Karlsruhe "Mein Beruf ist meine Berufung!" Pia Müller-Tamm macht die Kunsthalle Karlsruhe fit für die Zukunft

Aufgepasst! ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei porträtiert in regelmäßigen Abständen Menschen, die sich in Sachen Kultur einen Namen in Karlsruhe und/oder der Region erarbeitet haben: Die Karlsruher Kulturköpfe! Heute: Pia Müller-Tamm, Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

Pia Müller-Tamm ist eine veritable Institution im kulturellen Karlsruhe, das kann man so burschikos sagen. Und hat schon eine höchst interessante und erlebnisreiche Vita hinter sich. Seit 2009 ist die gebürtige Ludwigshafenerin nun Direktorin der Kunsthalle Karlsruhe - und macht einen famosen Job! Zudem glänzt sie mit zahlreichen Publikationen und beweist dadurch tiefgehende Expertise.

Pandemie auch für die Kunsthalle einschneidend

Hin zur Aktualität: Natürlich hat die Pandemie auch in der Kunsthalle ihre Spuren hinterlassen, war einschneidend für die Einrichtung: "Auf den ersten Lockdown hat die Kunsthalle spontan mit der Ausstellung 'Systemrelevant? Dass und wie wir leben' reagiert. 30 Werke der Sammlung zu Themen von Krankheit und Krise wurden mit 30 Statements von Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft konfrontiert", erklärt Müller-Tamm.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

"Mit dieser Ausstellung haben wir uns die Frage nach dem gesellschaftlichen Auftrag der Kunst, nach den Potenzialen der Kunst in Zeiten der Krise gestellt und haben sehr differenzierte Antworten erhalten. Zugleich haben wir unsere digitalen Angebote deutlich erweitert. Hier konnten wir von der Arbeit, die wir in den vergangenen Jahren in die Digitalisierung investiert haben, profitieren."

"Bin mir des Ernstes der Lage bewusst"

Jetzt hat sich die Kunsthalle gerade in den zweiten Lockdown verabschiedet. "Das trifft die Museen ebenso wie alle anderen Kunstinstitutionen hart." Obwohl man gute Konzepte für ein offenes und sicheres Museum unter den Bedingungen der Pandemie entwickelt habe, schließe man sich bis mindestens 10. Januar 2021 ein und die Besucher aus.

Müller-Tamm präzisiert: "Ich sehe den Ernst der Lage und mir ist bewusst, dass die Verantwortlichen in der Politik eine immens schwierige Entscheidung zu treffen hatten. Vermutlich wird uns der Virus aber noch länger begleiten, und dann müssen wir ein aktives und sicheres Kulturleben unter Corona-Bedingungen entfalten können."

Ziel: Die Kunsthalle fit für die Zukunft machen

Natürlich, große und wichtige Themen sind auch die Sanierung und die Erweiterung der Kunsthalle: "Für unsere geplante Sanierungsmaßnahme gibt es sehr viele Gründe - technische, infrastrukturelle, gesetzliche, aber vor allem auch solche, die mit dem Kernauftrag des Museums zu tun haben."

Es gehe darum, die wertvolle Sammlung in adäquat klimatisierten Räumen zu zeigen, das Museum als hochrangiges Denkmal mit seinen charismatischen Räumen zu stärken und gleichzeitig einen attraktiven Kunstraum für die Menschen des 21. Jahrhunderts zu schaffen.

Müller-Tamm weiter: "Wir wollen unser Museum mit seinem einzigartigen historischem Gepräge in die Zukunft führen, dafür ist die Erweiterung auf dem Gelände des heutigen Amtsgerichts unerlässlich, denn wir werden nur 50 Prozent unserer musealen Funktionen künftig im Bestandsgebäude unterbringen. Wesentliche Bereiche, so auch der Wechselausstellungsraum, wird es erst nach Vollendung der zweiten Baumaßnahme, also der Erweiterung, geben."

Neue Künstler geplant?

Auf die Frage, welche(n) Künstler(in) sie noch gerne in der Kunsthalle ausstellen/beherbergen würde, holt Müller-Tamm aus: "Die Kunsthalle hat momentan leider keine Spielräume mehr für Programmplanung, weil wir uns bereits auf die Schließung und den Auszug wegen der lange geplanten Sanierung unseres Hauptgebäudes vorbereiten."

Kunsthallen-Direktorin Prof. Dr. Pia Müller-Tamm
Kunsthallen-Direktorin Prof. Dr. Pia Müller-Tamm | Bild: ps

Bis dahin gebe es noch im nächsten Jahr die Ausstellung "Inventing Nature. Pflanzen in der Kunst", eine Präsentation, die sich über 500 Jahre Kunstgeschichte erstreckt, bei der auch zahlreiche zeitgenössische Künstler zum Thema Pflanze neue Arbeiten präsentieren.

"Mein Beruf ist auch Berufung!"

Wer mit so viel Begeisterung bei der Sache ist wie Pia Müller-Tamm, für den ist Beruf doch auch Berufung, oder? "In jedem Fall: Mein Beruf ist Berufung. Da ist zum einen die Nähe zur Kunst und den Künstlern, da ist der kreative Anteil, ohne den es auch beim Konzipieren und Einrichten von Ausstellungen nicht geht, da ist die Öffentlichkeit, der wir in unserem Tun vor allem verpflichtet sind, da ist der fortwährende fachliche Austausch mit dem Team der Mitarbeiter in der Kunsthalle, aber auch weit darüber hinaus."

Das Kunstmuseum sei ein spannendes "Diskursfeld", so die Karlsruherin, hier zeige sich wie im Brennglas vieles, was die Menschen außerhalb des Museums umtreibt. Müller-Tamm final: "Aber wir sind auch ein geistiger Freiraum, in dem ein anderes Denken erprobt werden kann." Ein schönes, zeichensetzendes und auch ermutigendes Schluss-Statement, gerade in diesen Zeiten!

Vita Pia Müller-Tamm
> 1957 in Ludwigshafen am Rhein geboren
> Studium der Kunstgeschichte, Pädagogik, Volkskunde und Städtebau in Würzburg und Bonn
> 1989 Promotion
> 1991 bis 1995 Kustodin der Graphischen Sammlung und des Kupferstichkabinetts an der Kunsthalle Mannheim
> 1995 Wissenschaftlerstelle in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf
> Von 2001 bis 2007 Wissenschaftliche Leiterin von K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
> Von Januar 2008 bis März 2009 interimistisch Leiterin von K20 K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
> Seit Mai 2009 Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
> Im Laufe der beruflichen Karriere zehn Publikationen
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