Weit aufgerissene Augen, der Mund leicht geöffnet, als wollte das Mädchen gleich das Wort ergreifen, auf der Stirn ein Zettel mit der Aufschrift "Smile?!" - was will das Mädchen damit sagen? Das sollen sich die Karlsruher in Zukunft fragen, wenn die mit Portraits von Jugendlichen bedruckte Straßenbahn an ihnen vorbeifährt.

"Keiner hört uns zu!"

"Als die Jugendlichen sich entschieden haben, an dem Projekt teilzunehmen, musste ein Statement her. Sie haben sich zusammengesetzt und waren sich einig: Keiner hört uns zu!", erzählt Virginia Reising, Leiterin des Kinder- und Jugendtreff Waldstadt vom Stadtjugendausschuss. Dieser hat gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) und "Buddy", einem Graffitikünstler des Hip-Hop-Zentrums Karlsruhe, ermöglicht, dass das globale Projekt auch in Karlsruhe umgesetzt werden kann. Die Stadt Karlsruhe wurde angesprochen, ob sie Teil des globalen Projekts werden will und schließlich haben sich diese fünf Jugendliche gefunden, die ihr Statement in die Welt hinaustragen wollen.

Reaktionen mit Spannung erwartet

"Mit den Portraits wollen die Jugendlichen zeigen: Das sind wir. Guckt uns an. Hört uns zu. Das demonstriert, dass die Jugend partizipieren will", sagt Reising. "Das interessante ist jetzt: Was kommt da zurück? Wer meldet sich zurück?", meint Elisabeth Peitzmeier, Geschäftsführerin des Stadtjugendausschusses. Sie und die fünf Jugendlichen Angelika (16), Darleen (15), Katha (15), Sebastian (14) und Elaine (11) sind gespannt auf die Reaktionen der Öffentlichkeit. Am Wochenende wurde die Bahn bedruckt und ist nun seit dieser Woche zunächst auf der halben Strecke der Linie 5 und ab Herbst auf der gesamten Strecke dieser Linie unterwegs.

Finanziert werde das Ganze vom Stadtjugendausschuss und den VBK, die sofort von der Idee begeistert waren, so Reising. Auf einer Seite der Straßenbahn sind Portraits zu sehen, auf der anderen die Augen von drei der fünf Jugendlichen. "Das mit den Augen ist der Wahnsinn", freut sich "Buddy", der das Projekt begleitet und den Jugendlichen vorgestellt hat. "Hinter den Augen steckt die ganze Seele. Das wurde auch in den anderen Städten, die am Projekt teilnehmen, aufgegriffen", so der Graffitikünstler.

150.000 Menschen mit Statement

In Deutschland wird das Projekt neben Karlsruhe auch in Berlin durchgeführt. Andere deutsche Städte hat es bislang nicht erreicht. Dafür aber umso mehr andere Orte auf der ganzen Welt, in denen sich insgesamt circa 150.000 Menschen ein Statement ausgedacht und dieses durch Portraits in die Welt hinausgetragen haben.

"In einem brasilianischen Ghetto haben sich Frauen zusammengetan, die durch ihre Portraits sagen wollten: Wir sind die Mütter des Ghettos, nicht irgendjemand, wir gehören dazu, wir haben Gesichter. Das halte ich für eine tolle Idee", erzählt Virginia Reising. Alle Projekte weltweit - und jetzt auch das Karlsruher Projekt - sind auf der Internetseite  www.insideoutproject.net  zu finden.