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Karlsruhe (dpa) KSC akzeptiert Abstieg: "Extreme Leere"

Frustrierte Fans blockierten eine Stunde lang die Ausfahrt der Mannschaftsbusse, Manager Rolf Dohmen zeichnete düstere Zukunftsszenarien, Kapitän Maik Franz spürte nur noch eine "extreme Leere".

Die Karlsruher Spieler verlassen nach der Niederlage den Platz.
Die Karlsruher Spieler verlassen nach der Niederlage den Platz. |

Die Zeit des Träumens ist beim Karlsruher SC nach der unnötigen 2:3 (2:2)-Heimniederlage gegen Hannover 96 endgültig vorbei. Für Franz steht der sechste Abstieg aus der Fußball-Bundesliga ungeachtet der Ergebnisse der Konkurrenz fest: "Unsere Chancen sind gleich Null, wir sind ja keine Fantasten. Das ist brutal enttäuschend, eine extreme Leere."

Spieler, Manager und Trainer Edmund Becker ("Das ist ein ganz bitterer Tag") wirkten wie gelähmt, etwa 200 Karlsruher Anhänger machten dagegen ihrer Wut nach der 21. Saisonpleite mächtig Luft. Schon in den letzten Spielminuten hatten Rauchbomben das Wildparkstadion in dichten Nebel gehüllt, nach der Partie hinderten die Fans unter "Becker raus!" und "Dohmen raus!"-Rufen das eigene Team und den Mannschaftsbus der Hannoveraner Gäste am Verlassen des Stadiongeländes.

Kapitän Franz, Vize-Präsident Michael Steidl und weitere KSC- Spieler stellten sich der für die oft so idyllischen Karlsruher Verhältnisse ungewöhnlichen Situation und diskutierten mit den aufgebrachten Fans. Coach Becker war sichtlich betroffen. "Solche massiven Unmutsäußerungen gegen die eigene Person gehen nicht spurlos an einem vorüber", sagte der 52-Jährige leise, nachdem die Fenster des Stadion-Presseraums wegen der Schreie geschlossen worden waren.

Auf dem Platz hatten die 23.930 Zuschauer wie im Zeitraffer noch einmal ein Spiegelbild der für den KSC so bitteren Saison gesehen. Unbeeindruckt vom 0:4-Debakel in Dortmund begannen die Gastgeber zwar druckvoll und konnten ihr Engagement dank der Tore von Alexander Iaschwili (10.) und Lars Stindl (32.) ausnahmsweise sogar in eine scheinbar beruhigende Führung ummünzen. Doch dann griff KSC-Keeper Markus Miller bei einem 25-Meter-Schuss von Sergio Pinto (42.) wie schon häufiger in dieser Saison kurios daneben und am Ende stand sein Team wieder mit leeren Händen da. Denn noch vor der Pause glich Mikael Forssell (45.) aus, den K.o. besorgte Hanno Balitsch (64.).

"Wir haben Hannover an die Wand geklatscht. Dann kriegen wir so ein dummes Tor und der Doppelschlag ist in so einer Situation der absolute Genickbruch", meinte Franz, der sich dennoch vor seinen Schlussmann stellte. "Wir dürfen Markus jetzt nicht ans Brett nageln. Er hat oft genug überragend für den KSC gespielt."

Während die Gäste nach ihrem zweiten Auswärtssieg tröstende Worte fanden (Hecking: "Es tut mir leid für den KSC, weil hier fantastische Arbeit geleistet wird"), sahen sich die Hausherren am Anfang einer langen Zweitliga-Zukunft. "Wir sind nicht so vermessen zu sagen: Wir steigen sofort wieder auf", sagte Manager Dohmen. Bevor steht eine Halbierung des 17-Millionen-Etats und eine Reduzierung des Kaders auf 17 bis 18 Profis. Dennoch will Dohmen der Philosophie des Vereins treu bleiben. Statt mit großem finanziellen Aufwand kurzfristigen Erfolg zu erzwingen zu wollen, soll mit dem Einbau junger Spieler eine neue Mannschaft mit Perspektive geformt werden. Dohmen: "Wir werden kein Risiko eingehen."

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