Der ka-news-Kinotipp: "Herr der Ringe"

Galadriel (Foto: pr)
"Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben, sie ewig zu binden." Nur wer der Magie des Buchs "Der Herr der Ringe" verfallen ist, wird die gesamte Erhabenheit des Gedichts um die Bedeutung des Einen Rings erfassen, ja, sie verstehen können. Nach langer Zeit des Wartens ist es endlich soweit. Der erste Teil "Die Gefährten" der Trilogie von J. R. R. Tolkien startet heute in den Kinos. Viele Fans werden endlich Antwort auf die bange Frage erhalten, wie wohl die Umsetzung jenes Stoffes gelang, der seit rund 50 Jahren die Fantasie zahlreicher Leser in Atem hält.

Um es gleich anfangs zu sagen. Dieser Film ist großes Kino. Regisseur Peter Jackson hat einen grandiosen Film über die Ringgeschichte gedreht, der den Zuschauern wirklich den Atem stocken lässt. Für diejenigen, die Tolkiens Werk bereits gelesen haben, rückte die Handlung in den Hintergrund. Schließlich dokumentiert die ausufernde Diskussion, die bereits im Vorfeld des Streifens stattfand, die immense Textsicherheit der Fans. Viel mehr interessierte, wie es Jackson wohl gelungen ist, diese fantastische Welt, Tolkiens ausgereifte Zeichnung von Mittelerde und den darin lebenden Völkern, visuell umzusetzen.

Einer der einfallsreichsten Filmemacher der Zeit

Nicht auszudenken, was wohl geschehen wäre, hätte Hollywood einen reinen auf den Knalleffekt spezialisierten Filmemacher wie beispielsweise Jerry Bruckheimer auf das epochale Projekt "Der Herr der Ringe" angesetzt. Eine schreckliche Vorstellung, wie ein solcher Wüterich die wunderbare Geschichte sprichwörtlich in die Luft gejagt hätte. Aber sicher atmeten die Abermillionen Ring-Fans auf, als bekannt wurde, dass sich der neuseeländische Regisseur Peter Jackson an die Verfilmung des Stoffs machte. Jackson, der in Horrorfilmkreisen dank Filmen wie "Braindead" oder seinem Erstlingswerk "Bad Taste" absoluten Kultstatus genießt, machte durch den Film "Heavenly Creatures" aus dem Jahre 1995 ein breiteres Publikum auf sich aufmerksam. Seitdem steht Jackson in dem Ruf, einer der einfallsreichsten Filmer der Zeit zu sein.

Einfallsreichtum war auch von Nöten, um das rund 1.300 Seiten starke Hauptwerk von Tolkien auf Zelluloid zu bannen. Schon während der rund einjährigen Dreharbeiten in Neuseeland begannen zahlreiche Gerüchte, sich um das mit unglaublichen 190 Millionen Dollar ausgerüstete Werk zu bilden. Kein Wunder, schließlich ist "Herr der Ringe" die Bibel der Fantasy-Literatur. Als dann der erste Trailer im Internet zur Verfügung stand, sprengte das Interesse sämtliche Rekorde. Rund zwei Millionen Mal wurde der erste Blick in den schon damals als Film des Jahrhunderts angepriesenen Streifen alleine in den ersten 24 Stunden angeklickt.

Unglaublich kraftvoll und zerbrechlich

Um bei den Superlativen zu bleiben: Peter Jackson drehte sämtliche Teile der Ringtrilogie gleichzeitig. Ein wahrlich ehrgeiziges Projekt. "Die Gefährten", der erste Band des Buches, ist nun also endlich in den Kinos zu sehen - und wurde begeistert aufgenommen. Alleine der Filmpalast konnte vier seiner Kinosäle mit "Die Gefährten" bespielen lassen - zur Mitternachts-Preview wohlgemerkt.

"Die Gefährten" führt den Zuschauer ein in die phantastische Welt Mittelerdes. In 172 Minuten Länge lässt Jackson in einer wahren Bilderflut eine Welt entstehen, die so unglaublich kraftvoll, so grausam, so lieblich, so archaisch und zerbrechlich ist. Die ersten Szenen gehören ganz der Vorgeschichte des Rings, wie sie in Tolkiens "Der kleine Hobbit" und "Das Silmarillion" zu lesen ist. Mit einer Gänsehaut erfährt der Zuschauer von dem Einen Ring und seinem dunklen Herrscher Sauron. Doch es sollen noch einige weitere folgen. Dann der Kontrast zum schrecklichen Land Mordor, wo die Schatten drohen: Das Auenland. Herrliche Landschaften und Bilder zeigen die Heimat der Hobbits. Einst war es einer aus ihrer Mitte - Bilbo Beutlin - der den Ring nach Jahrtausenden wieder entdeckte. Das war 60 Jahre bevor die Handlung von "Die Gefährten" einsetzt. Nun ruht das Schicksal von ganz Mittelerde auf den schmalen Schultern des Hobbits Frodo Beutlin.

Ein phantastisches Füllhorn

Er übernimmt den Auftrag, den Ring in jenen Flammen zu zerstören, aus denen er einst hervorging. Ihm zu Seite stehen die Hobbits Sam, Merry und Pippin, der Zwerg Gimli, der Mensch Boromir, der Elbe Legolas und Aragorn, der sich im weiteren Verlauf der Geschichte als jener König entpuppen wird, der das Volk der Menschen wieder vereinen wird. Angeführt wird die Ringgemeinschaft von dem Zauberer Gandalf, dem Grauen, fantastisch gespielt von Ian McKellen. Einfach auf eine wundervolle Art und Weise verstehen es Peter Jackson und die Schauspieler, diesem Füllhorn an Figuren plastisch Leben einzuhauchen.

Höhepunkte gibt es viele bei "Die Gefährten". Effekt-Fans wird der Atem stocken, wenn die Gemeinschaft die Dunkelheit der Minen Morias, dem alten Zwergenreich, überwinden muss. Einfach zauberhaft die Passage im Elbenwald Lothlorían. Das Licht, in das die Elbenkönigin Galadriel getaucht wird, ist von eindringlicher, sakraler Schönheit. Das Ende des ersten Teils ist an pathetischem Heroismus kaum zu überbieten. Zurück bleibt ein Publikum, dass trotz der drei Stunden Dauer schon jetzt nach dem zweiten Teil durstet. Dieses Verlangen ist umso schmerzlicher, da Teil Zwei und Drei die weitaus stärkeren Bücher sind.

Unvermeidbar und vorhersehbar ist die einzige Schwachstelle des Films. Diejenigen, welche die Buchvorlage nicht gelesen haben, müssen gelegentlich mit Verständnisschwierigkeiten rechnen. Denn die Detailtreue, mit der Tolkien seinen Roman ausgerüstet hat, lässt sich trotz digitaler Technik nicht auf die Leinwand bannen. Und die Änderungen, die Jackson gegenüber der Vorlage vornahm, bewegen sich allesamt in einem Rahmen, der selbst für die hartnäckigsten Fans durchaus vertretbar ist. "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" ist in sämtlichen Karlsruher Kinos zu sehen.

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