Es beginnt mit einem klassischen Western-Intro, und was dann kommt, ist ein "echtes Brett", wie wir Badener zu sagen pflegen. Der Sound ist rockig-kraftvoll und bluesy, da schießen Assoziationen zuhauf durchs Oberstübchen: The White Stripes, gar Led Zeppelin? Staubtrockener Stoner Rock à la Kyuss und Queens Of The Stone Age?

Auf jeden Fall ist es eine veritable Walze und Rock'n'Roll vom Feinsten, der da von der Hauptbühne rollt, mit jeder Menge Grunge und stets einem Touch Blues dabei - so wie damals Soundgarden zu "Superunknown"-Zeiten, mit meterhohen Gitarrenwänden! Und das mit nur einem Gitarristen!

Das Fest 2019: Rival Sons, Sonntag
Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Natürlich ist das eine coole und erfahrene Truppe, diese Rival Sons, und klar kommt die Doppelhalsgitarre so richtig gut, die sich durch die Tracks schält. Während ich schreibe, leuchtet immer wieder der Name ZZ Top hinter meiner Stirn auf, wo anfangen und wo aufhören? Es ist ein Sound wie Donnerhall! Und bei der Ballade sind wir dann nah dran an den Eagles.

Sänger Jay Buchanan ist 'ne kleine Diva

Zugegeben, Sänger Jay Buchanan ist 'ne kleine Diva und spart nicht mit Jim-Morrison-Attitüden. Wenn man aber so viel gottgegebenes Charisma an die Hand bekommen hat, warum dieses Blatt nicht guten Gewissens ausspielen? Eben! Rival Sons rocken energetisch und stoisch vor sich hin, immer mit dem Wissen, dass sie den Mount Klotz am Ende dann doch kriegen.

Das Fest 2019: Rival Sons, Sonntag
Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Im Laufe des Gigs wird dann zunehmend gejammt, inklusive ausufernder (Hendrix-)Gitarren-Soli, es entstehen magische Momente und die Band groovt sich so richtig ein. Zugegeben, das Publikum braucht eine kleine Weile, bis es mit den Kaliforniern warm wird, die übrigens ihre einzige Open Air-Show in Deutschland in der Fächerstadt spielen. Am Ende passt es dann vortrefflich mit Rival Sons und den Karlsruhern!

Zum Abschied schreit dann Shouter/Sänger Buchanan noch einmal ins Mikro: "We Are Rival Sons And We Play Rock'n'Roll!" - ein gar nicht so versteckter Gruß an den legendären und verstorbenen Lemmy Kilmister von Motörhead! Ein Bekannter ist extra wegen den Jungs aus dem Golden State nach Mainhattan gefahren - jetzt weiß ich warum. Respekt für diesen kraftvollen Sound und überzeugenden Auftritt, ihr habt mich komplett mitgenommen!

Fetsum führt anfangs in Gedankenwelt ein

Haben die PxP Allstars danach eine echte Chance? Haben sie. Und die nutzen sie mit Bravour! Ich war ja anfangs auch durchaus skeptisch, wurde aber schnell eines Besseren belehrt - die Rädchen griffen ineinander.

Initiator Fetsum führt vor Beginn dieses doch eher ungewöhnlichen Konzerts in die Gedankenwelt von Peace By Peace ein: "Wir haben 2016 PxP gegründet, um Kindern im Krieg und auf der Flucht zu helfen." Alles im Sinne eines friedlichen Miteinanders und einer offenen Gesellschaft. Man muss jene schützen, die sich am wenigsten wehren können - die Kinder! Das ist die Grundidee, die Botschaft, es geht um Toleranz, "Zukunft braucht Perspektive", wirbt Fetsum. Wie recht er doch hat!

Das Fest 2019 am 21.07.2019 in Karlsruhe (Günter-Klotz-Anlage), Germany
Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Musikalisch macht der Crooner/Rapper Teesy den souligen Anfang, und der kann sein Glück ob der Zuschauermassen kaum fassen, verbindet dieses bisherige Karriere-Highlight mit einem Gruß an seine Mutter. Es ist immer wieder faszinierend, wie der Mount Klotz die Künstler bewegt! Ein goldiges Intermezzo später (die Fest-Besucher umarmen sich) greift Teesy dann zur Mundharmonika, auch das kann er!

Nach einem gefühlvollen Zwischenspiel von Moderator Fetsum ("I'm A Refugee") macht Sophie Hunger dann alles anders: sie dekonstruiert ihre Songs, macht leicht skurrile Ansagen und es den Zuhörern nicht gerade leicht. Man muss konstatieren, es kommt zu einem Bruch, leider. Schön, dass sie beim poetischen Max-Herre-Cover ("Berlin - Tel Aviv") zeigt, dass sie auch harmonisch kann, ihr angestammtes Terrain bleibt aber der Avantgarde- und Dream-Pop. Ich schätze das eigentlich sehr, aber für die große Bühne ist das Oeuvre der Schweizerin und ihre Persönlichkeit dann anscheinend doch ein wenig zu sperrig.

Letztendlich eine tolle Melange an Künstlern

Da hat es Johannes Oerding natürlich leichter mit seinen Hits, und er bringt sie alle ("Kreise", "Hundert Leben", "Alles brennt"), beherrscht das Spiel mit den Massen. Ein echter Höhepunkt! Fettes Brot machen ihre Ankündigung vom letzten Abend übrigens wahr und sind mit dabei bei der PxP Allstars-Show. Dazu ist alles gesagt, trotzdem eine tolle Aktion und Geste der Hamburger!

Die Künstlermischung scheint anfangs leicht inkohärent, wird aber letztendlich eine tolle Melange, die sich versammelt, zusammenfindet und bestens funktioniert! Und: Die Künstler haben - trotz der ernsten Thematik - richtig Spaß, das muss sich ja nicht ausschließen. Die Allstars sind vom Fest und der Atmosphäre restlos begeistert, zeigen sich gar beseelt - man sieht sich, ganz sicher!

Das Fest 2019: PxP Allstars feat. Johannes Oerding, Fetsum, Teesy, Sophie Hunger und Fettes Brot
Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Das Finale gerät dann emotional: Die versammelte Truppe (Fetsum, Teesy, Sophie Hunger, Johannes Oerding, Fettes Brot) stimmt Tracy Chapmans Klassiker "Talkin' Bout A Revolution" an, die Fest-Crowd ist begeistert und begleitet die PxP Allstars allmählich singend von der Bühne - was für ein großer Abend, in jederlei Hinsicht! Am Ende (von Das Fest) gibt's dann noch einen erklecklichen Spendenscheck von den Fest-Machern fürs Projekt - eine tolle Geste!

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