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Karlsruhe Staatstheater-Mitarbeiterin: "Die Probleme, die bisher ignoriert wurden, müssen nun diskutiert werden!"

Die Kritik an Peter Spuhler nimmt weiter zu. Der Generalintendant des Badischen Staatstheaters muss sich am Freitag bei der Sitzung des Theater-Verwaltungsrats den heftigen Vorwürfen stellen, die sich seit Wochen gegen ihn angehäuft haben. Vor der Nancyhalle, wo die Sitzung abgehalten wird, haben sich mehrere hundert Demonstranten - größtenteils Mitarbeiter des Staatstheaters - versammelt, um auf ihre Forderungen noch einmal aufmerksam zu machen. Deborah Maier ist eine von ihnen. Sie erhofft sich von der Politik nun das Signal, dass endlich etwas gegen die Missstände getan wird.

Es ist ein Streit, die die Kulturszene rund um Karlsruhe erschüttert hat: Staatstheater-Generalintendant Peter Spuhler steht aufgrund seines von "Kontrollzwang, beständigem Misstrauen und cholerischen Ausfällen" geprägten Führungsstils seit Wochen in der Kritik.

270 Menschen demonstrieren vor der Nancyhalle

Der Zwist zwischen Mitarbeitern und Spuhler geht nun so weit, dass sich der Verwaltungsrat des Theaters  - unter anderem bestehend aus Oberbürgermeister Frank Mentrup und Kultusministerin Theresia Bauer - nun mit den Vorwürfen befasst.

Am Freitag soll das weitere Vorgehen nach dessen Sitzung in der Karlsruher Nancyhalle verkündet werden. Rund 270 Menschen haben sich am Freitagmorgen auf dem Festplatz vor der Halle versammelt, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Bild: Thomas Riedel

Unter ihnen ist auch Deborah Maier. "Wir erwarten, dass wir Gehör finden und ernst genommen zu all den Dingen, die wir zu sagen haben", sagt sie im Gespräch mit ka-news.de vor Ort.

"Wir haben unter sehr schwierigen Bedingungen gearbeitet"

Sie selbst hat nach eigenen Angaben drei Jahre lang in der Operndramaturgie im Badischen Staatstheater gearbeitet und sich nun dazu entschieden, ihren nun auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Bild: Thomas Riedel

Grund unter anderem: Ein schlechtes Arbeitsklima: "Wir haben uns in der Operndramaturgie nicht kreativ ausleben können und konnten eigentlich kaum am Gestaltungsprozess des Theaters teilnehmen. Wir haben unter sehr schwierigen, teils belastenden und einschränkenden Arbeitsbedingungen gearbeitet", erklärt sie. 

"Wir erwarten, dass die Themen konkret auf den Tisch kommen"

Trotz wiederholter, "regelmäßiger Gespräche von meiner Seite aus" mit der Operndirektion sowie der Generalintendanz habe sich daran in drei Jahren nichts geändert. Nun, da die Kritik über die Medien an die breite Öffentlichkeit gelangt ist, "haben wir uns dafür entschieden, sehr offen und transparent damit umzugehen", sagt Maier gegenüber ka-news.de weiter. 

Bild: Thomas Riedel

"Dass die Presse nun auf uns zugekommen ist, gibt uns die Möglichkeit, Dinge, die jahrelang regelmäßig angesprochen wurden und wo sich leider nie etwas getan hat, in eine öffentliche Diskussion zu bringen." Von der Sitzung des Verwaltungsrats erhoffen Deborah Maier und ihre Kollegen sich vor allem eines.

"Wir erwarten, dass die Themen, die bisher ignoriert wurden, nun konkret auf den Tisch kommen und wirklich diskutiert werden - denn dann kann man sich eigentlich der Tatsache gar nicht erwehren, dass sie endlich einmal angegangen werden müssen", meint sie und ergänzt: "Sodass wir dadurch etwas bewegen und ändern können."

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Kommentare (20)
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  •   IchKA
    (910 Beiträge)

    17.07.2020 16:57 Uhr
    War leider zu erwarten
    dass sich die hohen Damen und Herren nicht selbst ans Bein pinkeln, denn alles was die letzten Jahre passierte fällt auch auf die Gremien und die Politik selbst zurück. Immerhin gut, dass Spuhler im Brennpunkt des Interesses steht, denn der weitaus größere Skandal ist die Kostenexplosion auf erwartete 500 Millionen.
    Angefangen bei den vom Gemeinderat abgenickten 140 Millionen für alles, bei denen Mentrup ausnahmsweise kleinlaut zugeben musste, dass da, ähm, nicht alles eingepreist war, ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Dann wurden es 325 Millionen und niemand hat sich für diese unglaubliche Schlamperei entschuldigt. Wieder abgenickt, und jetzt zu erwartende 500 Millionen begleitet von Vertrauen bildenden Maßnahmen Spuhler betreffend. Wie will die Stadt diesen Ausgabenwahnsinn für alle laufenden Projekte stemmen und den Haushalt beim Regierungspräsidium durchkriegen.
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  •   kommentar4711
    (2728 Beiträge)

    17.07.2020 18:22 Uhr
    ANTWORT AUF "WAR LEIDER ZU ERWARTEN"
    Zumal man damals, in Anbetracht der Kostenexplosion bei der Kombi, noch laut getönt hat, dass es hier keine solche Kostenexplosion geben werde. Inzwischen ist der Faktor der Kostensteigerung aber sogar in kürzerer Zeit noch höher als bei der Kombi. Wer übernimmt dafür die Verantwortung???
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  •   wojuRu.M
    (2 Beiträge)

    17.07.2020 16:29 Uhr
    Gegenwart und Vergangenheit - ein Appell
    Die Gegenwart eines Theaters ist auch geprägt durch seine Vergangenheit. Aus dem Leer des Badischen Staatstheaters sind noch längst nicht alle "Leichen" der letzten Jahrzehnte geborgen - und schon gar nicht die Schuldigen an dem menschen- und kunstfeindlichen Betriebsklima, das immer wieder hochschwappt, ausgemacht .
    Deswegen appelliere ich, der selbst betroffen war bis hin zur Existenzgefährdung, endlich die fürchterlichen Vorgänge und üblen Machenschaften, die so viele in diesem Theater erlebt haben, öffentlich zu machen!
    Manches hat gewiss allgemein mit den Theaterstrukturen zu tun. Aber vieles, zu viel ist in Karlsruhe hausgemacht...
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  •   wojuRu.M
    (2 Beiträge)

    17.07.2020 15:52 Uhr
    Theater mit besonderer Tradition.
    Beim FC Bayern spielen im Geiste immer noch Beckenbauer & Co. mit. Horst Wild spielt nicht mehr im Wildpark und sitzt auch nicht mehr im Vorzimmer des OB, der kSC spielt aber immer noch so ähnlich wie damals. Das Klangbild der Berliner Philharmoniker hat sich seit Karajan trotz wechselnder Dirigenten auch nicht grundlegend verändert. So ist das auch bei grösseren Theatern
    Die aktuellen Verhältnisse im Bad. Staatstheater kenne ich nicht aus eigener Anschauung. Aber alles, was ich derzeit lese erinnert mich an meine Erfahrungen in den 1990er Jahren, als ich in einen Abgrund von Misstrauen, Kontrollwahn, Intrige, auch Kunstfeindlichkeit geriet. Und nicht nur mir erging das so - bis hin zur Gefährdung der eigenen Existenz. Die seinerzeitigen Vorgänge, die wohl bis heute dieses Theater prägen, wurden nie aufgearbeitet.Ich kenne das Bad. Staatstheater seit den 1960er Jahren von aussen und von innen.. und weiss, wovon ich spreche... Mehr bei Bedarf!
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  •   InKa
    (862 Beiträge)

    17.07.2020 14:31 Uhr
    und
    erledigt.Er bleibt im Amt
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  •   silberahorn
    (10525 Beiträge)

    17.07.2020 14:08 Uhr
    Es wird sich nichts ändern,
    höchstens der Preis für den Neubau. Der wird nicht so popelig niedrig bleiben können. Man gönnt sich doch sonst nichts.
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  •   Krisenjunkie
    (3 Beiträge)

    17.07.2020 13:18 Uhr
    Rücksicht
    Warum trage die alle Masken? Im Theateralltag innerhalb des Hauses schert sich da niemand darum. Liegt das vielleicht an den Kameras?
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  •   Krisenjunkie
    (3 Beiträge)

    17.07.2020 13:06 Uhr
    Rücksicht
    Warum tragen die denn alle Masken? Im Theateralltag innerhalb des Hauses schert sich keiner darum. Liegt das an den Kameras?
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  •   Krisenjunkie
    (3 Beiträge)

    17.07.2020 12:59 Uhr
    Rücksicht
    Warum tragen die denn alle Masken? Im Theateralltag innerhalb des Hauses schert sich niemand darum. Liegt das an den Kameras?
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  •   Iglaubsnet
    (790 Beiträge)

    17.07.2020 11:52 Uhr
    Kultur
    die Menschen (Beschäftigte) nicht achtet ist nix wert!
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