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Karlsruhe Jürgen Zöller im Porträt: Nach 27 Jahren als Schlagzeuger möchte er es "ruhiger angehen lassen"

Jürgen Zöller ist eine Institution in der Karlsruher Musikszene. Nach 27 Jahren als Schlagzeuger der Rockband "BAP" möchte Zöller es in Zukunft ruhiger angehen lassen. Er verließ die Band. Dies ist aber kein Grund weiter die Bühne zu rocken. Am Freitag, 22. Oktober, stand er gemeinsam mit anderen Musikern auf der Jubez-Bühne in Karlsruhe. ka-news.de war mit dabei.

Jürgen Zöller ist mindestens so bekannt wie Wolfgang Niedecken – zumindest in Karlsruhe, wo der gebürtige Rheinländer aktuell seit 25 Jahren mit seiner Frau Isabel und den zwei, 14 und 16 Jahre alten, Söhnen lebt. Mit dem Kölner Singer/Songwriter Niedecken und der deutschlandweit bekannten Kölsch-Rockband BAP war der "schwerst mit dem Beatles-Virus“ infizierte Zöller 27 Jahre lang fast auf der ganzen Welt unterwegs und ein nicht wegzudenkender Schlagzeuger im Bandgefüge.

Ruhiger aber keine Rente

Er gab den Rhythmus hinter der "Schießbude" vor, zog dabei lustige Grimassen und war bei der Produktion zahlreicher, hochdekorierter Alben am Start. 2014 war Schluss mit BAP. Zöller hatte verkündet, dass er aufhören wolle. Natürlich ging der heute 74-jährige, leidenschaftliche Musiker, der auch schon eigene Platten wie "Mein Körper und ich – Nobodys Perfect" herausbrachte, in der Folge nicht in Rente.

Bild: Hans-Joachim Of

Fortan versammelte er in der Fächerstadt oder in Durlach in verschiedenen Spielstätten stets eine illustre Gästeschar um sich und steht seither mit "Zöller & Konsorten" auf der Bühne.

Die "Zöller-Network-Sessions" im Karlsruher Jubez sind inzwischen eine Institution und bekannte Größen wie Inga Rumpf, Edo Zanki, Tony Carey, Olli Roth, Helmut Krumminga (BAP), Domenica Swoboda, Christoph Stein-Schneider (Fury In The Slaugtherhouse), Alfred Kritzer, Norbert Tamm, Stephahn Zobeley von der Grönemeyer-Band, Justin Nova oder Lyle Närvänen (Leningrad Cowboys) gaben in der Vergangenheit Kostproben ihres musikalischen Könnens.

"Jubiläums-Session" wurde mehrmals verschoben

Auch Linda Rocco (Masterboy), George Liszt, Erwin Schmidt, Willy Wagner oder Nicatea waren immer wieder dem Ruf Zöllers gefolgt. So wie am vergangenen Freitag, als in besagter Location die zuvor mehrfach verschobene "Jubiläums-Session, Vol. 30 über die Bühne ging und einmal mehr von einem begeisterten Publikum stürmisch abgefeiert wurde.

Bild: Hans-Joachim Of

Im September 2014 saß der Drummer und Spaßvogel – manche Zeitgenossen sagen auch liebevoll "Zappelphilipp" zu ihm - letztmals hinter der BAP-Schießbude, als Niedeckens Band beim Bochumer Zeltfestival auftrat. Passender Weise verabschiedete sich Zöller sogar mit einem Nummer-1-Album. Das BAP-Werk – eine Live-Doppel-CD mit dem Titel "Das Märchen vom gezogenen Stecker" - hatte gleich nach Erscheinen die Spitze der deutschen Charts erklommen.

"Ein letztes, wunderbares Dokument meiner langen Zeit bei BAP", eröffnet Zöller, der selbst den Stecker bei der Kölner Deutschrock-Institution gezogen hatte und verkündete: "Nach 27 Jahren mit Wolfgang Niedecken und BAP unterwegs, habe ich mich entschlossen, nach der Tournee auszusteigen.Die Gründe sind rein privater Natur."

"Ich bin jetzt in einem Alter..."

Der am 27. September 1947 in Köln geborene und in Hillscheid bei Koblenz aufgewachsene Zöller hatte damals erklärt: "Ich bin jetzt in einem Alter, in dem die restliche Lebenszeit überschaubar ist." Bestenfalls habe er ab sofort das letzte Drittel vor sich. "Ich möchte diese Zeit nicht mehr mit langen Touren und mit der Trennung von der Familie verbringen, sondern die Entwicklung meiner beiden Söhne aus der Nähe erleben."

Bild: Hans-Joachim Of

Rückblick: 1962 zog er nach Frankfurt und begann ein Jahr später, Schlagzeug zu spielen. Ende der Sechziger wurde er Profimusiker und agierte in verschiedenen Bands. Beim Wolfgang Ambros'-Hit "Skifoan" war er mit den Schlagstöcken zu Gange. 1977 stieg er bei der Formation "Supermax" ein. 1981 wechselte er zur Kölner Gruppe „Wolf Maahn und die Deserteure“ (Hit: "Rosen im Asphalt").

Zur gleichen Zeit arbeitete er auch mit dem österreichischen Liedermacher Rainhard Fendrich. Zudem war er Produzent der Rodgau Monotones ("Erbarme - die Hesse komme"). Zöller hat mit Jimi Hendrix Wein getrunken und mit Chuck Berry gespielt. Für kurze Zeit war er sogar Percussionist bei James Last und hat als erster Mensch ein Schlagzeug-Solo vor einem chinesischen Publikum gespielt.

Bild: Hans-Joachim Of

Das war 1987, als BAP im "Reich der Mitte" auf großer Tour war. Zöller war immer offen für musikalische Abenteuer jeglicher Art. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken schrieb abschließend und nach dem letzten Gig in seinem Tourblog: "Mit keinem anderen Musiker habe ich mehr Zeit auf der Bühne oder im Studio verbracht, als mit Jürgen. Es waren lange, wunderschöne, extrem spannende Jahre."

"Mir hat es stets sehr gut gefallen"

Und Zöller gibt zu Protokoll. "Mir hat es stets sehr gut gefallen, Mitglied einer solch tollen Kapelle zu sein." Unvergessliche Tournee, Fans und Platten bleiben auf ewig, ebenso der Kinofilm "Viel passiert" mit Regisseur Wim Wenders.

2010 hatte er zudem, zusammen mit Helmut Krumminga und der Sean Treacy-Band, das Eagels-Cover-Projekt "Treagles" gegründet. Zöller, nach eigenem Bekunden "Schlagzeuger mit Leib und Seele", wird weiterhin seine Drumsticks bearbeiten und sich immer wieder seinen eigenen Projekten widmen. Und wenn er seine große Musikfamilie ruft, kommen sie alle nach Karlsruhe.

Alle Bilder zur Jubez-Session:

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