Karlsruhe "Lucky 100" statt Zeltival? Tollhaus startet zweiwöchiges Sommerfestival

Es sind harte Zeiten für die (Karlsruher) Kultur, ohne Zweifel, Ideen und Innovation sind gefragt. Das Tollhaus macht nun die ersten Schritte - mit dem "kleinen, aber tollen" Sommerfestival "Lucky 100". Geschäftsführer Bernd Belschner im Interview über das neue Kultur-Event.

Das Kultur-Event im Kreativpark braucht sich wahrlich nicht zu verstecken: Mit dem Ruhrpottbarden Stoppok kommt sogar ein echter Star zum Sommerfestival - und das gleich mit  doppeltem Konzerttermin (20. Juni). Aber auch lokale Größen wie Thomas Zimmer, Volker Schäfer (24. Juni) und Gunzi Heil (25./26. Juni) sind am Start.

Die folgende Frage drängt sich natürlich auf: Gibt es tatsächlich die Chance, das Zeltival (in welcher Form auch immer) doch noch stattfinden zu lassen? ka-news.de hat auch diesbezüglich mit Tollhaus-Geschäftsführer Bernd Belschner gesprochen. 

Herr Belschner, warum der Name "Lucky 100"?

Na, ist doch klar. Wir freuen uns, dass wir wieder knapp 100 Gäste bei uns begrüßen dürfen, und unsere Besucher freuen sich hoffentlich auch, dass sie nach über drei Monaten Pause wieder Liveveranstaltungen im Tollhaus erleben dürfen.

Wie sieht die (nahe) Zukunft des Tollhaus aus, was sind die Pläne? "Lucky 100" als Teil eines Neustarts?

Wir haben versucht, so bald als möglich zu öffnen. Das ist zwar ein, in jeder Hinsicht, enormer Aufwand, aber Livekultur ist systemrelevant und daher von großer Bedeutung und darf nicht in Vergessenheit geraten. "Lucky 100" ist der erste Teil unseres Sommerprogramms, danach hoffen wir auf weitere Lockerungen und planen derzeit eine coronabedingt verkleinerte Zeltival-Variante unter dem Namen "Oh wie schön wär's Zeltival" bis Mitte August.

Stoppok
Stoppok | Bild: ps

Sommerfestival "Lucky 100" als ständige Veranstaltung?

Wirtschaftlich macht das keinen Sinn. Wir finanzieren uns ja großteils aus Eintrittseinnahmen. Insofern wäre zumindest eine Mischung aus  kleineren und größeren Veranstaltungen, anzustreben. Aber einzelne Elemente, wie zum Beispiel der offene Biergarten mit Kulturprogramm könnte schon ein Konzept sein, das diesen speziellen Sommer überlebt.

Thomas Zimmer
Thomas Zimmer | Bild: ps

Bedrohte Kulturlandschaft und etwaige Schließungen in Karlsruhe durch Corona: Immer noch Realität?

Ja! Die Schäden, insbesondere bei den freien Trägern, die stark auf eigenerwirtschaftete Einnahmen angewiesen sind, sind enorm. Die beabsichtigten Hilfsmaßnahmen sind sehr hoch, aber noch längst ist nicht klar, ob sie ankommen, und wenn, ob das dann ausreichen wird. Andererseits gibt es ein klares politisches Bekenntnis der Stadt, die vorhandenen kulturellen Strukturen zu erhalten.

Eine Frage stellt sich außerdem: Es ist häufig günstiger eine Kultureinrichtung nicht zu öffnen, als ein sehr eingeschränktes Programm mit wenig Einnahmen, aber höheren Ausgaben durchzuführen. Die Resonanz auf unsere ersten Veranstaltungen zeigt jedoch, dass sich die Menschen nach der Kultur sehnen.

Vor welchen Herausforderungen steht das Tollhaus, die Karlsruher Szene? Ab wann wahrscheinlich wieder Veranstaltungs-Normalität?

Für uns fallen auf absehbare Zeit sämtliche größere Konzerte wie ganz allgemein größere Veranstaltungen weg. Besonders trifft uns auch inhaltlich, dass es derzeit aufgrund der auch auf der Bühne geltenden Abstandshaltungsgebote keine Auftrittsperspektive für Tänzer und Artisten gibt. Wir arbeiten da aber jetzt selbst an Konzepten. Was im Profifußball möglich ist, muss auch hier machbar sein.

Wir haben im Tollhaus immerhin aufgrund unserer Größe, die Möglichkeit, bestuhlte Veranstaltungen auf Abstand stattfinden zu lassen. Noch härter trifft es da viele unserer Kollegen im Clubbereich, die hauptsächlich unbestuhlte Konzerte und Partys, bei denen körperliche Nähe unabdingbar ist, veranstalten. Wir hoffen, dass so bald als möglich im nächsten Jahr wieder Normalität einkehrt. In diesem Jahr ist dies wohl nicht mehr zu erwarten.

Gunzi Heil
Gunzi Heil | Bild: ps

"Lucky 100" als Alleingang -  warum keine konzertierte Aktion mit  anderen Veranstaltern? 

Wir arbeiten viel mit anderen Kollegen zusammen, so kooperieren wir mit den Centre Culturel Franco-Allemand erstmals bei der Fête de la musique, im Juli kommt der Kohi Poetry Slam zu uns. Davor und dazwischen nutzen einige kleinere Theater unseren kleineren Saal für Aufführungen, die derzeit in ihren eigenen Räumlichkeiten keinen Sinn machen.

Das ist ein großes Problem, dass für viele kleinere Orte, die derzeit gültige Abstandsregel noch keine Öffnungsmöglichkeit bietet. Aber das Tollhaus hat und muss ja auch sein eigenes Profil pflegen. Zusätzlich beteiligen wir uns mit vielen Kollegen und Kolleginnen aus dem Kulturring bei einem großen Gemeinschaftsprojekt auf dem Alten Schlachthof im Sommer.

Termin: noch bis 28. Juni, Tollhaus, Karlsruhe

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