[AUTOR]... meint Stefan Jehle[/AUTOR] Karlsruhe Ball liegt jetzt beim KSC

"Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst die niemand kann". Das ist eine uralte Weisheit, die sich vor allem Kommunalpolitiker zu Herzen nehmen sollten. Allzu oft sind diese mit Wünschen konfrontiert, die sie im Leben nie und nimmer werden erfüllen können. Auf kommunaler Ebene wird viel investiert, gerade auch in Infrastrukturvorhaben: da kann ein Rathauschef sich einerseits Lorbeerkränze flechten, wenn er beispielsweise Spaßbäder baut, neue Stadthallen, oder den Sportbegeisterten nach dem Munde redet. Aber da ist es auch schnell so, dass sich jemand "in die Nesseln setzt".

Karlsruhes OB Heinz Fenrich (CDU) ist diese Woche offensichtlich "das Herz übergelaufen". Da ließ er leise, aber doch deutlich Medienschelte anklingen, klagte darüber, dass zu dem Beschluss des Stadionneubaus im Wildpark "immer nur die Argumente des KSC zur Geltung" kämen.

Im vergangenen Frühjahr wurde der Grundsatzbeschluss getroffen: Für rund 58 Millionen Euro beabsichtigt die Stadt Karlsruhe das in die Jahre gekommene Wildparkstadion, das in seinen Ursprüngen auf die frühen 50er Jahre zurückgeht, grundlegend zu erneuern. Darüber herrschte im Stadtrat weitgehend Einigkeit, auch darüber, dass dem wieder in die Erste Bundesliga aufgestiegenen KSC kaum zuzumuten wäre, in dem in weiten Teilen nicht mal mehr den modernsten Sicherheitsbestimmungen gerecht werdenden Stadion hochrangige Bundesligisten zu empfangen - und den sicher zahlreicher werdenden Fans ohnedies. Im Februar lag das Konzept einer Betreibergesellschaft auf dem Tisch, auch darüber herrschte Einigkeit, und der KSC als "Herr des Platzes" sollte als Pächter auftreten.

Die Verantwortlichen des Traditionsclubs KSC ließen jedoch frühzeitig ihre Bedenken erkennen, ließen sich bis heute nicht zu einem Votum erweichen, besagtem Konzept auch von ihrer Seite zuzustimmen. Es ist klar, dass ein Verein, der auf der Erfolgswelle schwimmt, hoch pokert. Das ist auch in Stuttgart derzeit nicht anders, wo der Deutsche Meister VfB Stuttgart mit der Stadtverwaltung verhandelt, das in den letzten Jahren mehrfach umgebaute Gottlieb-Daimler-Stadion aufzukaufen, und es in Eigenregie in eine reine Fußballarena umbauen will: von 110 Millionen Euro Kaufpreis ist derzeit die Rede.

Die Gespräche in Karlsruhe sind derweil in den vergangenen Monaten ins Stocken gekommen, teilweise ist gar von Funkstille die Rede, so dass Stadtoberhaupt Fenrich sich vergangene Woche offensichtlich nicht anders zu helfen wusste, als die KSC-Verantwortlichen vor vollendete Tatsachen zu stellen und mit ihnen via Presse zu kommunizieren. Den im Trainingslager in Baiersbronn weilenden Sportvereinsmanagern ließ er durch Boten am Montagvormittag mitteilen, dass er seine neuesten Überlegungen zum Wildparkstadion via Pressekonferenz mitzuteilen gedenke. Nun legte er beim Medienempfang der Stadt am vergangenen Dienstagabend nochmals nach.

"Es wäre gut und wichtig, wenn wir nicht immer ein 'geht nicht' zu hören bekämen. Die Stadt benötigt jetzt endlich eine annehmbare Vorlage", so Fenrich. Die Kritik des OB richtete sich auch an die am Dienstag eher spärlich anwesenden Sportjournalisten, denen man immer wieder nachsagt, doch eher an den Fersen der Fußballstars zu kleben und damit an dem erstrebenswerten, aber wohl nicht jetzt und sofort erfüllbaren "Fußballer-Schlaraffenland", als die Sicht der Stadt teilen zu wollen. "Der Ball liegt jetzt beim KSC", sagte der OB. Mit seinem Einwurf vor versammelter Medienmannschaft hatte Fenrich jedoch nur allzu recht. Jenen besagten Sportjournalisten, die Fenrich da wohl im Fokus hatte, möchte man den Lehrsatz des Altmeisters aller deutscher Journalisten, dem langjährigen Moderator der ARD-Tagesthemen und des ZDF-Sportstudios, Hajo Friedrichs zurufen, der da sagte: "Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten..."

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