Köln Köln auf Abstiegsplatz: Kruse schießt Union zum Sieg

Beim 1. FC Köln ist Krise statt Karneval: 18 Spiele warten die Kölner in der Fußball-Bundesliga auf einen Sieg. Der 1. FC Union Berlin surft dagegen weiter auf einer Erfolgswelle.

Im Karnevalstrikot hat der 1. FC Köln gleich drei Negativ-Rekorde seiner langen Bundesliga-Historie eingestellt und ist folgerichtig von Max Kruse auf einen Abstiegsplatz geschossen worden.

Die Kölner verloren am 8. Spieltag mit 1:2 (1:1) gegen das stark ersatzgeschwächte Überraschungsteam des 1. FC Union Berlin und sind nun Vorletzter. Da halfen am Sonntag auch die lautstarken Fangesänge nichts, die eine Handvoll Fans hinter der Südkurve durch eine große, schwarze Lautsprecherbox ins Stadion-Innere spülten.

Mit nun 18 Spielen in Folge ohne Sieg stellte der FC die negative Vereins-Bestmarke aus zwei Spielzeiten ein, 19 Mal in Folge ohne Gegentor blieben die Kölner zuvor nur 1974, zehn Heimspiele in Folge ohne Sieg gab es nur in der Saison 2005/06. Und nächste Woche muss der FC zu Borussia Dortmund. «Heute ist ein sehr bitterer Tag, ein sehr bitterer Abend. Es bleibt uns nicht anderes übrig, als weiter Gas zu geben», sagte Abwehrspieler Rafael Cichos geknickt und fügte an: «Wir müssen die Fehler abstellen, sonst gewonnen wir kein einziges Spiels in diesem Jahr.»

Dagegen setzten die Eisernen aus Berlin ihren Höhenflug unbeeindruckt von großen Verletzungssorgen fort und festigten Rang fünf. Kurios war dabei der Siegtreffer. Der bis dahin wirkungslose Kruse verschoss im 17. Versuch erstmals in der Bundesliga einen Elfmeter und verpasste den alleinigen Bundesliga-Rekord. Den Nachschuss versenkte er aber zum Siegtreffer (72.). Der vom englischen Meister FC Liverpool und Teammanager Jürgen Klopp ausgeliehene Taiwo Awoniyi hatte Union mit seinem ersten Bundesliga-Tor in Führung gebracht (27.). Ellyes Skhiri glich zwischenzeitlich aus (36.). Auf Tabellenführer FC Bayern München hat Union ganze vier Punkte Rückstand.

«Schade, dass ich den Rekord nicht habe», bedauerte Kruse, «aber im Endeffekt ist der zweite Ball reingegangen und dann kann man es verkraften.» Für ihn zähle ohnehin mehr die Mannschaftsbilanz. «Wir haben 15 Punkte, wir haben sieben Spiele nicht verloren - ich denke, das ist es, worüber die Leute schreiben sollten.»

Der Druck auf die Kölner hatte schon vor dem Anpfiff zugenommen, denn durch den Mainzer 3:1-Sieg in Freiburg war der FC auf Rang 17 abgerutscht. Und er wäre auch fast früh in Rückstand geraten, als Marcus Ingvartsen nach einer offenbar missglückten Abseitsfalle frei vor Timo Horn auftauchte, den Ball aber über das Tor lupfte. Union musste ohne etablierte Spieler wie Christian Gentner, Joel Pohjanpalo, Keita Endo, Nico Schlotterbeck oder Marius Bülter auskommen, nach knapp einer halben Stunde musste dann auch noch Sebastian Griesbeck verletzt raus.

Zu diesem Zeitpunkt führten die Gäste, die im Vorjahr nur gegen Köln beide Spiele gewannen, bereits durch den Treffer von Awoniyi, der ein Missverständnis zwischen Marius Wolf und Rafael Czichos ausnutzte. Ein Flugkopfball von Skhiri nach Freistoß von Ondrej Duda brachte den FC aber noch vor der Pause zurück ins Spiel.

Auch nach dem Wechsel blieb es ein Spiel auf überschaubarem Niveau. Bezeichnend dafür: Sowohl der angeschlagen ins Spiel gegangene Ex-Unioner Sebastian Andersson im Sturmzentrum der Kölner, als auch Berlins zuletzt starker Offensiv-Stratege Kruse, an dem auch der FC vor der Saison loses Interesse hatte, waren quasi nicht zu sehen. Kruse aber wurde dann aber doch noch zum Matchwinner.

© dpa-infocom, dpa:201122-99-426332/3

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