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Karlsruhe Becker holt Franz in die Startelf - und glaubt an Klassenerhalt!

Ede Becker hat alles versucht. Der Trainer des KSC stellte das System um, brachte neue Spieler zum Einsatz - alles schien umsonst. Der KSC raste dem sicheren Abstieg entgegen, "Becker-raus"-Rufe dröhnten durch den Wildpark. Doch nach dem Überraschungssieg gegen Bayer Leverkusen sieht der Coach wieder einen Silberstreif am Horizont. Mit KSC-Dauerbrenner Becker sprach Peter Putzing.

ka-news: Herr Becker, gibt es doch einen Fußballgott? Gegen Hoffenheim landete ein Federico-Geschoss in der 90. Minute am Pfosten – in Leverkusen war der Siegtreffer ein Glückstor.
Becker: Ich will die Frage so beantworten: Ich habe es immer wieder betont, auch wenn ich zwischenzeitlich selbst ins Zweifeln kam: Wenn man etwas investiert, sich reinkniet, immer versucht sein Bestes zu geben, dann wird man dafür irgendwann belohnt. Wir haben in der Rückrunde sehr viel investiert und wenig zurückbekommen.

ka-news: Große Steine heißen im Badischen oft: Wackes. Wie groß war denn der "Wackes", der Ihnen nach dem 1:0-Sieg in Leverkusen vom Herzen fiel?
Becker: Das war ein Riesenwackes. Nach der Zeit, in der der Druck immer größer wurde, in der wir alles mögliche versuchten, um Erfolge zu erreichen, und nichts hat gegriffen.

Das war wichtig, sehr wichtig. Wir brauchten solch ein Ergebnis, sonst wären wir chancenlos gewesen. Jetzt haben wir noch Spiele und können auf diesem Erfolgserlebnis aufbauen.

ka-news: Ganz ehrlich: Haben Sie denn daran glaubt, dass die Chance die Klasse zu erhalten, nochmals so groß sein wird?
Becker: Ja, weil mir immer klar war, dass wir mit einem oder zwei gewonnenen Spielen wieder gleichziehen können, zumindest auf Tuchfühlung kommen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir Spiele gewinnen können – auch wenn das in den letzten Wochen nicht so aussah. Aber wir waren in München oder auch Wolfsburg dicht dran, daher habe ich immer an den Klassenerhalt geglaubt.

ka-news: In der Niederlagenphase war der Druck auf Sie enorm. Manche Besserwisser grölten gar: "Becker raus!" Kann man in solch einer Situation überhaupt noch abschalten?
Becker: Nein, das kann man nicht mehr.

ka-news: Auch nicht zu Hause, bei Ihrer Frau?
Becker: Auch zu Hause denkt man nur noch an Fußball. Das sind gewaltige Unterschiede zu einer Situation wie ein Jahr zuvor. Da gab's keinen Druck, da lief's. Wir hatten eine Negativserie und ich als sportlich Verantwortlicher muss dafür gerade stehen. Diesen Schuh ziehe ich mir an und deshalb zehrt und nagt solch eine Serie.

ka-news: Was half, um in die Erfolgsspur zurückzukehren?
Becker: Das was ich immer sagte: Wir müssen defensiv gut stehen und vorne ein, besser zwei Tore schießen. Beides gelang uns in Leverkusen. Das gelang auch, weil Innenverteidiger Langkamp defensiv gut spielte – und offensiv traf.

ka-news: Jetzt kehrt der Kapitän Maik Franz zurück. Möglich, dass Langkamp auf die Bank muss. Ein Luxusproblem für Ede Becker?
Becker: Solche Probleme sind mir lieber als zwischen zwei schwachen Akteuren entscheiden zu müssen. Zu Maik Franz: Ein Kapitän gehört in die Mannschaft. Aber um dazu zu gehören, muss man fit sein. Maik muss eine gute Trainingswoche hinlegen, dann wird er spielen…

ka-news: … von Anfang an?
Becker: Die Tendenz geht klar in diese Richtung. Aber erst einmal abwarten. Franz hat sicherlich noch Rückstände, aber ich hätte ihn gerne vom Anpfiff an dabei. Langkamp und Drpic spielen einen guten Part in der Defensive – aber Maik ist der Kapitän. Sein Zustand entscheidet über seinen Einsatz. Ich werde mich ausgiebig mit ihm unterhalten und wir werden gemeinsam die richtige Entscheidung erarbeiten. Das wird das zentrale Thema am Donnerstag und Freitag sein.

ka-news: Alles spricht vom Endspiel gegen Cottbus. Werden Sie die Partie puschen oder eher den Ball flach halten?
Becker: Wir werden eine normale Spielvorbereitung machen. Lasst uns den Fußball nicht komplizierter machen als er ist. Lasst uns versuchen Gas zu geben, alles zu investieren. Laufbereitschaft, Leidenschaft, Esprit und Siegeswillen. Und nichts hinein interpretieren von Endspiel und spezieller Psychologie, nicht irgendwas kreieren und damit alles komplizieren. Wir brauchen eine Truppe auf dem Platz, die fightet, die kämpft, die alles dafür gibt Cottbus zu besiegen. Dafür reicht es zum Beispiel, einen Tag vor der Partie ins Trainingslager zu gehen.

ka-news: Nervt es Sie, wenn Gerüchte durch die Gazetten geistern, dass Hoffenheim Drpic, Stindl und Eichner will, der 1. FC Köln an Andreas Görlitz Interesse habe?
Becker: Das gehört dazu. Das beschäftigt mich – nervt aber nicht. Wir reden ja auch mit Spielern, die wir gerne hätten. Natürlich sind solche Dinge einfacher zu handeln, wenn man nicht in einer derart prekären Lage ist, wie wir. Unnötig ist allerdings, dass vieles in der Öffentlichkeit ausgetragen wird…

ka-news: Aber es muss doch schön für sie sein, wenn Maik Franz in der Öffentlichkeit sagt: Ich könnte mir durchaus vorstellen, nach einem Abstieg beim KSC zu bleiben!
Becker: Das ist absolut positiv. Wir sollten so schnell wie möglich, mit aller Vehemenz – und das werde ich im Verein forcieren – mit dem Berater von Maik Kontakt aufzunehmen. Am besten schon nächste Woche. Wenn die Bereitschaft von Maik da ist, muss man das nützen. Typen wie ein Maik Franz – die sterben aus. So einen muss man mit aller, aller Macht halten.

ka-news: Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Sie den Klassenerhalt feiern?
Becker: Das lasse ich, so wie ich die meisten Dinge handhabe, in Ruhe auf mich zukommen. Ich werde einige Zeit brauchen, um das alles zu verarbeiten. Ich stehe in einer großen Drucksituation, die ungewohnt ist, das muss ich dann erst verarbeiten. Der Klassenerhalt in dieser Saison wäre für mich höher einzuschätzen als der Aufstieg oder der Ligaerhalt in der vergangenen Saison. Ich will nicht sagen, dass das eine Krönung wäre – aber die größte Bestätigung meiner Arbeit.

ka-news: Was ist denn nach dem Überraschungssieg in Leverkusen das Ziel: der direkte Klassenerhalt oder die Relegation?
Becker: So lange der Klassenerhalt direkt machbar ist – natürlich der. Wenn nicht, dann muss man den steinigen Weg der Relegation gehen. Wir würden da mit positiven Gedanken reingehen, denn uns hatten alle ja schon lange total abgeschrieben. Wir kämen als Mannschaft, die etwas erreicht hat, die einen positiven Lauf hatte – und die den Zweitligisten weghauen würde.

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