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Karlsruhe Junge Kunstfreunde in Karlsruhe: Modellieren nach den sieben Todsünden

Jugendlich und kunstinteressiert - das schließt sich nicht aus. Überall in Deutschland gibt es mittlerweile "Junge Freunde" von Museen und Kunsthallen, die für kleines Geld eine Fülle von Veranstaltungen wahrnehmen können - von der Galerieführung bis zum eigenen kreativen Schaffen. In Karlsruhe gibt es die Jungen Freunde erst seit drei Jahren. Am Rande ihres letzten Treffens sprach die aktuelle Leiterin mit ka-news.

"'Die sieben Todsünden' von Otto Dix - dazu gibt es für uns heute eine Bildbesprechung in der Orangerie. Wer möchte, kann danach in der Malerwerkstatt seine Vorstellung der personifizierten Sünde mit Ton darstellen", erzählt Ami Ewald, Leiterin der Jungen Freunde Karlsruhe.

Es gehe um Abwechslung: Letztes mal eine Galerieführung - diesmal die Möglichkeit, selber künstlerisch tätig zu werden. "Man muss nicht immer selbst etwas machen. Aber so wie etwa jetzt mit dem Ton wollen wir einfach auch Dinge anbieten, die den Leuten zuhause nicht möglich sind", sagt Ami.

Preview mit Leiko Ikemura

Die Jungen Freunde treffen sich meistens am dritten Freitag des Monats zwischen 18 und 21 Uhr in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Teilnehmen kann jeder Kunstinteressierte zwischen 16 und 28 Jahren. "Bei uns gibt es keinerlei Verpflichtungen, bei jedem Treffen dabei zu sein - man wird zu nichts gezwungen", versichert Ami. Und man könne natürlich erst einmal vorbei kommen und reinschnuppern.

Als "Junger Freund" zahlt man einen Mitgliedsbeitrag von 15 Euro pro Jahr. Dafür kommt man kostenlos in alle Ausstellungen inklusive Sonderausstellungen. Ein besonderes Angebot dieser Art stellen so genannten "Previews" dar - hier dürfen Junge Freunde vor der offiziellen Eröffnung schon einmal durch neue Ausstellungen schlendern. "Bei einer Preview hat uns die Künstlerin Leiko Ikemura sogar selbst durch ihre Ausstellung geführt - das war toll", freut sich Ami.

Ein anderes Mal haben sie eine Ausstellung im Entstehen besucht. "Durch die Galerie zu gehen, als noch alles aufgebaut wurde - das kam auch gut an", meint Ami. Bei manchen Veranstaltungen besuchen die Jungen Freunde auch die diversen Institutionen innerhalb der Kunsthalle, schauen etwa bei einer Restaurierung oder bei der Herkunftsfoschung zu einem Bild über die Schulter. Außerdem könne man hier durchaus nützliche Kontakte knüpfen, verrät Ami. So entdeckte man über die Gruppe zwei Kunsttalente, die nun selbst bei 'Open Space' arbeiten - das sind Kunstveranstaltungen für kleine Kinder.

"Es fehlt an Werbung"

Über 50 Mitglieder haben die Jungen Freunde in Karlsruhe mittlerweile. "Zu den Veranstaltungen selbst kommt meist nur etwa ein Drittel davon - das ist schade", so die Leiterin der Gruppe. Die geringe Teilnehmerzahl erklärt sich Ami mit fehlender Werbung und Außenwirkung. Zwar gebe es mittlerweile Flyer der Jungen Freunde, aber erfahren würde man von ihrer Existenz weiterhin vor allem durch Mundpropaganda und den Facebook-Auftritt. "Da veröffentlichen wir zum Beispiel auch Fotos von Events - so lernen die Leute uns besser kennen und wir sie", sagt sie. So schaffe man besonders für Leute aus dem Umland ein gutes Netzwerk für Kommunikation und Veranstaltungshinweise.

Doch es gibt auch Erfolgserlebnisse: "Während der Kamuna haben wir eine Party organisiert, zu der über 1000 junge Leute kamen - mit so vielen hatten wir überhaupt nicht gerechnet", so Ami weiter. Fazit: Interesse an den Projekten bestehe, aber ein Mitgliederansturm bleibe nach wie vor aus - leider. Dabei ist man intern vom Potenzial der Jungen Freunde überzeugt: "Ich denke, es gibt so viele engagierte Leute, die uns noch nicht kennen, aber gerne kommen würden."

Zusammenarbeit mit anderen Jungen Freunden - Ausflug nach Stuttgart

Um ihre Bekanntheit und Attraktivität zu steigern, wollen sich die Karlsruher Jungen Freunde stärker mit anderen Gruppen verknüpfen. "Wir fahren zum Beispiel zur Veranstaltung 'Junge Nacht' in Stuttgart und kommen durch gute Vernetzung günstiger rein", erzählt Ami. Außerdem überlegt die Gruppe, ihre Treffen auf unter die Woche zu verschieben, damit man sich nicht mehr zwischen Kunst und Party entscheiden müsse.

"Wir wollen jetzt so richtig loslegen und unser Angebot ausbauen, mit regelmäßigen Veranstaltungen mindestens einmal im Monat", sagt Ami motiviert. Bisher kümmert sich Ami als FSJ'lerin alleine um die Arbeit mit der Gruppe. Damit zählt ihre Stelle zu einer von etwa 120 FSJ-Plätzen im Bereich Kulturvermittlung in Baden-Württemberg. Ami hat sich dabei bewusst für die die Jungen Freunde Karlsruhe entschieden: "Ich will mit der Arbeit hier wirklich Verantwortung übernehmen und nicht nur Kaffee kochen." Für die Arbeit im Museumsbetrieb besucht die FSJ-lerin auch Seminare und Workshops. Unterstützt wird die Gruppe außerdem von der "Vereinigung der Freunde" - dem Erwachsenen-Pendant, das es in Karlsruhe schon wesentlich länger gibt.

Als nächste Veranstaltungen der Jungen Freunde steht eine Preview der Fragonard-Ausstellung am Freitag, 29. November, in der Karlsruher Kunsthalle an. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Jungen Freunde Karlsruhe, sowie per E-Mail unter jungefreunde@kunsthalle-karlsruhe.de.

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Kommentare (4)
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    27.10.2013 02:33 Uhr
    Gallerie,
    klingt nach Galle...
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  • unbekannt
    (41 Beiträge)

    28.10.2013 08:50 Uhr
    Danke für den Hinweis!
    Das überflüssige "l" wurde gestrichen, das gehört da selbstverständlich nicht hin.
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  •   DerSpinner
    (1995 Beiträge)

    27.10.2013 10:59 Uhr
    Der ist noch besser:
    "Am Rande ihres letzten Treffens sprach die aktuelle Leiterin ka-news."
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  •   timo
    (3088 Beiträge)

    27.10.2013 08:50 Uhr
    Dieses Wort
    sieht man gefühlt schon öfter falsch als richtig...ist aber wohl eher der englische Einfluss.
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