Karlsruhe Gemeinderat setzt Signal

An der Stelle des alten Wildparks wird ab Mai 2008 der neue Wildpark errichtet (Foto: ka-news)
Nach einer bisweilen turbulent geführten Diskussion um die Errichtung einer neuen, moderneren Fußball-Arena für den Karlsruher Sportclub setzte der Gemeinderat bei seiner Sitzung am gestrigen Dienstagabend ein Zeichen - zum Wohle der durchaus breitgefächerten regionalen Anhängerschaft des derzeitigen Zweitligisten. Bei 13 Gegenstimmen sprach sich der deutlich überwiegende Teil des Plenums für den Umbau des Wildparks aus. Im Sommer nächsten Jahres soll mit dem Umbau begonnen werden.

Damit erklärte sich der Gemeinderat einverstanden, dass das Wildparkstadion durch die Karlsruher Fächer GmbH & Co. Stadtentwicklungs-KG (KFE) zu einem reinen Fußballstadion mit einem Fassungsvermögen von rund 35.000 Zuschauern umgebaut wird. Neben dem bereits zugesagten Landeszuschuss von rund zehn Millionen Euro, will die Stadt 30 Millionen Euro zum insgesamt 58 Millionen umfassenden Projekt beisteuern. Zur Finanzierung der restlichen 18 Millionen will die als Bauherrin auftretende KFE einen Kredit aufnehmen. Daneben ist noch ein jährlicher städtischer Zuschuss in Höhe von 1,2 Millionen Euro vorgesehen, der den derzeitigen städtischen Aufwendungen für das Stadion entspricht.

DFL äußert Kritik an Betreibergesellschaft

Offenbar wird von der Stadt ein gesamtheitliches Finanzierungs- und Betriebskonzept zur Umsetzung angestrebt, bei dem die finanziellen Risiken zwischen der Stadt und dem KSC angemessen und fair verteilt sein sollen. Zu diesem Zweck soll das Stadion von der KFE an eine noch zu gründende KSC-Stadionbetriebsgesellschaft verpachtet werden, deren Eigentümer zu 100 Prozent der KSC sein soll. Die Gesellschaft der Stadt, die KFE, soll dabei gewissermaßen als eine Art städtisches Kontrollorgan fungieren, das über die Ein- und Ausgaben aus dem Kartenvertrieb und den Verkäufen von Logen- und Business-Sitzen wacht. Aus den in der Betriebsgesellschaft erwirtschafteten Erträgen soll die Stadt einen jährlichen Anteil in Höhe von 1,75 Millionen Euro bis maximal 2,25 Millionen Euro als Stadionpacht erhalten. Im Gegenzug soll der KSC offenbar zwischen 1,9 und 2,3 Millionen Euro einer so genannten Eventvergütung erhalten.

So sieht der alte Wildpark aus... (Foto: ka-news)

Bis der Weg für den Neubau aber endgültig frei ist, sind noch ein paar Brocken aus dem Weg zu räumen: Schien die gemeinderätliche Verabschiedung der am 30. Januar ausgesprochenen Empfehlung der Wildpark-Kommission bis vor kurzem nur noch reine Formsache zu sein, so kam für die Verfechter des Stadionneubaus aufgrund eines Schreibens der Deutschen Fußball Liga (DFL) an den KSC Ende vergangener Woche wieder spürbarer Gegenwind auf.

Beispiele anderer Vereine sprechen für Betreibergesellschaft

Darin äußert die Geschäftsführung der DFL Bedenken gegen das von der Stadt und dem KSC angedachte Modell der Gründung einer Stadionbetriebsgesellschaft, weil diese Art nicht den Lizenzierungsstatuten der Europäischen Fußballunion (UEFA) entspräche - der Kartenvertrieb gehöre zum Kerngeschäft eines jeden Lizenzclubs und müsse daher beim Club selbst verbleiben, so die DFL-Geschäftsführer. Die DFL favorisiere daher "einfache und transparente Strukturen", darüber hinaus empfiehlt die DFL bei der zu gründenden Betriebsgesellschaft eine "schlankere und klarere Konstruktion".

Für den Fall, dass die DFL bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Betriebsgesellschaft bleibt und damit Probleme im Lizenzierungsverfahren einhergehen könnten, will die Stadtverwaltung mit dem KSC weitere mietvertragliche Regelungen finden, welche die gleichen wirtschaftlichen Konsequenzen und Ergebnisse wie in einer Betreibergesellschaft anstreben. Angesichts der Tatsache, dass es zahlreiche Bundesliga-Vereine gäbe, bei denen ähnliche Betreibergesellschaft bestünden, und mindestens drei davon auch nach dem in Karlsruhe geplanten Stil aufgebaut seien, äußerte sich Fenrich jedoch optimistisch bezüglich der weiteren Verhandlungen mit der DFL.

Grüne lehnen Antrag der Wildpark-Kommission ab

Ein weiteres ernst zu nehmendes Problem besteht momentan noch darin, das offenbar zuletzt in der Buchführung des KSC eine Unterdeckung in Höhe von 1,2 Millionen Euro in seiner Planung für die Saison 2009/2010 aufgetaucht ist, was die Lizenzierung für die folgenden Jahre ab diesem Zeitraum infrage stellen könnte. Mittels Umschichtung innerhalb der noch zu gründenden Betriebsgesellschaft konnte die städtische Verwaltung das Defizit offenbar zwischenzeitlich bereits auf einen jährlich anfallenden Betrag von 800.000 Euro drücken, was das Problem allerdings nur mildert. Nach einer endgültigen Lösung wird auch hier noch gesucht.

...so könnte das neue Stadion aussehen! (Foto: FKS-Generalplaner)

Nicht zuletzt wegen derlei "Hin- und Herschiebereien" wollten die Grünen dem Verwaltungsantrag nicht zustimmen, da er ihnen noch nicht "abstimmungsreif" erschien. Angesichts der Menge von anstehenden Großprojekten stellte Andreas Ruthardt die städtischen Zuschüsse in Höhe von 30 Millionen Euro infrage, "da diese komplett von der öffentlichen Hand finanziert sind". Gerade im Hinblick auf die Verpflichtung der nachfolgenden Generationen würden diese eine zu große finanzielle Last darstellen, die in der Zukunft zu tragen sei. Unter den gegebenen Umständen - ohne potenziellen Sponsor für die Arena - sprachen sich die Grünen für maximal 14 Millionen Euro städtischen Zuschuss bei einer etwaigen Sanierung aus. "Wenn man eine größere Lösung will, muss man bereit sein, immer wieder in neue Planungskreisläufe zu gehen." Es gäbe bessere Modelle, beispielsweise eine Stufenlösung, die den schrittweisen Umbau oder Neubau vorsehen könnten.

Wie viel sind uns die KSC-Anhänger und der Verein wert?

Für FDP-Chef Michael Obert bekam die Debatte mit zunehmender Dauer eine gewisse Schieflage. "Es ist falsch, wenn wir sagen, dass wir für den KSC ein Stadion bauen. Wir bauen nicht dem KSC ein Stadion, sondern unseren Bürgern", versuchte er den Kurs im Plenum zu korrigieren. Man könne grundsätzlich nicht erwarten, dass "alles auf Heller und Pfennig zurückfließt". Gerade dann nicht, wenn der KSC mit einem vergleichsweise geringen Etat von zwölf Millionen Euro möglicherweise in der ersten Liga antrete. "Die Tatsache, dass der KSC Spitzenfußball leistet, sind mir die 30 Millionen Investition wert." Zudem, ergänzte Obert, gäbe es ohne Spitzensport auch keinen Breitensport.

Letztlich konzentrierte sich die Abstimmung auf eine Frage und politische Entscheidung: "Was wollen wir es uns kosten lassen, was darf uns Bürger der Neubau kosten?", formulierte es Klaus Heilgeist von der CDU. KAL-Chef Lüppo Cramer machte es mit Beispielen deutlicher: "Wollen wir ein Freizeitbad für bestimmte Teile der Bevölkerung, das uns nahezu 25 Millionen Euro kostet?", oder: "Wollen wir den Zoo, dessen Zukunftskonzept in den nächsten Jahren 20 Millionen Euro kosten wird, und letztlich nur den Zoo-Besuchern was bringt?" "Wollen wir darüber hinaus das Staatstheater mit jährlich 19 Millionen Euro weiter subventionieren, dort geht auch nicht die gesamte Bevölkerung hin." - Genauso laute die Frage nun: "Wollen wir 30 Millionen für die KSC-Anhänger in der Region ausgeben?! Es geht um eine ehrliche Entscheidung!"

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