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Der KSC am Abgrund - Eine Saisonbilanz

Der KSC, ein Sympathieträger der Liga, ist abgestiegen - rechnerisch zwar noch nicht, gefühlt aber spätestens seit Dienstagabend. Sympathien, die er sich schon in der 80er Jahren erworben hatte, zuletzt aber durch den tollen Aufstieg aus der Regionalliga in die Bundesliga. Und das mit geringen finanziellen Möglichkeiten. Rund ein Dutzend Spieler des Aufstiegskaders kamen aus der eigenen Jugend...

Die Mittel sind sehr begrenzt im schönen Badner Land. Auch, weil der KSC mit einem der schlechtesten Stadien im bezahlten Fußball ausgestattet ist. Das lässt keine Spielräume zu - war mitverantwortlich für die aktuelle Lage. Es gibt noch andere Gründe. Viele Gründe - und die Gründe für das über weite Strecken der Saison desolate Auftreten der Mannschaft haben auch dann noch Bestand, falls das rechnerisch Mögliche, der Verbleib in der Ersten Liga, wahr werden sollte (woran selbst größte Optimisten wohl nicht mehr glauben).

Ramsch im WSV

Die KSC-Sportchefs Rolf Dohmen und Ede Becker hatten kein so glückliches Händchen in Sachen Neuzugänge. Tim Sebastian erwies sich als Mitläufer, der inzwischen bei den Amateuren kickt. Da Silvas Auftritte und vor allem seine Einstellung ließen zu wünschen übrig. Disziplin? Nur allzu selten vorhanden! Die Eigengewächse Stoll oder Staffeldt stagnierten. Vorsichtig ausgedrückt. Und steckten dann den Kopf in den Sand.

Und: Weder Freis, Buck und Co. entwickelten sich weiter, lernten dazu. Warum auch immer… Überhaupt: Keiner aus dem Kader konnte seine Leistung aus der Vorsaison verbessern, nur ganz wenige bestätigten diese guten Auftritte. Vielmehr: Leistungsträger patzten laufend. Von Keeper Miller über Mittelfeldmann Mutzel bis hin zu den Männern mit der "Torerfolgsallergie": Kapllani und Kennedy.

Die "Schnäppchen" im "Winterschlussverkauf" erwiesen sich weitgehend als Ramsch - sprich: Fehlgriffe. Engelhardt ist zu langsam, Saglik nie und nimmer erstligareif, Federico kam mit riesigem Übergewicht und hatte zudem Pech beim Torschuss. Nur Drpic war erfreulich. Nicht nur wegen seiner attraktiven Ehegattin…

Der schmerzhafte Blick  gen Osten...

Und der Trainer? Becker versuchte alles. Taktisch, in Sachen Motivation - überall. Umsonst. Die größte Stärke Beckers wurde zu einer Schwäche. Ede Becker ist ein ehrlicher, integerer - ja ein absolut guter Mensch. Er war zu gut für die abgezockten, teilweise egoistischen Profis. Er schützte sie immer wieder. Hielt vieles intern. Egal ob einer zum Auslaufen noch mit ein paar Promille kam, oder ein anderer zu spät. Becker strafte intern. Blieb Mensch - ohne dafür Dank zu erhalten. Becker hätte manch einen öffentlich an die Wand nageln sollen.

Warum er Iashvili nach dessen tollem Auftritt gegen Leverkusen in der Woche danach in Cottbus wieder auf die Bank setzte, bleibt sein Geheimnis. Auch warum er "Iashi" so lange im Stall ließ, an Timm oder Kapllani festhielt. Doch das war nicht abstiegsentscheidend. Vielmehr: Die Torflaute der Angreifer. Aber: Geld schießt nun einmal doch Tore - und Geld hat der KSC nicht. Kohle? Keine da! Die Vor-Vorgänger von Präsident Raase haben die verprasst.

Man nehme den VfB Stuttgart zum Vergleich. Die Schwaben holten im Winter einen 19-jährigen Burschen namens Gebhardt vom Zweitligisten 1860 München. Für etwas mehr als drei Millionen Euro Ablöse. So viel konnte Manager Rolf Dohmen in den vergangenen sechs Jahren zusammen nicht ausgeben. Apropos Dohmen. Der ist äußerlich gekennzeichnet, um Jahre gealtert. Man muss sich ernsthaft Sorgen um den Gesundheitszustand des Mannes machen, der für den Aufschwung des KSC mitverantwortlich war. "Fans", die von Dohmen wegen Fehlverhaltens Stadionverbot erhielten, sehen das anders...

Wie geht's weiter: Zwischen "Becker raus" und "Weiter so"

Noch ein Wort zu "Fans". Wenn Spieler wie Eichner oder Franz auf dem Weg zum Bus ins Trainingslager angerempelt werden, Angst bekommen - dann sorgen diese "Fans" mit solchen Aktionen dafür, dass "Eiche" und "Iron" Maik wohl dadurch eher den Wildpark verlassen werden.

Der Ex-Profi Dohmen litt unter den schlechten Leistungen, aber auch unter Attacken aus dem Verwaltungsrat. Unter solchen, die unter der Gürtellinie ansetzten. Böse, unbelegbare Korruptionsvorwürfe trafen Dohmen ins Mark. Querschüsse von Leuten, die wenig vom Fußball verstehen, sorgten nicht dafür, die Kräfte für den Abstiegskampf zu bündeln. Wegen tumber Korruptionsunterstellungen musste Dohmen viel Zeit opfern. Seine Überreaktion: "Ich bring' Dich um!" war falsch. Aber verständlich. Man berücksichtige Ursache und Wirkung!

Und jetzt? Becker rauswerfen? Oder: Weiter so? Jetzt besteht die Gefahr, noch größere Fehler zu machen, als in den vergangenen zwölf Monaten. Becker muss und wird an seinen "Schwächen" arbeiten - ohne sich zu verbiegen. Becker ist ein Fußball-Fachmann, eine Respektsperson - einer, der sein Herzblut für den KSC vergießt. Man kann nur hoffen, dass er den leisen Lockrufen aus der Pfalz widersteht. Er sollte es schaffen, den KSC bald wieder nach oben zu führen. Die Führungsspitze hat in den Jahren davor durch Sparsamkeit dafür gesorgt, dass der KSC jetzt nicht ins Bodenlose fällt. Ein Etat von rund neun Millionen Euro scheint möglich - und damit ein Spitzenteam für Liga zwei.

"Iron Maik" muss bleiben!

Elf Spieler haben einen gültigen Vertrag. Darunter Spieler wie Langkamp, Stindl, da Silva oder auch Mutzel. Doch einer MUSS unter allen Umständen im Wildpark gehalten werden: Maik Franz, DIE Führungsfigur! Da müssen die KSC-Funktionäre an die Grenzen des Machbaren gehen. Franz (27) hat signalisiert zu bleiben. Auch in Liga zwei, zu reduziertem Gehalt. Doch die Länge des Vertrags - fünf Jahre - und das Gesamtpaket müssten stimmen. Also: lieber einen da Silva, der auch einen Zweitligavertrag hat, gehen lassen (wenn den denn jemand will) - und dafür den Kapitän "Iron Maik" Franz halten!

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