Stuttgart Von Hundert auf Null: SWR-Moderator Fritz geht in Ruhestand

Atomunfall in Tschernobyl, Terror in New York, Amoklauf in Winnenden - Dieter Fritz war immer gerade im Dienst vor der Kamera. Fünf Ministerpräsidenten hat er erlebt und so manchen Politikwechsel. Jetzt nimmt er Abschied.

Nach mehr als 30 Jahren vor der Kamera moderiert Dieter Fritz an diesem Freitagabend zum letzten Mal die SWR-Fernsehnachrichten. Er sei glücklich, dass er «die Menschen im Land als Moderator so lange begleiten durfte», sagte der 63-Jährige am Donnerstag in Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur. «Jetzt freue ich mich darauf, mehr Zeit für mich und meine Familie zu haben.»

Neuer Moderator von «SWR Aktuell Baden-Württemberg» ist von Montag an Georg Bruder (40). Der Journalist aus Zell am Harmersbach im Schwarzwald war zuletzt Reporter und Chef vom Dienst beim Politikmagazin «Zur Sache Baden-Württemberg».

Bruders Vorgänger muss noch konzentriert bis zur letzten Sekunde der Hauptabendnachrichten arbeiten. Erst wenn Dieter Fritz den Zuschauern am Freitagabend einen schönen Abend gewünscht hat, beginnt der Ruhestand. «Dann geht es plötzlich von Hundert auf Null», sagt er.

Ein paar Pläne hat er schon für die Zeit danach. In Ruhe und Gelassenheit will er mit seiner Frau Reisen unternehmen. Im Waldbad seines Wohnortes im Rems-Murr-Kreis will er so oft wie möglich seine Bahnen ziehen. «Ich bin ein leidenschaftlicher Schwimmer», berichtet Fritz.

Baden-Württemberg will er die Treue halten: «Ich bin ein Kind des Landes und werde das auch bleiben.» Gern will er sich ehrenamtlich sozial engagieren. Das Fernsehen soll auch künftig eine wichtige Rolle spielen - wenngleich fortan aus der Perspektive des Zuschauers. Vor allem Nachrichtenprogramme und die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen sollen helfen, geistig fit zu bleiben. Sorgen bereitet ihm, dass viele Menschen den Medien misstrauen. «Ich glaube, man kann und sollte den Medien vertrauen, denn wir machen unseren Job gewissenhaft.»

Dieter Fritz hatte seine Fernsehlaufbahn 1982 beim damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) begonnen. Der Mann aus Ilshofen im Landkreis Schwäbisch Hall moderierte seit 1986 viele Jahre die Sendung «Politik Südwest» und später das «Landesschau Journal». Frontmann der Hauptfernsehnachrichten um 19.30 Uhr wurde er 2014.

Verschiedenste politische Konstellationen im Land hat Fritz journalistisch begleitet. Und fünf Ministerpräsidenten - von Lothar Späth bis Winfried Kretschmann. Als Moderator musste er mit bewegenden Ereignissen umgehen: mit der Katastrophe im damaligen sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl 1986, den schlimmen «Breaking News» aus New York vom 11. September 2001 und dem Amoklauf in Winnenden 2009.

Natürlich sind ihm in all den Jahren vor der Kamera auch ein paar Versprecher unterlaufen. «Das ist ja keine Schande, der Zuschauer nimmt das auch nicht übel. Wir sind doch keine Sprechroboter.» Den 2010 auf Island ausgebrochenen Vulkan Eyjafjallajökull könne schließlich bis heute wohl kaum ein Moderator richtig aussprechen.

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