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Karlsruhe Mundartdichter Harald Hurst aus Karlsruhe im Porträt: "Heimat isch dort, wo aim d'Leut so gut verschteh'n"

Der bekannte Mundartdichter Harald Hurst ist nicht zu bremsen. Auch im fortgeschrittenen Alter sorgt er weiterhin für Lacher und steht regelmäßig auf der Bühne. Beispielsweise am 3. und 4. Dezember mit Gunzi Heil im Karlsruher Tollhaus. Wir haben uns mit dem erfolgreichen Autor und Mundartkünstler unterhalten.

Eigentlich könnte man erwarten, dass sich ein Mundartdichter badischer Zunge, der mit Nachnamen Hurst heißt, am Telefon mit "Hurscht" meldet. Schließlich heißt ein Horst bei uns auch "Horscht." Da muss er herzlich lachen, der Harald Hurst. Wäre ja zu lustig, wenn ihm seine Eltern damals, als er am 29. Januar 1945 in Buchen im Odenwald geboren wurde, den Rufnamen "Horscht Hurscht" verpasst hätten.

In Karlsruhe aufgewachsen

Heute zählt der Mann zu den erfolgreichsten Autoren seiner Zunft und seine Bücher, die "Dass i net lach", "Komm geh' fort" oder "So isch's worre" heißen, werden deutschlandweit gelesen. Seine famosen Auftritte gehen im ganzen süddeutschen Raum über die Bühne. Harald Hurst wuchs in der Karlsruher Altstadt auf und legte 1968 als Schulfremder das Abitur am Karlsruher Helmholtz-Gymnasium ab, studierte Romanistik und Anglistik in Heidelberg und Mannheim und beendete das Studium mit dem ersten Staatsexamen. Zuvor hatte er noch einen Ausflug in die große, weite Welt unternommen und war als Matrose in Südamerika und Westindien unterwegs.

Harald Hurst: So e Glück
Harald Hurst: So e Glück | Bild: Repro Hans-Joachim Of

Das Referendariat zum Lehramt für Englisch und Französisch an Gymnasien brach er in der Folge jedoch ab, da er sich "diesen Beruf nicht wirklich vorstellen" konnte. Sein damaliger Kommentar spricht Bände: "Trennung zur beiderseitigen Erleichterung." Danach veröffentlicht er erste Texte und Gedichte und ist seit 1980 als freier Schriftsteller tätig. Ein Jahr später erschien sein erstes Buch "Lottokönig Paul", dem bis heute Dutzende weiterer, lustiger Lesewerke folgen sollten.  Seine neueste Veröffentlichung, gerade im "verlag regionalkultur" erschienen, heißt "D'accord mit de Welt."

Harald Hurst, der "Badener des Jahres 1994", der nach vielen Jahren Karlsruhe heute in Ettlingen lebt, ist mit der Welt im reinen. Auszeichnungen und Preise wie 2003 den renommierten "Thaddäus-Troll-Preis" hat der "symbadische" Geschichtenerzähler, der meist babbelt "wie ihm dä Schnawwl g'gwachse isch", in der Vergangenheit schon oft erhalten.

"Es ist ein Wunder"

"Heimat isch dort, wo aim d'Leut so gut verschteh'n, dass mer manchmol scho beim Schwätze merkt, s'wäre besser g'wese, mer hätt's Maul g'halte", lässt Harald Hurst wissen. Solche und noch viel mehr Lebensweisheiten bringt der Mann augenzwinkernd und blitzgescheit formulierend zu Papier. An seinem 60. Geburtstag hatte er einst verkündet: "Es ist ein Wunder. Ich habe geschafft, was ich nie wollte und kann als freier Schriftsteller überleben."

Harald Hurst
Harald Hurst | Bild: Repro: Hans-Joachim Of

Heute sitzt Hurst, der "lieber nach dem Weinglas, statt nach den Sternen greift“" wie ein Journalist einst treffend formulierte, immer noch an seiner Schreibmaschine. Der nach eigener Einschätzung "Freiheitsliebende, gesellige Einzelgänger und Romantiker", der für Offenheit und Toleranz steht, hat keinen Computer und auch keine E-Mail-Adresse. "Wer mich erreichen will, muss anrufen oder einen Brief schreiben", lacht er.

Im brandneuen Buch "D'accord mit de Welt" hat der bekannteste, beliebteste und erfolgreichste Mundartautor mit badischer Zunge wieder zugeschlagen. Mit viel Witz und Charme, feiner Ironie und wortschöpferischem Talent beeindruckt der heute 76-Jährige, der nunmehr seit über 40 Jahren "das tägliche Wunder der freien Schriftstellerei" erlebt. In seinen neuen Texten beschreibt er auf humorvolle Art und Weise die unterschiedlichsten Alltagssituationen so treffend und mit einer solchen Präzision, dass ihm auf diesem Gebiet so schnell niemand das Wasser reichen kann.

Anfang Dezember im Tollhaus

Seien es banale Restaurantbesuche, alltägliche Treffen mit Bekannten oder die lästige Warterei am Bahnhof – aus jeder Situation zaubert Harald Hurst wie in jedem seiner tollen Bücher gelungene Prosa-Gedichte mit für sich sprechenden Titeln wie "De Casanova vom Seniorenstift" oder "En Süßholzraschpler bin ich net." Auch "D'Frau Nägele", der "Nette Owend" oder die absurd-komische "Thai-Hocketse" sind wahre Schenkelklopfer im Hurst-Stil.

Bild: Repro: Hans-Joachim Of

Am 3. und 4. Dezember kommt Hurst wieder einmal ins Karlsruher Tollhaus, zusammen mit seinem langjährigen Kumpel Gunzi Heil, dem bekannten Liedermacher, Kabarettist und Puppenspieler aus Grünwinkel. Als "Badische Doppelweck" sind die beiden Künstler "nicht immer, aber immer wieder gern" zusammen unterwegs und eine sichere Bank.

"Meist ohne festes Programm, dem Moment vertrauend, stolpern sie seit Jahren durch Vorhangschlitze, sofern vorhanden", heißt es treffend in einer Info. "Stets mit dem Vorsatz, das Publikum so zu unterhalten, dass es am Ende froh ist, nicht daheim geblieben zu sein." Ein ungleiches Paar, das verschiedener nicht sein könnte, rein äußerlich. Zwei wie Rotwein und Cola. Aber das passt!

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  •   Garrincha
    (848 Beiträge)

    21.11.2021 05:54 Uhr
    ach deswegen
    kommen soviele "Helden" zu uns...
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  •   myopinions
    (1275 Beiträge)

    20.11.2021 10:57 Uhr
    ...................leider versteht man
    ihn nicht mehr so gut. Liegt's am Rotwein?
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  •   Reger
    (760 Beiträge)

    20.11.2021 10:18 Uhr
    Wunderbar
    Wer nichts von ihm gelesen hat oder bei einer Lesung erlebt hat, hat in seinem Leben etwas versäumt.
    Ich erinnere mich an eine Lesung bei den Schwaben, in Dietersweiler bei Freudenstadt. Das Publikum hat Tränen gelacht.
    Ich hoffe er bleibt uns noch eine lange Weile erhalten.
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  •   ALFPFIN
    (7857 Beiträge)

    20.11.2021 10:48 Uhr
    Kann ich nur zustimmen.
    Werde mir auch sein neues Buch kaufen.
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