Karlsruhe Karlsruher Künstler während Corona: Figurenspieler Sebastian Kreutz würde am liebsten "spielen und Leute glücklich machen"

Die langwierige Corona-Episode ist vor allem für Künstler, Musiker, Schauspieler in der Fächerstadt eine harte und schwierige Zeit - was machen Karlsruher Kreative eigentlich, da so gut wie nichts stattfindet und passiert? ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei hat in seiner Serie "Karlsruher Künstler" nachgefühlt. Heute: Sebastian Kreutz, Schau- und Figurenspieler.

Sebastian Kreutz ist ein erfahrener und versierter Künstler. Und er hat etwas zu sagen, äußert sich offen, hat klare Prinzipien und interessante Gedankengänge. Es ist immer wieder spannend, mit jenen Künstlern zu sprechen, die dem Publikum mit ihrem Spiel einfach Freude bereiten wollen, diese spezielle Passion ihr Eigen nennen. Zudem hat Kreutz Stil und Energie. Doch was passiert mit dieser Energie, wenn man ein Jahr nicht auf der Bühne stehen darf? Was macht Corona mit einem Künstler?

"Digitales Theater kann den Live-Act nicht ersetzen!"

Kreutz gibt sich humorig: "Bemerken, wie blöd eigentlich Fernsehwerbung ist. Zudem kriegt man zu spüren, dass Behörden oft verwalten, aber selten helfen." Doch die Pandemie birgt auch Positives: "Ich genieße, den Schwarzwald vor der Tür zu haben. Mal ohne Zeitdruck das nächste Stück vorbereiten. Ausgiebig feiern, dass es Freunde gibt."

Sebastian Kreutz (rechts) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei
Sebastian Kreutz (rechts) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei | Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Besonders schön sei es, die Zeit zu haben, mit dem Sohn ein Boot bauen und gleichzeitig zu staunen, wie unsicher und unbeholfen alle sind in dieser Zeit. Weitere Vorteile: "Viel mehr lesen als sonst. Innehalten. Sich fit halten. Zusammenhalten, bereithalten. Und vor allem: Froh sein, vermutlich gesund zu sein. Und hoffen."

Natürlich stellt sich die Frage: Bietet Corona auch neue Chancen, Projekte und Ideen? Kreutz holt aus: "Vor allem gibt es den Luxus Zeit. Zeit, neue Sachen zu ersinnen und das Alte zu überdenken." Corona biete auch deutlich zu spüren, dass das digitale Theater nicht den Live-Act ersetzen kann - "Puh, zum Glück!"

"Politik hat jetzt die Chance, mal genauer hinzusehen!"

Der 54-Jährige weiter: "Die Zeit bietet uns und allen Verantwortlichen die einmalige Chance, genau zu erkennen, wo die Schwächen und Stärken dieser unserer Gesellschaftsform sind und zum Beispiel den Kunst- und Kulturbereich endlich und wirklich ins 21. Jahrhundert zu befördern. Beispielsweise überholte Inhalte und Machtstrukturen zu ändern."

Außenansicht des Theaterhaus
Außenansicht des Theaterhaus | Bild: Eric Reiff

Die Theaterwelt dümpele oft völlig hilflos zwischen Tradition und Moderne herum, Gelder würden irgendwie, irgendwo hingeschüttet, meist dorthin, wo die oder der sitzt, die oder der am besten blenden könne. "Da, hätten wir und unsere Politik jetzt große Chancen, mal genauer hinzusehen - vielleicht tut das ja schon jemand."

Speziell für Künstler bleibt die Frage: Ist es ein Leben - oder eher ein (künstlerisches) Überleben? Der gebürtige Brandenburger Kreutz wird deutlich: "Bei aller Schwermut, fast ein ganzes Jahr nicht gespielt zu haben - es gibt Menschen, die in Lagern frieren und auf Meeren ertrinken oder alleine auf irgendeiner Intensivstation sterben. Also, da dürfte unsere Not nicht sonderlich ins Gewicht fallen."

Auf die Frage, ob er durch Corona etwas verloren habe, äußert sich der studierte Kreutz ausführlich und wie folgt: "Ja, vor Corona hielt ich die zahllosen Berichte über Behördenwillkür zum Beispiel für zum Teil komplett übertrieben - diese einstmals beruhigende Naivität habe ich komplett verloren." Auch der Glaube an den Einsatz des gesunden Menschenverstandes habe extrem gelitten.

"Was für ein Glück, nicht allein zu sein!"

Auch der Glaube, dass Menschen im Notfall zusammenhalten, wanke gewaltig. Überdies sei der materielle Verlust noch nicht wirklich abzusehen - "aber das ist ja im Endeffekt nur Geld". Neben all diesen Verlusten habe Kreutz allerdings auch gewonnen, "mein engstes Umfeld ist echt 'ne Wucht, Kolleginnen und Kollegen, Familie, Freunde, plötzlich fällt einem mal auf, was normalerweise selbstverständlich ist. Was für ein Glück, nicht allein zu sein!"

Finale Frage: Was sind die konkreten Pläne nach Corona, für die Zukunft? Nach-Corona-Projekte, so Kreutz, das seien praktisch dieselben Projekte wie immer: "Spielen, spielen, spielen, Leute glücklich machen, wer darf das schon?! Soweit es geht, so oft es geht, fröhlich sein, so viel wie möglich, das ist das oberste Projekt schlechthin!", zeigt sich Dialekt-Spezialist Kreutz trotz der prekären Lage dann doch zweifelsfrei optimistisch.

 

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