Karlsruhe Eskalation im Wildpark

Die KSC-Fans standen unter Beschuss (Foto: ka-news)
Vor dem Spiel blieb es ruhig im Wildpark, obwohl sich zirka 2.500 Anhänger aus Sachsen auf den Weg nach Baden gemacht hatten. Ein großes Polizei- und Ordneraufgebot sorgte dafür, dass es vor dem Spiel nicht zu den befürchteten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fangruppen kam. Auf dem Platz war es im ersten Abschnitt ein zerfahrenes Spiel. Der KSC war zwar die bessere Mannschaft, doch nach 45 Minuten stand es 1:1. Ivan Saenko brachte die Blau-Weißen per Foulelfmeter in Führung, doch Ansgar Brinkmann erzielte den Ausgleich für Dynamo Dresden. In der zweiten Hälfte dann doch hässliche Szenen im Stadion. Aus dem Gästefanblock schossen die Dynamo-Fans mit Feuerwerkskörpern auf den KSC-Block.

Die ersten 45 Minuten waren noch friedlich und der Abstiegskampf spielte sich auf dem Platz ab.Für den gesperrten Ioannis Masmanidis spielte Alexandar Mladenov von Beginn an. Zudem rückte nach seiner Verletzung wieder Bradley Carnell in die Startelf. Für den Südafrikaner musste Kai Oswald auf der Bank Platz nehmen. Sonst vertraute Edmund Becker der gleichen Mannschaft wie in Köln. Der Karlsruher SC schaltete vom Anpfiff an den Vorwärtsgang ein und spielte nach vorne. In der neunten Minute hatte dann Jan Männer die erste gute Möglichkeit für die Badener. Nach einer schönen Flanke von Saenko von der rechten Seite, verfehlte der Offensivmann nur knapp den Ball. Doch auch Dynamo Dresden kam besser ins Spiel. In der elften Minute brannte es im KSC-Strafraum nach einer Ecke. Doch die Sachsen, in Person von Stürmer Joshua Kennedy, konnten kein Kapital daraus schlagen.

Gefoulter Saenko erzielte die Führung für den Karlsruher SC

In der 14. Minute verfehlte Florian Dick mit einem Distanzschuss nach einer Ecke das Tor der Sachsen nur um einen Meter. Danach gab es Pfiffe gegen den Schiedsrichter. Zweimal wehnten Dr. Helmut Fleischer und seine Linienrichter KSC-Spieler im Abseits. In der 17. Minute hätte aber die Führung für die Blau-Weißen fallen müssen. Nach einer schönen Kombination von Godfried Aduobe und Saenko verfehlte Männer zwar zunächst im Fünf-Meter-Raum den Ball, doch Dynamo-Torhüter Ignjac Kresic konnte den Ball nicht festhalten. Den zweiten Versuch von Männer parierte der Schlussmann dann zur Ecke, die aber folgenlos blieb. In der 21. Minute kam dann Jubel im Wildparkstadion auf.

Saenko wurde im Strafraum von einem Dresdener Abwehrspieler zu Fall gebracht, und Fleischer entschied zu Recht auf Elfmeter. Der Russe trat selbst an und sorgte in der 23. Minute mit seinem zweiten Saisontor für die verdiente Führung der Karlsruher. In der 32. Minute hatten dann die zirka 2.500 Dynamo-Fans Grund zum Jubeln. Nach einer Ecke für die Gelb-Schwarzen köpfte Brinkmann den Ausgleich. Der KSC war danach total verunsichert. Kennedy hatte nur zwei Minuten später mit einem Kopfball sogar die Chance zur Führung. Doch der Ball strich einen Meter über das Tor von Markus Miller. Saenko versuchte sich in der 37. Minute mit einem Schuss aus 25 Metern, der aber keine Gefahr für Kresic darstellte.

Eskalation zwischen den beiden Fangruppen

Bis zum Halbzeitpfiff passierte nicht mehr viel vor den 12.800 Zuschauern. Mit 1:1 gingen beide Teams in die Kabinen - ein gerechtes Ergebnis, wie auch KSC-Manager Rolf Dohmen feststellte: "Das Ergebnis geht in Ordnung. Bei beiden Mannschaften ist zu spüren, dass sie wissen worum es heute geht." Dementsprechend heiß waren die KSC-Spieler dann auch. Gut drei Minuten vor ihren Gegnern aus Sachsen standen sie schon auf dem Platz. Trotzdem taten sich die Badener schwer gegen die dicht gestaffelte Abwehr des Aufsteigers. Dynamo zog sich weit zurück und machte die Räume eng. Becker reagierte: In der 57. Minute wechselte er für den bemühten, aber glücklosen Mladenov einen weiteren Stürmer ein. Sebastian Freis sollte für mehr Bewegung in der Offensive sorgen. Der KSC wurde auch druckvoller und erspielte sich einige Tormöglichkeiten.

Die größte Chance hatte Mario Eggimann in der 62. Minute mit einem Kopfball nach einer Ecke. Doch Kresic parierte stark. Aber auch Dresden blieb gefährlich. Klemen Lavric scheiterte zwei Minuten aus kurzer Distanz an Miller. Nach 65 Minuten flippten dann die Dynamo-Fans aus. Aus dem Gästeblock schossen die Sachsen mit Feuerwerkskörper auf die KSC-Fans. Das Spiel musste unterbrochen werden. Die Lage eskalierte dann ganz, als die KSC-Fans sich ebenfalls mit Beschuss auf die Sachsen "revanchierten". Schiedsrichter Fleischer brach die Begegnung ab und schickte die Teams in die Kabine.

Endstand 1:1 - schiedlich, friedlich?

Die Polizei formierte sich vor dem Dresdener Block. KSC-Manager Dohmen eilte auf den Platz, um die Fans zu beruhigen. Auch einige Dynamo-Spieler versuchten ihre Anhänger zu beruhigen. Zehn Minuten später versuchten die Mannschaften einen neuen Anlauf. In der 71. Minute dann die erste Chance nach der Unterbrechung für die Badener. Nach einer Flanke von Florian Dick kam Saenko einen Augenblick zu spät. Zwei Minuten später setzte sich Danny Schwarz am Strafraum gut durch, doch sein Schuss war kein Problem für den Dynamo-Torhüter. Dynamo kam aber wieder. In der 76. Minute hätte nach einem Miller-Fehler eigentlich die Führung fallen müssen. Er unterlief eine Flanke, machte aber dann seinen Schnitzer mit einer Parade gegen Kennedy wieder gut. Nach 78 Minuten verließ Christian Kritzer den Platz. Für ihn kam Stürmer Daniel Reule aufs Feld.

In der 82. Minute hatte dann Schwarz die 2:1-Führung auf dem Fuß. Der KSC-Kapitän konnte völlig frei aus 16 Metern abziehen, verfehlte aber das Tor nur um Zentimeter. Fünf Minuten vor Schluss lief dann Saenko völlig allein auf das Dynamo-Tor zu. Doch anstatt abzuziehen, zog er nach innen und verlor den Ball. Am Ende blieb es beim 1:1. Ein Ergebnis, das beiden Mannschaften sportlich nicht viel bringt. Für die Situation zwischen den beiden Fangruppen war dieses Resultat wohl das Beste. Nicht auszudenken, was im Stadion passiert wäre, wenn eine der beiden Mannschaften gewonnen hätte. KSC-Trainer Becker war nach dem Spiel nicht zufrieden: "Nach dem 1:0 haben wir unsere Linie verloren. Auch nach dem Seitenwechsel lief es nicht rund. Erst nach der Unterbrechung kamen wir wieder besser ins Spiel. Trotzdem hat die Leistung nicht gestimmt."

Dynamo-Verantwortliche entschuldigen sich für ihre "Fans"

Christoph Franke distanzierte sich gegenüber den Ausschreitungen der Dynamo-Fans: "Das sind nicht unsere wahren Fans. Es ist für mich total bekloppt. Es ist in jeglicher Weise zu verurteilen." Genauso sah es auch Dynamo-Präsident Jochen Rudi: "Das verfolgt uns schon seit Jahren. Vor dem Spiel bin ich an den Zaun und wollte die Fans beruhigen. 95 Prozent haben mich beklatscht, ein paar Zuschauer haben mich aber auch beschimpft. Wir müssen knallhart durchgreifen. Ich mache so etwas nicht mehr mit. Ich muss mich bei allen hier in Karlsruhe entschuldigen." Er appellierte an die Polizei, den Verein zu unterstützen und die "Chaoten" aus dem Verein zu "eliminieren".

Die Verantwortlichen bei den Blau-Weißen waren geschockt. "Ich hoffe, dass niemand verletzt wurde", so Präsident Hubert H. Raase. Dohmen kündigte an, dass der Verein Anzeige erstatten wird: "So geht es nicht. Es kann sogar sein, dass der KSC jetzt auch noch bestraft wird, weil Raketen ins Stadion gebracht wurden. Ich muss es auch so deutlich sagen, dass Dresden bestraft werden muss, dass sie vielleicht in Zukunft ohne Fans auswärts antreten müssen." Dynamo-Präsident Rudi widersprach hier: "Wir können nicht 2.000 Fans für das Verhalten von 25 Chaoten bestrafen. Wir werden dagegen vorgehen, das verspreche ich."

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