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Karlsruhe Independent Days-Leiter Oliver Langewitz im Gespräch: "Wir freuen uns über jeden Zuschauer – ob online oder im Kino!"

Das Karlsruher Filmfestival Independent Days (ID) hat sich in den vergangenen 20 Jahren einen feinen Ruf erarbeitet, Grund genug, bei den Machern nachzufragen, wohin die Reise des Filmfests gehen soll. Toby Frei hat sich mit Festival-Chef Oliver Langewitz unterhalten!

Im ka-news.de-Gespräch mit dem Festival-Leiter dreht sich alles um spannende Filme, (inter)nationale Anerkennung und warum die Schauburg und das ZKM durchaus die perfekten Locations für das Karlsruher Festival sind.

Herr Langewitz, die ID werden 2020 20 Lenze alt, wo wollen Sie noch hin mit dem Festival?

Die Independent Days sind gerade in den letzten Jahren enorm gewachsen. Es kamen immer mehr Preise dazu - wir vergeben elf Awards mit einem Gesamtwert von 13.000 Euro - und die Flut an neuen Einreichungen von Filmemacher*innen aus der ganzen Welt nimmt jedes Jahr zu. Die Independent Days haben jetzt schon eine enorme Strahlkraft weit über die Karlsruher Stadtgrenzen hinaus. Mit dem entsprechenden Budget und mehr Mitarbeiter*innen hätte unser Festival durchaus das Potential, in die A-Liste der Filmfestivals aufzusteigen. Aber sicherlich wird coronabedingt der Weg dahin beschwerlicher als geplant. Aber vielleicht gelingt es uns dennoch, in nicht allzu ferner Zukunft noch etwas größer zu werden.

Die ID als "kleine Berlinale" - ist das zu hoch gegriffen oder einfach ein schöner Anreiz?

Eigentlich möchten wir uns gar nicht mit anderen Filmfestivals vergleichen. Von Beginn an haben wir ein sehr eigenes Profil entwickelt, für das wir vonseiten der Filmemacher und des Publikums sehr geschätzt werden. Natürlich tauscht man sich mit anderen Festivals aus, daher engagieren wir uns auch in der AG Filmfestivals, in welcher auch zum Beispiel die Berlinale aktiv ist. Man holt sich Ratschläge und Tipps, tauscht sich miteinander aus und bringt so gemeinsam die Filmfestivallandschaft voran. Denn werden es insbesondere Filmfestivals sein, welche auch in Zukunft die Kinolandschaft bereichern.
Symbolbild Kino
Symbolbild Kino | Bild: pixabay/dbreen

Warum sind Schauburg und ZKM die perfekten Locations für die ID?

Die Schauburg passt aufgrund ihres Arthaus-Kino-Programms hervorragend zu uns beziehungsweise wir zur Schauburg. Einen besseren Kino-Partner können wir uns hier am Standort fast nicht vorstellen. Unser Programm im Rahmen des Labels „Karlsruhe - Unesco Creative City Of Media Arts“ wird sich sicherlich hervorragend im ZKM-Medientheater machen. Dort erreichen wir das Publikum für künstlerische und experimentelle Filmwerke, finden hervorragende Projektionsbedingungen vor und haben mit dem ZKM einen starken Partner, der uns wunderbar unterstützt.

Wie werden die ID auch außerhalb von Karlsruhe angesehen/aufgenommen? 

Die Independent Days sind weltweit bekannt. Immer wieder erreichen uns Mails oder Nachrichten über Social Media, in den Filmemacher*innen unbedingt ihren Film bei uns zeigen möchten, weil sie schon so viel über unser Festival gehört haben und ein Teil davon werden möchten. Was uns auch immer wieder positiv überrascht, ist, wenn wir bei Events, Veranstaltungen et cetera angesprochen werden, ob wir die sind, die die Independent Days in Karlsruhe veranstalten. Die Aussage "Die Independent Days! Ihr seid das? Wirklich großartig!" hören wir regelmäßig.
 
Kino-Impression
Kino-Impression | Bild: FugeFoto

Der Zuspruch fürs Festival steigt ja stetig, mit wie viel Publikum rechnet ihr dieses Jahr? Oder zieht die Online-Möglichkeit viele Besucher vor Ort ab? Und in welcher Form begegnet ihr (konkret) der Corona-Pandemie?

Die Zahl der Zuschauer*innen ist im Kino dieses Jahr natürlich durch die strengen Hygienevorschriften stark begrenzt. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, ein hybrides Format mit der Möglichkeit anzubieten, die Festivalfilme auch von Zuhause aus über die Online-Plattform Vimeo anzusehen. Wir verstehen natürlich, dass sich nicht jede/r ins Kino traut, was aber nicht heißt, dass man in diesem Jahr auf unsere Filmvielfalt verzichten muss. Und wir freuen uns über jeden Zuschauer – egal, ob online oder im Kino - und hoffen natürlich auf einen entsprechend großen Zuspruch, da wir durch den Wiederholungstermin auch einen deutlich höheren Aufwand und Mehrkosten haben. Wie erfolgreich unser hybrides Konzept sein wird, wissen wir aber natürlich erst nach dem Filmfestival.
 

Termin: 21. bis 25. Oktober, Filmtheater Schauburg/ZKM, Karlsruhe

Programm der Independent Days 2020

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  •   IchKA
    (969 Beiträge)

    20.10.2020 12:51 Uhr
    Schwarz - Weißdenken ?
    Von Blockbustern ist überhaupt nicht die Rede Herr "P", sondern davon, dass es bei diesen knickrigen Preisgeldern schwerlich möglich ist bereits renommiertere Produzenten zu gewinnen, um die ID´s aus ihrem Nischendasein herauszuholen. Wenn ein Preisträger weit nach KA anreist und noch sein Hotel bezahlt, ist das Preisgeld bereits weg. Da bleibt nichts um den nächsten Film zu machen. Insofern werden Debütanten oder Jungfilmer quasi ausgenutzt und die Stadt beweihräuchert sich mit einem "Filmfestival". Um in die "A-Liste der Festivals" zu kommen braucht es Geld und bekanntere Leute, die hier ihre Filme zeigen wollen. Egal ob Dokus oder Spielfilme. Dieser Antrieb fehlt in Politik und Verwaltung. Kultur, ja, aber nur, wenn sie nichts kostet und viel bringt. Das funktioniert eben nicht, wenn ein Großteil der Mittel in ein mehr als fragwürdiges veraltetes System Staatstheater fließt, egal wie erfolgreich oder skandalös man dort agiert. Die Politik deckt das leider immer noch.
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  •   andip
    (10710 Beiträge)

    20.10.2020 15:55 Uhr
    ??
    Was soll denn das Gebashe auf die Stadt und die Politik?
    Die Stadt hat mit diesem Festival überhaupt nichts zu tun ausser das die einen der Preise stiftet, also kann die sich damit nicht beweihräuchern.
    Diese Festival richtet sich im übrigen an unbekannte Filmemacher, deren Werke auch nur Low-Budget bis No-Budget sein sollen und eben nicht an die grossen Namen in der Szene.
    Fragt sich, wer nur schwarz-weiss denkt.
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  •   IchKA
    (969 Beiträge)

    20.10.2020 09:35 Uhr
    Sich nicht mit anderen Festivals vergleichen ?
    Gut so, denn dann wird es nur noch provinziell. Wie könnte man erwarten, dass sich wirklich hochkarätige Filmemacher bei diesen lächerlichen Preisgeldern beteiligen wollen. 13000.- für 11 Preise soll wohl ein Witz Herr Langewitz. Da hilft auch wenig zu sagen, dass "Filmemacher unbedingt ihren Film bei uns zeigen möchten, weil sie schon so viel über unser Festival gehört haben und ein Teil davon werden möchten."

    Was für Filmemacher? Zumindest bleibt zu wünschen, dass jetzt ein "Hybrides Format" über Vimeo zu mehr Zuschauern führt.
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  •   andip
    (10710 Beiträge)

    20.10.2020 11:56 Uhr
    Jeder Filmemacher
    ist froh, insbesondere heutzutage, dass überhaupt jemand seine Filme zeigt und so sie/ihn und ihre Filme überhaupt mal bekannt macht und so praktisch Werbung dafür macht.
    Bei diesen Filmemachern handelt es sich sicher nicht um die, die irgendwelche Blockbuster produzieren.
    Nur um irgendwelche Preisgelder einzusacken tritt da keiner an, das wäre für die nur schmückendes Beiwerk.
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