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Karlsruhe Karlsruhe auf Sparkurs: Kulturszene fürchtet um kleine Einrichtungen

Kann die Karlsruher Kulturszene den Sparkurs der Stadtverwaltung verkraften, oder bedeutet er für Einzelne das Aus? Damit beschäftigten sich am gestrigen Dienstag Vertreter des Kulturrings im Tollhaus und sparten dabei nicht mit klaren Worten.

"Wenn es denn sein muss, dass die Stadt ihren Haushalt konsolidiert, werden wir maßvolle Einsparungen mittragen", sagte Gérald Rouvinez vom Musikclub Substage und gleichzeitig Vorstand des Karlsruher Kulturrings. Diese Einrichtung fordert eine "faire Gleichbehandlung und Planungssicherheit" für die kommenden Jahre.

Dass auch kleine Einsparungen schmerzhafte Einschnitte bedeuten könnten, bestätigten Vertreter des Kulturrings nach Gesprächen mit kulturpolitischen Vertretern der Karlsruher Gemeinderatsfraktionen. Trotz nicht selten existenzbedrohender Härten habe man sich mit den Sparmaßnahmen "zähneknirschend arrangiert".

Wichtige oder weniger wichtige Kulturangebote - das ist der falsche Weg!

Der Kulturring - vor 30 Jahren gegründet - ist ein spartenübergreifender  Zusammenschluss Karlsruher Kultureinrichtungen in freier Trägerschaft. Mit dem Jazzclub, Jubez, Substage, der Kinemathek, der Alten Hackerei (SAU e.V.), dem KOHI Kulturraum, dem Kulturhaus Mikado, dem Studentischen Kulturzentrum am KIT, dem Stummfilmfestival Déjà Vu sowie den Kulturzentren Tempel und Tollhaus und anderen erreichen die Träger des Kulturrings in jährlich mehr als 2.000 Veranstaltungen weit über 300.000 Besucher.

Man sei bereit, den Weg mitzugehen, allerdings nur auf solidarischer Basis und "mit allen im Boot". Das Credo des Kulturrings lautet: Gleichbehandlung der Institutionen! - "Voraussetzung die Sparmaßnahmen mitzutragen, ist für uns, dass alle Kultureinrichtungen gleich behandelt werden und nicht der Eindruck entsteht, es gebe wichtige und weniger wichtige Kulturangebote für die Bürger der Stadt", so Rouvinez' Vorstandskollegin Britta Velhagen vom Kulturzentrum Tollhaus.

"Wenn die Kleinen verschwinden, kommen sie nicht wieder!"

Es gelte, in einem allgemeinen Kürzungsklima neue Akzente wie das erfolgreiche junge Dokumentarfilmfestival "dokka" nicht in ihrer Entwicklung zu hemmen und Härtefälle abzumildern: "Es darf nicht sein, dass einzelne Einrichtungen unter den Kürzungen von der Schließung bedroht werden, denn gerade für die kleineren Initiativen gilt, wenn sie verschwinden, kommen sie nicht wieder", so Rouvinez.

Einrichtungen mit (zumeist) ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wie der Jazzclub oder das Kohi trifft der Sparkurs natürlich besonders hart - laut dem Kohi-Vertreter fehlt damit "ein kompletter Monat im Jahr", eventuell müsse es "Einschnitte im Programm" geben. Die 3,6 Prozent trifft alle Einrichtungen, aber gerade für die "Kleinen" könnte es eng werden.

Was bedeuten die Einsparungen (3,6 Prozent jährlich) für einzelne Mitglieder des Kulturrings? Hier die nackten Zahlen:

  • Tollhaus: 13.500 Euro
  • Tempel: 7.000 Euro
  • Kohi: 850 Euro
  • Mikado: 1.200 Euro
  • Jazzclub: ca. 2.000 Euro
  • Substage: 5.000 Euro

Martin Holder vom Tempel räumte ein, dass es aufgrund der Sparmaßnahmen zu "Abstrichen im Programm" kommen könne. Dagegen konstatierte Bernd Belschner, Tollhaus-Geschäfstführer, dass die Kürzungen für das Tollhaus nicht existenziell seien, man erhoffe sich auch einen "Ausgleich über Spenden". Auch für das Substage stelle die aktuelle Situation "keine Krise" dar, so Rouvinez abschließend.

ka-news Hintergrund:

Um dem jährlich ansteigenden Defizit entgegenzuwirken, startete die Stadtverwaltung 2015 einen Haushaltsstabilisierungsprozess. Die Vorschläge wurden in den einzelnen Dezernaten erarbeitet: Dabei erhielt jedes Dezernat eine individuelle Zielvorgabe für die Haushaltsjahre 2017 bis 2022. Die Stadt will hierzu zwei Maßnahmenpakete auf den Weg bringen.

Ende April stimmte der Gemeinderat über das erste Paket ab: Über 304 Maßnahmen waren enthalten - mehrheitlich wurden sie von den Stadträten zur Kenntnis genommen. Wirksam werden die verabschiedeten Maßnahmen zum neuen Doppelhaushalt 2017/2018. Im Juli sollen die ersten Entwürfe zum kommenden Haushalt stehen - im November/Dezember finden die Haushaltsberatungen statt. Zwischen beiden Terminen soll ein Bürgerforum geben - "da können all diese Dinge noch einmal diskutiert auch ausdiskutiert werden", so Mentrup im April. Das zweite Maßnahmenpaket, mit Einsparungen oder Mehreinnahmen von 30 Millionen Euro, soll ab 2019 schrittweise folgen.

Laut Oberbürgermeister Mentrup reduziert sich die Ursache im Wesentlichen auf einen Ausgabenanstieg von zwei bis drei Prozent pro Jahr bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen. "Diese geringe Steigerung hat ein paar Jahre lang durch gewisse Sonderkonditionen keine Rolle gespielt", so Mentrup im Januar und meint damit die positive überdurchschnittliche Einwohnerentwicklung in Karlsruhe sowie Einmal-Effekte gerade in den Gewerbesteuererträgen (2012/2013), die so in den Folgejahren nicht mehr erwartet werden können.

Mehr zum Thema
Karlsruher Doppelhaushalt 2019/20: Schulden, Finanzen, Investitionen: Alles über den Karlsruher Doppelhaushalt 2019/20. ka-news ist wie immer live vor Ort und berichtet von den Gemeinderatssitzungen.
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  •   MacGeifer
    (1840 Beiträge)

    17.07.2016 03:34 Uhr
    BesucherInnen,
    jetzt geht das hier auch schon los...
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  •   Insider
    (746 Beiträge)

    13.07.2016 14:37 Uhr
    Lobbyismus der Soziokultur!
    Schön und gut, was der Kulturring befürchtet oder bemängelt. Wir erinnern uns:
    KOHI: Haben immer besonders erwähnt, dass sie jahrelang keine Zuschüsse brauchten. Dann auf einmal vor ein paar Jahren haben sie Zuschüsse beantragt und durch Mehrheiten im Gemeinderat bekommen. Sicher ist es schwieriger für einen so kleinen Laden über die Runden zu kommen, aber möglich. Vorher ging es doch auch. Wenn sie vielleicht ihre Temporäre Zwangsmitgliedschaft bei Veranstaltungen aufheben würde und man ganz normalen Eintritt zahlen könnte, kämen womöglich neue Besuchergruppen. Sollte man mal drüber nachdenken.
    TOLLHAUS: Zwei hauptamtliche GF!! Wieviel verdienen sie? Wieviel hauptamtliche Beschäftigte gibt es noch? Umsatz von über 1 Mio €!!! Wieso braucht so ein Laden überhaupt noch Zuschüsse? Er köönte auch ohne sehr gut überleben. Abgesehen davon müßte man mal wissen wieviel Prozent Gastspiele sind und wieviel Eigenproduktionen? Und was so soiziokulurell am Tollhaus ist. Mittlerweile sehr wenig.
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  •   Insider
    (746 Beiträge)

    13.07.2016 14:47 Uhr
    Lobbyismus der Soziokultur Teil 2
    Fortsetzung:
    Wenn man sich die Satzung des soziokulturellen Verbandes durchliest, wird besonders auf die freie Trägerschaft und Unabhängigkeit hingewiesen. Wenn man das wörtlich nimmt, dürften diese überhaupt keine Zuschüsse verlangen wollen. Denn nur so ist man unabhängig von Politik und Verwaltung. Wirklich freie Träger sind in den vergangenen Jahren tatsächlich verschwunden, weil sie gegen die bezuschusste Soziokultur nicht bestehen können.
    Was ist aus der Evaluation der Kulturträger geworden? Gab es einmal, dann nie wieder! Aber wenn natürlich Stadträte und Politiker in Aufsichtsgremien sitzen, ist klar, wie der Hase läuft. Aber nicht nur bei der sogenannten Soziokultur!
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  •   Emilie
    (245 Beiträge)

    13.07.2016 14:10 Uhr
    Thema Einsparungen:
    Vorhin im Radio wurde vom in nächster Zeit bezugsfertigen Haifischbecken berichtet. Ein Naturkundemuseum braucht ein Haifischbecken? Einen Hai/Haie in einer Wasserpfütze? Tierfreunde, wo seid ihr? Ein präpariertes Haifischskelett in einem Naturkundemuseum wäre normal. Aber ein Haifischbecken? Und das dann noch bei Karlsruhes extremst angespannter Finanzlage?
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  •   fuzzynervzwerg
    (1148 Beiträge)

    13.07.2016 12:58 Uhr
    Hab grad mal meine Rechenkünste aktiviert.
    Man erreicht 300.000 Leute. Es geht um Einsparungen von knapp 30.000 Euro.

    Also nehmt von jedem ein Zehnerle (in Zahlen: 0,10 Euro) und der Käs ist gegessen!
    Viel Lärm um nichts!
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