Bier 1: Wie es sich für echte Kronen der Schöpfung gehört sind die Barhocker-Throne ihre, mit bestem Blick auf den niegelnagelneuen HD-Fernseher, der - zwischen vergilbten Zierdeckchen und moosgrünen Samt-Eckbänken im Raum - heraussticht. Noch wird über die Aufstellung des angekündigten Fußballspiel berichtet, der Wirt belässt die TV-Einstellung auf lautlos - Zeit für wenige, aber ausdrucksstarke Worte unter Männern: "Pils?"-"Jawohl!" Die Schlager-Musik im Kneipenradio wird den Enzian in den nächsten Stunden noch blauer blüh'n lassen.

Bier 2 (kommt auf Handzeichen hin): "Das war ein Auftakt nach Maß" - das Spiel im Fernsehen hat begonnen, das Fußi-Temperament der Jungs lodert und droht mit einem Gegentor auszubrechen. Aber soweit will man schließlich nicht denken. "Proscht" auf einen legendären Männerabend, der doch enden wird, wie alle zuvor!

Bier 3: "Der Schiri hat doch keine Ahnung - Frechheit" - Gelb für den Lieblingsverein. Im Nu' kommt der Bundestrainer in jedem der Freizeit-Trikot-Träger zum Vorschein.

Bier 4: Halbzeit - Fazit: Das 1:0 hätte nicht sein müssen, aber der Lieblingsclub, dessen Logo die Jugendbettwäsche im heimischen Schrank ziert, wird das noch übertrumpfen. Ist doch klar. Da sich das Bier mit Euphorie schneller trinken lässt, fällt spätestens jetzt auf, dass immer ein Kerl in der Runde sitzt, hinterherhinkt und länger als von den anderen gewollt an seinem Weizenglas rumnuckelt. Ein anderer läuft schon zum sechsten Mal in Richtung Toilette.

Bier 5 mit gezieltem Blick auf die Kehrseite der Kellnerin: "Steiler Zahn!" - "Gegen Megan Fox ist die nichts - eher so semi." Neben poetischen Bemerkungen über die Kneipen-Angestellte kündigt sich die erste ernste Diskussion an - variabel über Politik, Autos oder Heldentaten, die der Mensch nicht vergessen sollte.

Bier 6: "Tschulligung? Bedinnung? Sie sin eijentlich janz ne Schöne" Ohweh, der Flirtprofi würde sich fremdschämend an den Kopf fassen - aber einer wie er ist in der Runde nicht anwesend. "Bringste Papa nochn paar Kurze, darfste auf seinen Schoß" - plumpes Gelache erfüllt die Kneipe.

Bier 7: "Ahhhhhh!" Der Lieblingsclub hats doch noch geschafft. Da wird sich das Trikot vom Leib gerissen, theatralisch flappst der Bierbauch aus der Hose - die Männerfreundschaft wird durch Schwitzkasten-Kumpel-Gestiken auf die Probe gestellt. Karl tanzt wild auf Tisch und Stuhl und gibt seine Gröl-Künste preis. Soweit möglich, werden große Pläne für weitere gemeinsame Aktionen geschmiedet: Kino, Stadion, Paintball - am besten alles in den nächsten zwei Wochen. Aber - wer kennts nicht - was dazwischen kommt, ist halt doch meistens eine Frau.

Siehe auch:

Wie feiert Karlsruhe? Teil IV: Die Couchgenießer - Hauptsache gemütlich

Wie feiert Karlsruhe? Teil III: Der Festival-Freak - "Hoch die Ravioli - drei Tage wach"

Wie feiert Karlsruhe? Teil II: Das Cocktailchick - zwischen Hugo, Mojito und Caipi

Wie feiert Karlsruhe? Teil I: Der Discogänger - "Saturday Night Fever"

Mit der ka-news-Serie "Wie feiert Karlsruhe?" decken wir die Klischees der einzelnen Feiertypen in der Fächerstadt auf: immer samstags servieren wir in den kommenden Wochen eine neue Glosse über die Verhaltensmuster sowie den Abendablauf der verschiedenen Charaktere innerhalb des Karlsruher Partyvolks. Was macht zum Beispiel den typischen WG-Partygänger und was das Cocktailbar-Chick aus? Immer donnerstags gibt es außerdem den "ka-Clubtester" und natürlich noch weitere Artikel rund ums Feiern in Karlsruhe. Hier geht's zu den bisher erschienen Artikeln!

 
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