Lissabon Nagelsmann: «So ein Spiel ist wie ein Schnellladegerät»

RB Leipzig steht in der Fußball-Königsklasse unter den besten vier Teams Europas. Der Sieg gegen Atlético Madrid ist verdient, das unterstreicht auch Julian Nagelsmann. Für die nächste große Aufgabe verspricht der Trainer einen schnellen Regenerationsprozess.

Fragen an Trainer Julian Nagelsmann nach dem Einzug ins Halbfinale der Champions League mit RB Leipzig durch das 2:1 gegen Atlético Madrid in Lissabon.

Frage: Erst Tottenham mit José Mourinho, jetzt Atlético Madrid mit Diego Simeone, und nun kommt Paris Saint-Germain mit Thomas Tuchel. Große Trainer-Duelle scheinen Ihnen zu liegen?

Antwort: Ich muss schon festhalten, dass die Mannschaft und wir als Kollektiv Tottenham ausgeschaltet haben und heute Atlético. Da geht es nicht um Trainerduelle gegen Mourinho, Simeone oder jetzt gegen Tuchel. Es ist ein Mannschaftssport, und die Mannschaft hat es herausragend gemacht.

Frage: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Antwort: Wir haben absolut verdient gewonnen. Wir waren die bessere Mannschaft, haben herausragend gute Aktionen gespielt, mehr als viele andere Mannschaften gegen Atlético. So eine junge Truppe auf dem Feld - mit ein paar Erfahrenen wie Yussuf Poulsen als Beispiel - hat null Nervosität gezeigt. Da war ich sehr zufrieden.

Frage: Wie wollen Sie neue Kraft schöpfen für das Halbfinale gegen Paris?

Antwort: Das ist derselbe Ablauf wie sonst auch. Regenerationsmaßnahmen, gut essen, gut trinken, keinen Alkohol, sondern viel Wasser, den Flüssigkeitshaushalt auffüllen. Viel schlafen, und dann ist das Spiel, was bevorsteht, eine große Sache. Ich habe vor dem Spiel gesagt, ich hoffe, es folgt noch ein größeres, das ist jetzt ein größeres Spiel. Da werden die Akkus automatisch wieder ein bisschen schneller aufgeladen. So ein Spiel ist wie ein Schnellladegerät. Wir werden im nächsten Spiel wieder die Körner haben, um ein guter Gegner zu sein.

Frage: Hatten Sie irgendwann Zweifel an dem Sieg?

Antwort: Man hat nach dem Führungstor gesehen, dass wir kurzzeitig mal unser Glück nicht fassen konnten, dass wir vorne sind, dass wir auch noch so ein schönes Tor schießen, da waren wir mal zehn Minuten raus und waren nicht mehr aktiv, waren nicht so geduldig. Nach dem 1:1 war alles wieder da. Die Jungs sind nicht zusammengebrochen.

Frage: Wie ist ihr Verhältnis zu PSG-Trainer Thomas Tuchel?

Antwort: Das Verhältnis ist, seitdem er bei PSG ist, normal. Wir haben noch nie ein extrem inniges Verhältnis gehabt. Wir haben immer mal SMS geschrieben, uns ausgetauscht über zum Beispiel Christopher Nkunku, als der Transfer anstand. Natürlich war ich sein Spieler, aber das ist lange Jahre her. Ich bin im Tagesgeschäft wie er. Es ist nicht so, dass wir stetigen Austausch haben. Das wünschen sich die Medien so ein bisschen, aber das gibt es in der realen Fußball-Welt nicht.

Frage: Bester Mann auf dem Platz war Abwehrchef Dayot Upamecano. Wie bewerten Sie seine Leistung?

Antwort: Wahrscheinlich hat ihn das motiviert, dass ich ihn ein «Biest» genannt habe. Heute war er tatsächlich ein Biest, war von der ersten bis zur letzten Minute konzentriert. Er hat sonst immer mal eine Situation, wo er einen kleinen Leichtsinnsfehler drin hat, das hat er heute gar nicht gehabt. Er hat intelligent gespielt.

Frage: Nach dieser Leistung, ist da nicht eine Titelansage fällig?

Antwort: Eine Titelansage gibt es nicht, aber es ist ja selbstredend und selbsterklärend, dass wir jetzt ins Finale kommen wollen. Das ist ja normal, wenn Du die nächste Runde erreichst, dass du dann wieder die nächste Runde erreichen möchtest. Das steckt in jedem Fußballerherz drin. Deshalb wollen wir ins Finale, das ist völlig klar. Wenn wir da sind, können wir weiter sprechen über weitere Dinge. Jetzt geht es erstmal darum, wieder einen Riesenbrocken vor der Brust zu haben.

© dpa-infocom, dpa:200814-99-162863/2

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