Stuttgart Nach Identitätswirbel: Sperre und Geldstrafe für Silas

Am Dienstag gab der VfB Stuttgart bekannt, dass sein Stürmer Silas jahrelang unter falscher Identität gespielt hat. Die Offenbarung des Kongolesen hat nun Folgen. Sein Club kann damit aber gut leben.

Schnelles Urteil in der Causa Silas. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Stürmer Silas Katompa Mvumpa vom VfB Stuttgart wegen unsportlichen Verhaltens für drei Monate gesperrt. Zudem muss der Kongolese eine Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro zahlen, wie der Verband am Freitag in Frankfurt/Main mitteilte. Spieler und Club haben dem Urteil zugestimmt. Es ist somit rechtskräftig.

Der VfB hatte am Dienstag öffentlich gemacht, dass der Offensivmann bislang unter falschem Namen gespielt hat und ein Jahr älter ist als bislang angegeben. Zuvor hatte sich der elffache Torschütze der vergangenen Bundesliga-Saison, der für die Schwaben bisher als Silas Wamangituka aufgelaufen war, den Clubbossen anvertraut. Er sei «Opfer von Machenschaften seines ehemaligen Spielervermittlers» geworden, schrieb der VfB.

«Sein Geständnis wirkte sich strafmildernd aus, ebenso wie die Tatsache, dass er auch mit seiner wahren Identität eine Aufenthaltserlaubnis und ein Spielrecht als Profifußballer in Deutschland erhalten hätte», hieß es nun in der DFB-Mitteilung.

Silas wird nach einem im März erlittenen Kreuzbandriss wohl erst im Herbst sein Comeback geben. Die vom DFB verhängte Sperre gegen den 22-Jährigen gilt bis einschließlich 11. September.

«Dass Silas vom DFB sanktioniert wird, war ihm und uns klar und muss nach den Statuten auch so sein», sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. «Das Urteil berücksichtigt zugleich die besonderen Umstände seines Falls. Wir sind froh, dass der sportgerichtliche Aspekt auf DFB-Ebene damit für Silas abgeschlossen ist.»

Der VfB hatte den Angreifer 2019 für rund acht Millionen Euro Ablöse vom Paris FC geholt. Nach Angaben der Stuttgarter lebte er während seiner Zeit in Paris in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem Berater und habe «augenscheinlich» weder auf sein Konto noch auf seine Papiere Zugriff gehabt. «Wenn man es mit der Überschrift Menschenhandel beschreibt, dann kommen wir dem Thema schon sehr nah», hatte Mislintat den Fall kommentiert. «Wenn er nichts gesagt hätte, hätte er seine Karriere, ohne dass irgendetwas passiert wäre, sehr einfach fortsetzen können, völlig problemlos.» Trotzdem habe Silas sich dazu entschlossen, «die Wahrheit zu erzählen».

Und ist damit womöglich in gewisser Weise auch ein Vorreiter. «Wir glauben, dass Silas kein Einzelfall ist in Europa. Er übernimmt damit auch gewissermaßen ein Stück Verantwortung für das, was im weltweiten Fußball so stattfindet», hatte Mislintat unter der Woche jedenfalls gesagt. Der 48-Jährige sprach von «erschreckenden Dimensionen».

© dpa-infocom, dpa:210611-99-955313/4

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