenn Sie das sagen…

ka-news: .. stimmt diese Aussage denn nicht?
Langkamp: Wenn man meine persönliche Situation sieht, dann zumindest zum Teil. Aber ich fühle wie die anderen – und das ist nicht das Feeling eines Gewinners.

ka-news: Aber vom Regionalligateam zum Stammspieler in der ersten Liga zu werden, das ist doch ein toller Sprung.
Langkamp: Das stimmt absolut. Da haben Sie recht.

ka-news: Haben Sie immer daran geglaubt, dass das einmal so eintreffen wird?
Langkamp: Eigentlich schon. Aber die Situation, in der ich zum Bundesligadebüt kam, war für mich überraschend. Es gab vor dem Spiel gegen den VfB keine Anzeichen. Schon die Nominierung in den Kader war überraschend. Als ich am Morgen erfuhr, dass ich spiele, war das noch überraschender.

ka-news: Dann ging der Puls auf 300 hoch und alle Gedanken waren bei Mario Gomez?
Langkamp (lacht): Nein, natürlich war ich nervös, aber das hat sich gelegt. Und es wird nun von Spiel zu Spiel besser. Inzwischen komme ich mit der Bundesliga ganz gut klar…

ka-news: …und jetzt hängt ein Damoklesschwert über Ihnen: Das mit dem Namen Maik Franz, denn der Kapitän wird wohl gegen Hoffenheim wieder einsatzbereit sein. Dann könnte es – trotz guter Leistungen – sein, dass Sie auf der Bank Platz nehmen müssten.
Langkamp: Also ich habe bisher von Spiel zu Spiel gedacht – und das halte ich weiterhin so. Jetzt geht's nach Schalke und dieser Partie gilt meine volle Konzentration. Dass Maik Franz wiederkommt war klar. Ich konnte meine Visitenkarte abgeben, die war ganz gut. Und daher mache ich mir nur positive Gedanken. Ich gebe alles – und der Trainer wird dann, wenn das aktuell ist,entscheiden.

ka-news: Was halten Sie denn von der Theorie: Das Innenverteidigerduo Basti Langkamp und Maik Franz wäre das Beste in der zweiten Liga!
Langkamp: Also an die zweite Liga will ich noch gar nicht denken. Ich hoffe, dass dieses Duo in der ersten Liga spielen kann.

ka-news: Aber mal ehrlich: Sicher müssen Sie sagen, die Hoffnung stirbt zuletzt – aber die Hoffnung ist doch sehr klein, oder?
Langkamp: Stimmt klein ist sie – aber sie ist da. Es ist nicht aussichtslos. Es sind fünf Punkte bis zum Relegationsplatz – das ist machbar. Wir haben noch acht Spiele. Das ist viel. Natürlich weiß ich, dass wir ganz viel von "wenn" reden. Aber: Wenn wir zwei, drei Spiele gewinnen, dann sieht die Welt gleich wieder ganz anders aus.

ka-news: Wenn der KSC in Schalke gewinnen würde, dann wäre er zwei Spiele ohne Niederlage; das wäre eine gute Basis.
Langkamp: Ich tue mir damit etwas schwer. Als wir gegen Bielefeld gespielt haben, redeten auch alle vom Endspiel, gegen Gladbach sagte auch jeder: Endspiel, Endspiel. Das waren keine Endspiele, das waren wichtige Spiele gegen Mitkonkurrenten, gegen die wir leider nicht gewinnen konnten. Es kommen noch zwei Mitkonkurrenten mit Hannover und Cottbus in den Wildpark – das ist wichtig. Natürlich sollten wir gegen Schalke punkten, aber selbst wenn nicht – es kommen noch die Mitkonkurrenten. Es ist noch alles drin, aber klar: Es wird von Woche zu Woche schwieriger.

ka-news: Im Abstiegsduell gegen Gladbach gab es keine gelbe Karte wegen Foulspiels. Ist das fehlende Aggressivität?
Langkamp: Das sehe ich nicht so. Wir haben wesentlich mehr Zweikämpfe gewonnen – ohne Foul zu spielen. Das beweist, dass wir ein gutes Zweikampfverhalten haben. Und: Gelbe Karten schießen keine Tore!

ka-news: Gibt es etwas im Laufe der Saison, von dem Sie sagen: da wurden Fehler gemacht?
Langkamp: Wenn es gut läuft ist alles super – wenn nicht, wird alles schlecht gemacht. Aber was man den Verantwortlichen vorwirft, das ist nicht korrekt.

ka-news: War es ein Fehler, Basti Langkamp so lange nicht in der Bundesliga zu bringen?
Langkamp (lacht): Da kann ich nichts dazu sagen. Im Ernst: Ich gebe mein Bestes und wir stehen defensiv ganz gut. Aber: Gegen Gladbach war das erste Spiel, in dem ich ohne Gegentor blieb. Diese Bilanz ist auch nicht so toll.

ka-news: Ihr Vertrag läuft bis 2010. Werden Sie in der kommenden Saison beim KSC spielen, Notfalls auch in Liga zwei?
Langkamp: Ja – gerne.

ka-news: Was macht Basti Langkamp, wenn er sich nicht mit Fußball beschäftigt?
Langkamp: Zivildienst im Städtischen Klinikum. Dort hilft man mir sensationell, dass das mit dem Fußball machbar ist.

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