Wie kommt das Böse in die Welt, obwohl eigentlich fast alle Menschen das Gute wollen? Eine Antwort darauf wird es nicht geben, jedoch Annäherungen von Künstlern, die dieses Paradox in ihren Werken bearbeiten. Einer davon ist Marcel van Eeden, seit 2014 als Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe tätig und seit 2021 Rektor an dieser Einrichtung.

Karl Hubbuch lehrte in Karlsruhe

Der am 22. November 1965 in der niederländischen Küstenstadt Den Haag geborene, herausragende Zeichner hat Teile des Nachlasses des neusachlichen Malers Karl Hubbuch, der ebenfalls in Karlsruhe als Professor lehrte, ganz genau unter die Lupe genommen. Bekanntlich ist Karl Hubbuchs Verbindung mit der Region eng an den kleinsten Kraichtaler Stadtteil Neuenbürg geknüpft.

"Drawing-Rooms"-Ausstellung in Karlsruhe
Bild: Hans-Joachim Of

Noch heute steht dort das Haus, in dem seine Eltern Pius und Amalie lange Zeit wohnten. Zahlreiche, teils spektakuläre, Bilder des Malers sind während seiner Aufenthalte dort entstanden. Beispiele hierfür sind Werke wie "Kinderschule in Neuenbürg, Zwetschgenernte“ sowie Szenenbilder der weit über die Grenzen des Kraichgau bekannten "Jedermann"-Freilichtspiele.

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Dabei ist die große Gastmahlszene von "Jedermann" aus dem Jahre 1950 ein imposantes Mahnbild und lässt Hubbuchs expressionistische Wurzeln deutlich erkennen. In den 20er-Jahren war der Kunstprofessor ein bedeutender Vertreter der sogenannten "Neuen Sachlichkeit."

Hubbuch wurde in Karlsruhe geboren

Spontaner und freier im Stil sind seine späteren, vor allem in Frankreich entstanden, Werke. Karl Hubbuch, der am 21. November 1891 in Karlsruhe geboren wurde und am 26. Dezember 1979 dort verstarb, war von 1948 bis 1957 Professor für Malerei an der Akademie für Bildende Künste in der Fächerstadt. Zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen prägen seinen Lebenslauf.

"Drawing-Rooms"-Ausstellung in Karlsruhe
Bild: Hans-Joachim Of

Im Rahmen des erstmals durchgeführten Hallenbau-Festivals eröffnete nun die Städtische Galerie Karlsruhe eine einzigartige Schau über gleich zwei manische Zeichner mit Hang zum Drama, die mit realen Versatzstücken arbeiten.

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Neben den Werken Hubbuchs sind auch Zeichnungen im Großformat von Marcel van Eeden, einem der großen Zeichner der Gegenwart, zu sehen. In einem Begleittext heißt es, dass die Ausstellung nicht zustande gekommen wäre, wenn sich van Eeden nicht für den Nachlass von Karl Hubbuch und die Hubbuch-Stiftung interessiert hätte.

Im Jahr 2020 kam der künstlerische Nachlass Hubbuchs als Schenkung an die Städtische Galerie Karlsruhe, die seither mit etwa 1.500 Arbeiten über die weltweit größte Sammlung an Werken des Zeichners verfügt. Die Ausstellung "Drawing Rooms“ ist somit auch ein Anlass, einen Teil dieses Nachlasses erstmals öffentlich zugänglich zu machen. "Damit sind wir sehr glücklich“, freut sich Marcel Van Eeden.

1.000 Zeichungen warten noch

Insgesamt sollen noch rund 1.000 Zeichnungen auf eine Bearbeitung warten, wobei in der Ausstellung jetzt je 200 Arbeiten beider Künstler auf Papier zu sehen sind. Marcel van Eeden fotografierte mit einer analogen Kamera zudem Orte, die mit Karl Hubbuch in direktem Zusammenhang stehen. So wie den "Herrmann-Billing-Komplex" in der Ettlinger Straße, in der Hubbuch einst lebte.

"Drawing-Rooms"-Ausstellung in Karlsruhe
Bild: Hans-Joachim Of

Eine große Bleistiftzeichnung gibt den Blick aus der Wohnung des Kunstprofessors frei. Dabei zeigt der Chronist des urbanen Straßenlebens der Weimarer Republik mit hartem Strich die gegenüber liegenden Gründerzeithäuser. Im Frühjahr 1933 hatte Karl Hubbuch im Rahmen des NS-Gesetzes zur "Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" seine Professur verloren.

Er hatte mit der KPD sympathisiert, wobei seine sozialkritischen Zeichnungen im Gegensatz zur völkischen Ideologie der NSDAP standen. Während seiner Aufenthalte in Berlin und Paris schuf Hubbuch markante Ausschnitte von hohen, unter monströser Bauplastik ächzenden Stadthäusern, vor der er proletarische Typen setzte, die er zuvor skizziert hatte.

Dunkle Mordgeschichten

Die Werke van Eedens, dessen Arbeitsstil nach eigener Aussage von "dunklen Mordgeschichten" beeinflusst ist, würden laut Ausstellungstext, nicht in Konkurrenz zu den Bildern Karl Hubbuchs stehen. Dabei sei es Marcel van Eeden gelungen, Hubbuchs Werke zu vitalisieren und sein eigenes Kunstwerk temporär zu verankern.

"Drawing-Rooms"-Ausstellung in Karlsruhe
Bild: Hans-Joachim Of

Auf besonderes Interesse werden sicher die Faust-Illustrationen sowie die satirischen Radierungen aus den frühen 20er-Jahren stoßen. Noch ein Wort zum "Zentrum für Kunst und Medien"(ZKM), dessen Gebäudekomplex einst als Munitionsfabrik im Zweiten Weltkrieg diente und vor 25 Jahren eröffnet wurde. Zusammen mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) und der Städtischen Galerie wurde kürzlich das 25-jährige Jubiläum mit einem "Hallenbau-Festival" begangen.

"Drawing-Rooms"-Ausstellung in Karlsruhe
Bild: Hans-Joachim Of

Die Umwandlung des Industriedenkmals zum Kunstzentrum ist bemerkenswert, gilt doch das historische Gebäude mit über 300 Metern Länge als größter historischer Industriebau in Baden-Württemberg. Von der ZKM-Ansiedlung (ursprünglich sollte war diese hinter dem Karlsruher Hauptbahnhof vorgesehen) hat letztlich auch die Städtische Galerie Karlsruhe profitiert, die 1997 aus sehr engen Verhältnissen im Prinz-Max-Palais in den südlichen Hallenbau-Lichthof umziehen konnte.

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Wie bekannt wurde, erhält Marcel van Eeden aktuell den "Hans Thoma-Preis" 2022, der in Bernau im Schwarzwald verliehen wird und mit 25.000 Euro dotiert ist. Der Staatspreis des Landes Baden-Württemberg wird seit 1950 alle zwei Jahre an herausragende Bildende Künstler vergeben.

Bereits 1961 hatte Karl Hubbuch diesen Preis erhalten. Die Ausstellung „Drawing Rooms“ ist ab sofort bis 12. Februar 2023 in der Städtischen Galerie Karlsruhe, Lorenzstraße 27 (gegenüber ZKM) von Mittwoch bis Freitag von 10 Uhr bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.

Alle Bilder zur Ausstellung:

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