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Karlsruhe Tollhaus-Geschäftsführer Bernd Belschner: "Eine Clubshow der Toten Hosen bei uns wäre toll!"

Es gibt etwas Neues bei ka-news: Die Karlsruher Kultur-Köpfe! Kulturredakteur Toby Frei porträtiert in regelmäßigen Abständen Menschen, die sich in Sachen Kultur einen Namen in Karlsruhe und/oder der Region erarbeitet haben. Heute: Bernd Belschner, Geschäftsführer des Karlsruher Tollhaus.

Belschner ist sprichwörtlich das, was man einen echten "Karlsruher Kultur-Kopf" nennen kann, ja muss! Der ausgebildete Buchhändler und studierte Sozialpädagoge (FH) fungiert seit 1992 (gemeinsam mit Britta Velhagen) als hauptberuflicher Geschäftsführer des Tollhaus und hat dementsprechend viel zu erzählen - der gebürtige Karlsruher hat sie (fast) alle gesehen und kann bei diesem konzertanten und kulturellen Lebenslauf so richtig aus dem Nähkästchen plaudern.

Natürlich hat der Helmholtz-Abiturient (1978) schon viel erlebt, aber auch für einen wie ihn gibt's ausgesprochene Highlights: Als da wären Patti Smith (Zeltival 2011), von Belschner als "persönliche Sternstunde" betitelt; auch Little Stevens Konzert im Vorjahr war für den Kulturschaffenden beeindruckend. Zudem begeistern andere Bereiche den Tollhaus-Chef, es gehe beispielsweise nichts über "Pigor singt - Benedikt Eichhorn muss begleiten", dies sei "intelligentes Musikkabarett, wie es seinesgleichen hierzulande sucht".

Belschner entstammt kulturfreundlichem Elternhaus

Auf etwaige Lieblings-Acts angesprochen, antwortet Belschner: "Tatsächlich haben wir schon sehr viele besondere und teilweise auch legendäre Künstler im Tollhaus begrüßen können". Im Laufe der Jahre habe man aber nicht mehr so viele Illusionen, was Top-Stars angeht: "Wenn es klappt, ist es schön, aber wir kochen im Tollhaus auch nur mit Wasser."

Es gebe aber auch geheime und noch zu erfüllende Wünsche: Gerne würde Belschner mal "die Toten Hosen für eine Clubshow bei uns überreden", immerhin habe man "1985 das erste Hosen-Konzert in der legendären Oststadthalle veranstaltet". Ein einprägsamer Abend, so scheint es...

Bernd Belschner im Gespräch mit ka-news-Kulturredakteur Toby Frei
Bernd Belschner im Gespräch mit ka-news-Kulturredakteur Toby Frei | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Der Karlsruher entstammt einem "kulturfreundlichen Elternhaus", sein Herz hängt aber auch am Sport, seit er beim Stadtjugendausschuss als Zivildienstleistender die ersten Events mitorganisiert und veranstaltet hat. Parallel habe er sich beim neugegründeten Folk-Club, dem Vorläufer des Tollhaus, engagiert - so hat das alles angefangen.

Wichtig bei seinem aktuellen Beruf ist, dass man "immer offen für Neues" sei. Ist das ein Traumjob? "Dass man von einer Tätigkeit, die man aus Leidenschaft ehrenamtlich begonnen hat, einmal leben kann, ist sicherlich ein Privileg. Dies ist mir bewusst und ich kann verstehen, dass einige dies als Traumjob bezeichnen", so Belschner.

Wichtig: Herzblut und Teamfähigkeit

Der Arbeitsalltag sei aber häufig nicht so unterhaltsam und man werde "schnell vom selbstbestimmt Tätigen zum Getriebenen". Und dann habe man mittlerweile auch eine Verantwortung für einen mittleren Betrieb, ein Haus und ein Konzept, "das weite Kreise zieht und zukünftig auch ziehen soll".

Außenansicht des Tollhaus
Außenansicht des Tollhaus | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Man merkt, dass der Tollhaus-Co-Chef mit Expertise, Herzblut und Teamfähigkeit ans Werk geht - auch bei der Gründung des renommierten Karlsruher Kulturmagazins "Klappe Auf" 1985 war Belschner dabei. Man wollte die Terminübersicht des Tollhaus auf die ganze Fächerstadt übertragen, das war die ursprüngliche Idee. Es hat funktioniert, wie man heute sieht.

"Halte die Arbeit des ZKM für herausragend!"

Apropos Leidenschaft: Der Zeitgenössische Zirkus ist ein "wichtiges Thema" und genießt seit Jahren einen besonderen Status bei den Tollhäusern, dementsprechend wird das Pflänzchen Atoll-Festival ("unser Jahreshöhepunkt") jedes Jahr aufs Neue gehegt und gepflegt, man baut so peu à peu das Netzwerk rund um die künstlerische Disziplin weiter aus - getragen von der "großen Begeisterung und Einigkeit innerhalb des gesamten verantwortlichen Teams", wie Belschner verrät, es sei ein "wirklich europäisches Projekt"!

Bernd Belschner, Geschäftsführer des Tollhaus
Bernd Belschner, Geschäftsführer des Tollhaus | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Auf andere Fächerstadt-Einrichtungen angesprochen, äußert Belschner offenes Lob: "Obwohl ich selbst eher kein 'musealer' oder 'medientechnologischer' Typ bin, halte ich die konsequente Linie und die Arbeit des ZKM für herausragend." Auch zahlreiche andere, freie kulturelle Träger seien wichtig für die Topologie der Stadt. "Ich finde die Arbeit dieser Institutionen sehr wichtig und wertvoll!"

Freie Träger "das Salz in der Kultursuppe"

Die kulturelle Landschaft in der Fächerstadt sieht Belschner als "relativ vielfältig und weit verzweigt" an, neben staatlichen, städtischen und Landeseinrichtungen gebe es eine differenzierte, breite Kulturszene. Insbesondere die freien Träger seien mit ihrem großen Engagement "das Salz in der Kultursuppe".

Aber auch Kritik gibt es anzumerken: "Ein Armutszeugnis für eine Stadt in der Größe Karlsruhes" sei die Tatsache, dass es beispielsweise für größere Konzerte seit geraumer Zeit keine geeigneten Örtlichkeiten gebe. Belschner: "Insgesamt könnte für mich das breitgefächerte Kulturangebot eine größere Bedeutung für die Außenwirkung der Stadt spielen", dafür aber bedürfe es "Fürsprecher in der Stadtspitze".

Bernd Belschner, Geschäftsführer des Tollhaus
Bernd Belschner, Geschäftsführer des Tollhaus | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Es gebe einige Kooperationen unter den Kulturakteuren, die sich seit Jahren eingespielt haben, erfolgreich sind und Sinn ergeben. Auch mit der Stadt gebe es eine Zusammenarbeit, beispielsweise bei den "Europäischen Kulturtagen" oder den "Wochen gegen Rassismus".

Belschner weiter: "Ich erinnere mich mit etwas Wehmut an große gesamtstädtische Aktivitäten, wie Ende der 90er-Jahre das World Wild Weekend, das vom SWR unterstützt wurde, und das eine breite, vorwiegend musikalische Ausstrahlung der hiesigen Veranstalter und Kultureinrichtungen auch medial in die Region zur Folge hatte."

Tollhaus stilprägend für Karlsruher Kulturlandschaft!

Solche gesamtstädtischen größeren Kooperationen, wie früher auch der Karlsruher Kulturmarkt oder die ersten Kulturfeuerwerke auf dem Schlachthof, bei der genreübergreifend viele Akteure der Stadt auf Augenhöhe zusammengearbeitet haben, würde sich der Tollhaus-Leiter für die Zukunft wieder verstärkt wünschen.

Interessanter, stadthistorischer Fakt anbei: Das Tollhaus war bis Ende der 1990er-Jahre Mitveranstalter von Das Fest und Belschner in den ersten Jahren als Vertreter der Institution mitverantwortlich und -gestaltend für das überregionale Kulturprogramm.

Und so kann man dem Tollhaus respektive Bernd Belschner und seinen Mitstreitern nur weiteren Erfolg wünschen, diese bunte und vielseitige Institution im Schlachthof ist zweifellos wichtig und stilprägend für die Karlsruher Kulturlandschaft!

Vita von Bernd Belschner

1958 in Karlsruhe geboren
1978 Abitur ( Helmholtz-Gymnasium)
1981 Buchhändler-Ausbildung abgeschlossen
1982 Gründung Kulturverein Tollhaus e.V.
1985 Studium Sozialpädagogik (FH) abgeschlossen
1985 Gründung Kulturmagazin "Klappe Auf"
1992 erste feste Spielstätte des Kulturvereins Tollhaus e.V. auf dem Schlachthof. Seitdem, gemeinsam mit Britta Velhagen, hauptberuflich Leitung des Kulturzentrums
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Kommentare (1)
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  •   Der_dunkle_Turm
    (624 Beiträge)

    21.06.2019 18:05 Uhr
    Ich bin mal so frei und wünsche mir auch was für eine Clubshow.
    Lez Zeppelin und am nächsten Abend Larkin Poe.

    Da würde ich sogar die VIP- Karten kaufen, wenn sowas überhaupt angeboten wird.
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