Da liegt es nahe, den Chef der ausrichtenden Karlsruhe Event GmbH Martin Wacker über die Besonderheiten dieser "Heimattage" zu befragen: ka-news-Kulturredakteur Toby Frei hat sich mit Wacker über Karl Drais, Heimatgefühl und die populären "Schlosslichtspiele" unterhalten.

Was können oder dürfen die Karlsruher von den "Heimattagen" erwarten?

Die Heimattage laden zu über 200 Programmpunkten ein, darunter viele Kulturveranstaltungen, Lesungen, Musik-Events, Filmvorführungen oder Diskussionsrunden, sodass für jeden etwas dabei sein dürfte. Es wird sehr spannend sein, zu erleben, wie sich die unterschiedlichen Institutionen, Gruppen und auch Einzelpersonen mit dem Heimatbegriff auseinandersetzen werden, denn Heimat bedeutet ja für jeden etwas anderes. Heimat ist ein sehr subjektiver Begriff und hier wollen wir uns bewusst darauf einlassen, welche Assoziationen die Menschen zu "Heimat" haben, wie wichtig ihnen ihre Heimat ist und was insbesondere unsere Karlsruher Heimat ausmacht.

Schon jetzt, und auch bereits während der Planungsarbeiten im vergangenen Jahr, konnten wir feststellen, dass durch die "Heimattage" bei den Menschen ein Denkprozess ausgelöst wird - unserem Organisationsteam und auch mir ist es ebenso ergangen. Plötzlich beginnt man, über seine Heimat nachzudenken und das verbindet einen mit den anderen Menschen hier vor Ort, schafft aber auch eine starke Verbindung zu Karlsruhe. Daher bin ich überzeugt, dass die Besucherinnen und Besucher unserer "Heimattage"-Formate am Ende des Jahres mit einem geschärften Blick auf ihre Heimat beziehungsweise einem gestärkten Heimatgefühl herausgehen werden.

Veränderte die Welt: Das Laufrad des Karlsruhers Karl Drais
Veränderte die Welt: Das Laufrad des Karlsruhers Karl Drais | Bild: ps

Wenn wir einen genaueren Blick auf das Programm werfen, dann stechen natürlich zwei Veranstaltungen "als Klammern"  hervor: der Baden-Württemberg-Tag am 6. und 7. Mai war die offizielle Auftaktveranstaltung. Die zweite Klammer bilden die Landesfesttage vom 8. bis 10. September mit dem großen Landesfestumzug durch die Innenstadt.

Speziell in Karlsruhe gibt es auch eigens entwickelte Formate für die "Heimattage", hier seien zum Beispiel die Stadtgespräche genannt oder das Volkstheater-Projekt "Inschrift Heimat" des Badischen Staatstheaters. Erwähnenswert ist auch die Doppelausstellung "Karlsruher Heimaten" im Stadtmuseum und im Pfinzgaumuseum. Sie sehen schon bei diesen Veranstaltungen, dass hier sehr stark die Bevölkerung eingebunden wird, deren Erinnerungen und Vorstellungen zu "Heimat" mit in die Projekte und Veranstaltungen einfließen. Bei den "Heimattagen" setzen wir also bewusst auch auf den Dialog mit den Menschen.

Was ist das Besondere an den "Heimattagen" in der Fächerstadt?

Karlsruhe ist die bisher größte Stadt, die die "Heimattage" Baden-Württemberg ausrichten darf. Wir sind zudem im Verhältnis zu vielen anderen bisherigen und künftigen Ausrichterstädten ein recht junger Ort mit einer noch gar nicht so langen Geschichte. Aber wie wir schon vor zwei Jahren beim 300. Karlsruher Stadtgeburtstag erleben durften, so hat Karlsruhe viele Besonderheiten und Qualitäten, die wir auch bei den "Heimattagen" den vielen erwarteten Gästen und Besuchern präsentieren möchten.

Mehr als 200 Veranstaltungen wird es im Rahmen der "Heimattage" in Karlsruhe geben
Mehr als 200 Veranstaltungen wird es im Rahmen der "Heimattage" in Karlsruhe geben | Bild: ps

Wir fokussieren hier drei Themenfelder: "Heimat im Wandel", "Heimat im Netz" und "Heimat des Fahrraderfinders" Karl Drais. Beim ersten Thema geht es darum, dass allein schon aufgrund seiner Entstehungsgeschichte Menschen unterschiedlichster Herkunft nach Karlsruhe kamen und auch heute noch kommen, sodass wir eine multikulturelle Stadtgesellschaft sind, mit vielen unterschiedlichen kulturellen Wertevorstellungen, die sich aber durchaus gegenseitig befruchten können. Karlsruhe ist zudem sehr stark aufgestellt in den IuK-Technologien, weshalb wir uns auch mit der Frage auseinander setzen wollen, wie sich die digitale Gesellschaft auch auf unser Heimat-Empfinden auswirkt oder auswirken kann. Und wir wollen uns im Jubiläumsjahr "200 Jahre Fahrrad" auch mit Karl Drais auseinander setzen, der Dank der Erfindung seiner Laufmaschine vieles für die Mobilität getan hat.

Welche Bedeutung hat "Fahrrad-Erfinder" Karl Drais für die Stadt?

Bis heute ist die Bedeutung von Karl Drais für die weltweite Mobilität enorm, denn wie hätte sich unsere Welt ohne die Erfindung des Fahrrads entwickelt? Und gerade in Zeiten, in denen wir uns auch aus umwelttechnischen Aspekten verstärkt mit entsprechend umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln beschäftigen müssen, ist der Trend, mit dem Fahrrad zu fahren, ungebrochen. Und auch im Bereich der E-Mobilität spielen ja E-Bikes eine bedeutsame Rolle. Der kreative Schöpfergeist Karl Drais' inspiriert bis heute und sicherlich haben wir aus der Geschichte viel gelernt, da der Weg für die Etablierung des Fahrrads damals kein sonderlich leichter war, betrachtet man Drais' gewundene Biografie. Aus heutiger Sicht kann man in Karlsruhe sagen, dass wir hier für Wissenschaftler und Innovatoren die notwendigen Strukturen geschaffen haben, um neue Ideen zu befördern und wirtschaftlich voran zu bringen. "Lessons Learned" quasi!

Auch das ist Heimat: BMX-Contest beim Fahrradwochenende
Auch das ist Heimat: BMX-Contest beim Fahrradwochenende | Bild: Paul Needham

Gerade im Bereich der Mobilität sind wir hier mit vielen Unternehmern und Startups hervorragend aufgestellt, weshalb Mobiliätsfragen auch eine Stärke Karlsruhes darstellen. Inosfern kommt in diesem Jahr auch das Jubiläum "200 Jahre Fahrrad" gerade recht, um hier zu zeigen, was Karlsruhe alles zu bieten hat und natürlich feiern wir das Jubiläum mit dem Slogan "Ganz schön Drais", hier mit einem Fahrradwochenende auf dem Alten Schlachthof mit der "Deutschen Meisterschaft der Fahrradkuriere", einem BXM-Contest sowie einem Bike Polo-Turnier.

Wie lange bleiben uns die begeisternden "Schlosslichtspiele" (3. August bis 10. September) über die "Heimattage" hinaus erhalten, gibt's da konkrete Pläne?

Wie schon nach dem zweiten Jahr hat der Gemeinderat und gebeten, nach dem dritten Spieljahr eine weitere Evaluation vorzulegen. Die beiden ersten Jahre waren ein grandioser Erfolg – 750.000 Besucher pilgerten zum Schloss! 2016 haben wir erneut den Einzugsbereich und das Besucherverhalten analysiert, die Kernbotschaften geben uns bei unserem strategischen Ansatz voll und ganz recht: wir ziehen die Region durch ein solches, national einmaliges Highlight wieder in die Innenstadt- und die Besucher verbinden den Besuch mit dem Besuch von Handel und Gastronomie. Zusätzlich kommen die ungeheuren Imageeffekte: die starken Bildwelten finden national und international ihre Wege in die Medien. Ich bin überzeugt, dass wir uns dieses Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir uns unseren Gründungsort zurückerobert haben, nicht mehr nehmen lassen wollen.
 

Auf welche Events freuen Sie sich am meisten, was sind Ihre persönlichen Highlights?

Es ist natürlich für mich schwierig etwas herauszuheben, denn das Engagement und die Kreativität der Partner ist grandios – und allen gebührt unser ausdrücklicher Dank. Ich formuliere es anders: meine Aufgabe als Gesamtkoordinator des Stadtgeburtstages habe ich immer damit verbunden, aus dem Feier-Reigen Formate für die Zukunft mitzunehmen. Die "Schlosslichtspiele" und die Stadtgespräche sind dafür zwei herausragende Beispiele, das Volunteer-Programm ein weiteres. Dieser strategische Ansatz, aus unseren Stärken heraus Formate zu entwickeln, die unmittelbar auf unser Image einzahlen, ist mir ungemein wichtig!

Hintergrund

Die Heimattage Baden-Württemberg sind eine Veranstaltungsreihe des Landes Baden-Württemberg, die seit 1978 jährlich in einer anderen Stadt oder Region durchgeführt wird. Durch den jährlichen Wechsel wird immer eine andere Region mit ihren Besonderheiten vorgestellt. Die Heimattage wollen das Bewusstsein der Menschen in Baden-Württemberg für ihre Heimat vertiefen und das Wir-Gefühl stärken. Die Heimattage sprechen alle Bevölkerungsgruppen an: die Menschen, die Baden-Württemberg und den Ort der Heimattage schon immer als ihre Heimat betrachten. Aber auch Neubürgerinnen und Neubürger, die mit den Veranstaltungen der Heimattage dazu motiviert werden sollen, sich mit ihrer neuen Heimat zu identifizieren.

Termin: noch bis 10. September, diverse Veranstaltungsorte, Karlsruhe

www.karlsruhe-event.de
www.heimattage-karlsruhe.de

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