Karlsruhe Indpendent Days: Das etwas andere Filmfestival

Die Stimmzettel sind ausgezählt, der Kinosaal füllt sich wieder und unter dem Publikum macht sich eine merkbare Spannung breit. Endlich betreten Festivalleiter Oliver Langewitz und die Moderatorin Nadine Knobloch die Bühne um den diesjährigen Gewinner des Low-Budget Wettbewerbs der Independent Days zu verkünden. ka-Klickstarterin Jessica Fischer war dabei - und hat einen Blick hinter die Kulissen des Karlsruher Filmfestivals geworfen und mit Organisator Oliver Langewitz gesprochen.

Fünf Tage lang, vom 16. bis zum 20. Mai, lockte das No- und Low-Budget Filmfestival zahlreiche Filminteressierte und Filmschaffende aus der Karlsruher Umgebung in die Schauburg, um sich dort von 112 Filmen aus aller Welt begeistern zu lassen. Aus über 450 Einreichungen hat die Jury ein halbes Jahr lang unter Berücksichtigung der Qualität, der Länge und den Produktionskosten die besten Wettbewerbsfilme ausgesucht und in Themenblöcke eingeteilt. Somit lässt sich wirklich für jeden Geschmack etwas finden, ob nun für den Horrorfan, den Abenteurer oder einfach nur schräges unterhaltendes Indy-Kino. Für jeden ist was dabei.

Nähe zu Zuschauern ist besonders wichtig

Hier heben sich die Independent Days auch von den unzähligen anderen Filmpreisen ab. "Wir sind ein Publikumsfestival und legen besonderen Wert auf die Nähe zu den Zuschauern", betont Organisator Oliver Langewitz. Nachdem ein Film gezeigt wurde stehen dem Publikum oftmals Mitwirkende des Filmes für Fragen zur Verfügung oder erzählen einfach etwas über die Entstehung und die Idee für den Film. Diesen Dialog zwischen Publikum und Filmschaffende zu ermöglichen, ist äußerst wichtig, um zum einen den Produzenten Feedback, aber auch den Zuschauern einen Einblick in die Branche zu verschaffen, erklärt Langewitz.

Ebenfalls eine Besonderheit der Independent Days ist die endgültige Wahl des Gewinners. Diese erfolgt nämlich nicht durch eine professionelle Jury, sondern direkt nach dem Wettbewerbsblock mittels Stimmzettel und Kuli durch die anwesenden Filmliebhaber selbst. Dabei beweist das Publikum oft einen Geschmack, der abseits der Meinung von Fachleuten liegt. Zum Beispiel bei dem für den Oscar nominierten Kurzfilm "Raju", welcher von den Independent Days Besuchern nicht einmal ins Finale gewählt wurde.

No- und Low-Budget haben oft unterschiedliche Ansätze

Neben der themenbezogenen Einteilung, werden die Filme auch in No- und Low-Budget Produktionen getrennt. Diese Kategorien unterscheiden sich nicht nur in im Kostenpunkt, sondern meistens auch inhaltlich. Dabei legen oft besonders No-Budget Filme mehr wert auf eine interessantere, frechere Geschichte und trauen sich mehr und ziehen somit vor allem junges Publikum in den Kinosessel. Low-Budget Filme dagegen setzen eher auf eine filmische und professionelle Machart, haben dann oft aber eine dünnere Story.

Über die 14 Jahre hinweg die das Filmfest besteht hat sich in beiden Kategorien viel getan. Vor allem junge Filmschaffende befassen sich zunehmend mit ernsteren, sozialkritischeren Themen. Dem äußerst konfliktreichen Thema der Bankenkrise wurde dieses Jahr sogar ein eigener Themenblock gewidmet.

Kinofilme mit dem Smartphone gedreht

Aber auch bildlich und aufnahmetechnisch werden die Produktionen aufgrund der digitalen Entwicklung immer hochwertiger und somit wird es für unabhängige Filmschöpfer immer einfacher professionell aussehende Filme ohne eine teure Ausrüstung zu drehen. Mit diesem Thema hat sich auch der Wettbewerb "Karlsruhe@Identity" beschäftigt, der bei den Independent Days Premiere feierte. Für den Dreh der Kurzfilme durfte nur ein Smartphone verwendet werden.

Im Rennen um den besten Low-Budget Kurzfilm hat sich letztendlich der deutsche Kurzfilm "Wie ein Fremder" gegen 15 andere Nominierungen durchgesetzt und den mit 1.000 Euro dotierten Filmpreis der Sparkassen Kulturstiftung abgeräumt. Dieser Film ist ein gutes Beispiel für den Themenwandel in der Filmszene hin zu kritischeren Geschichten. In "Wie ein Fremder" muss sich ein persischer Teenager, der in Deutschland im Zustand der Duldung lebt, zwischen seiner Familie und seiner eigenen Freiheit entscheiden und schneidet somit ein häufiges Problem unserer multikulturellen Gesellschaft an.

Nach den Independent Days ist vor den Independent Days

Der Preis ist vergeben, die Teilnehmer atmen auf und das alt eingesessene Fanpublikum verlässt langsam, in filmische Analysen vertieft, den großen Saal und wartet nun wieder ein Jahr auf den filmisch-kulturellen Höhepunkt in Karlsruhe. Doch für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Festivals geht es gleich in die Planung für die 13. Independent Days.

Jessica Fischer ist ka-Klickstarterin. ka-klickstarter ist eine gemeinsame Aktion von ka-news und dem jubez, einer Einrichtung des Stadtjugendausschusses e.V. Karlsruhe, bei dem Jugendliche sich unter fachkundiger Anleitung als Journalisten versuchen können und selbst Artikel schreiben dürfen

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