Karlsruhe Der Gemeinderat entscheidet

Wird hier bald ein Schmuckkästchen entstehen (Foto: ka-news)
Heute zur besten Bundesliga-Zeit um 15.30 Uhr tritt der Karlsruher Gemeinderat zu seiner 44. Plenarsitzung zusammen. Punkt sechs auf der Tagesordnung: Wildparkstadion. Stadt und Verein haben sich auf eine für beide Seiten annehmbare Miete für die neue Arena geeinigt. Der Gemeinderat könnte also dem Neubau grünes Licht erteilen.

Der Kompromiss für eine Einigung sieht so aus: Der Mietvertrag, der über 25 Jahre abgeschlossen wird, wird nach zehn Jahren nochmals überprüft. Im Gegenzug verzichtet der KSC auf eine Deckelung der Miete für die zweite Bundesliga auf 2,4 Millionen Euro und akzeptiert eine Höchstmiete von 3,7 Millionen Euro, die auch für die Erste Bundesliga gilt. Differenzen in den nächsten zehn Jahren, die zwischen der Forderung der Stadt und den Möglichkeiten des KSC entstehen könnten, sollen mit den zwei Millionen Euro gestopft werden, die KSC-Verwaltungsratsmitglied Bernd Bechthold - jeweils eine Million Euro von Sponsoren des KSC-Freundeskreises und Ministerpräsident Günther Oettinger - bei der Mitgliederversammlung des KSC am 17. Oktober (ka-news berichtete) zur Verfügung stellte. Jährlich sollen davon aus den Sponsor- und Landestopf jeweils 100.000 Euro verwendet werden.

Kein grüner Zweig in Sicht

Doch bis zu diesem Konsens hat es lange gedauert. Schon als der Gemeinderat in seiner Sitzung am 27. Februar grünes Licht für einen Umbau des Wildparkstadions gab (ka-news berichtete), war die Finanzierung der laufenden Kosten lange nicht in trockenen Tüchern. Von der Stadt wurde ein Finanzierungs- und Betriebskonzept angestrebt, bei dem die finanziellen Risiken zwischen der Stadt und dem KSC verteilt sein sollten. Zu diesem Zweck soll das Stadion von der Karlsruher Fächer GmbH & Co. Stadtentwicklungs-KG (KFE) an eine noch zu gründende KSC-Stadionbetriebsgesellschaft verpachtet werden, deren Eigentümer zu 100 Prozent der KSC sein sollte. Aus den in der Betriebsgesellschaft erwirtschafteten Erträgen soll die Stadt einen jährlichen Anteil in Höhe von 1,75 Millionen Euro bis maximal 2,25 Millionen Euro als Stadionpacht erhalten. Im Gegenzug soll der KSC offenbar zwischen 1,9 und 2,3 Millionen Euro einer so genannten Eventvergütung erhalten.

Sind die Tage des ehrwürdigen Stadions gezählt (Foto: ka-news)

In einem Brief an den KSC-Präsidenten übernahm Fenrich im Juli nochmals die Initiative in Sachen Streitfrage Stadionmiete. Drei Modelle zur Finanzierung der Deckungslücke von 800.000 Euro bei den Betriebskosten des Wildparks wurden dargelegt (ka-news berichtete). Nach einer Prüfung der Vorschläge musste der KSC festgestellten, dass bei allen Offerten der Verein schlechter gestellt werden würde, als die eh schon bestehende Deckungslücke. Bei Variante eins wären das zusätzlich 600.000 Euro, also insgesamt 1,4 Millionen Euro, bei Vorschlag zwei wären es insgesamt eine Million Euro und beim dritten Vorschlag insgesamt 1,4 Millionen Euro. Also ein Mehraufwand von bis zu 20 Millionen Euro über 25 Jahre hinweg.

Der neue Wildpark stand kurz vor dem Aus

Anfang September verkündeten dann Oberbürgermeister Heinz Fenrich und KSC-Präsident Hubert H. Raase medienwirksam auf der Pressekonferenz nach dem 1:0-Sieg über den VfB Stuttgart (ka-news berichtete), dass eine Einigung im Stadionstreit vollzogen sei. Der Kompromiss umfasse im Wesentlichen folgende drei Punkte. Die Stadt verzichtet auf die Forderung nach der Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft. Zudem erhöht die Stadt Karlsruhe ihren Zuschuss an die städtische Fächer GmbH, die den Umbau bewerkstelligen soll, um 400.000 Euro jährlich. Der KSC bezahlt eine Miete von 35 Prozent seiner Einnahmen aus dem Ticketverkauf in der Ersten Bundesliga beziehungsweise 40 Prozent in der Zweiten Bundesliga. Der verkündete Durchbruch musste revidiert werden, da der KSC sich nicht in der Lage sah, mehr als 2,35 Millionen Euro Miete plus 200.000 Euro Energiekosten für das Wildparkstadion in der zweiten Bundesliga zu zahlen.

Mitte Oktober, kurz vor der Mitgliederversammlung des KSC, sah man in der Fächerstadt die Chancen auf einen Neubau schwinden. Stadt und Verein hatten sich festgefahren und kamen in ihren Verhandlungen nicht mehr voran. "Die Verhandlungsspielräume sind ausgeschöpft. Die Chancen auf ein neues Wildparkstadion schwinden", hieß es in einer Pressemitteilung des OB vor der Gemeinderatssitzung am 16. Oktober (ka-news berichtete), bei der Umbau auf der Tagesordnung hätte stehen sollen. In der Gemeinderatssitzung am 13. November solle, so das Stadtoberhaupts damals, eine endgültige Entscheidung fallen - "so oder so".

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