Karlsruhe Corona als Chance? Karlsruher Designer Toby O. Rink ist durch die Pandemie um "viele neue Ideen und Gedanken reicher"

Die langwierige Corona-Episode ist vor allem für Künstler, Musiker, Schauspieler in der Fächerstadt eine harte und schwierige Zeit - was machen Karlsruher Kreative eigentlich, da so gut wie nichts stattfindet und passiert? ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei hat in seiner Serie "Karlsruher Künstler während Corona" nachgefühlt. Heute: Toby O. Rink, Designer, Autor und DJ.

Toby O. Rink ist wohl einer der besten (Grafik-)Designer der Stadt, zudem kennt man den 50-Jährigen vor allem als engagierten DJ, der unter dem Label "Gold Rush" Platten auflegt, um mit dem Erlös soziale Zwecke zu unterstützen. Eine feine Sache! Doch was macht man denn so als Kreativer eigentlich während des Lockdowns? Gibt es tägliche Routinen?

Rink, der sich selbst als waschechtes 1980er-Kind bezeichnet, beginnt: "Vorab: Ob ich ein 'richtiger' Künstler bin oder nicht, dürfen andere beurteilen. Eigentlich bin ich Schriftsetzermeister, doch dass diese Gattung bereits ausgestorben ist, zeigt schon Word anhand der Rechtschreibkorrektur. Aber ich mag die Kunst, das Design, stilvolle Produkte, schöne Texte, gute Musik und andere Künste wie beispielsweise die Kampfkunst."

Die Erde - "das größte Gesamtkunstwerk aller Zeiten"

Um auf das Thema Routinen einzugehen: "Ich glaube, wir sind von Routinen geplagt, denn sie lähmen scheinbar eindeutig die Kreativität der Gesellschaft und der darin lebenden Menschen. Wie viele Menschen klagen über ihren Alltag und die Geschehnisse dort draußen? Wenn wir schon über Kunst sprechen, dann dürfen wir auch die Kunst der positiven Veränderungen nicht vergessen."

Und eines sollte man sich in dem Zusammenhang jeden Tag vor Augen führen, mahnt Rink: "Dass wir in der Vergangenheit wie auch heute aktiv daran beteiligt sind, das größte 'Gesamtkunstwerk aller Zeiten' – eine runde blaue Kugel, die uns ein Zuhause gibt - unbedacht und egoistisch zu zerstören. Wir existieren, um unser Leben zu erhalten und vergessen dabei das bewusste Erleben."

Toby O. Rink im Gespräch
Toby O. Rink im Gespräch | Bild: Tim Carmele/TCM-Fotografie

Der Alltag der meisten Menschen drehe sich um einen großen Teil ihrer Zeit nur darum, ihre Existenz zu erhalten, die auf viel zu teuren Lebensbedingungen unserer Gesellschaft basiert. Die Welt verpanzere sich mehr und mehr, während hinter der Kruste dieser Panzerung jede Menge Schönheit, Leichtigkeit und Glück verborgen ist.

"Doch das Negative, das Starre und Unbewegliche scheint immer noch stärker zu sein als jeder Moment des Glücks. Dann taucht wie aus dem Nichts plötzlich ein Virus auf und trifft voll auf die erwähnte Festgefahrenheit dieser routinierten Weltgemeinschaft. Routiniert bedeutet ja auch 'erfahren' oder 'geschickt' zu sein. Aber: Anstatt uns routiniert zu verhalten, tun wir das Gegenteil."

Spenden trotz Pandemie

Es brauche definitiv einen Richtungswechsel, so der Karlsruher Rink, und vielleicht habe dieser auch wieder Routinen, die es brauche, um damit eine strukturierte Basis für eine neue Gesellschaft zu schaffen. "Richtungswechsel gehören zur Kunst, zur Kreativität, aber auch zum Leben dazu, da sie auch einen Perspektivenwechsel beinhalten. Warum kümmern wir uns in solchen Zeiten nicht um die Gestaltung unserer 'natürlichen Existenz und Intelligenz', anstatt eine 'künstliche Intelligenz' zu züchten, von der wir uns zunehmend mehr abhängig machen - wir haben es selbst in der Hand!"

Doch generiert Corona auch Chancen, neue Projekte, Ideen? "Im Jahr 2020 lief es in unserer Agentur erstaunlich gut", so Rink, man konnte dank treuer Kunden auch eine Herzenssache beginnen und habe im Januar 2020 den Versuch gestartet, ein bis fünf Prozent der Nettoumsätze für soziale Zwecke zu spenden. "Womit wir damals natürlich nicht rechnen konnten, war eine Pandemie." Dennoch habe man das Spenden beibehalten und tue dies weiterhin.

Toby O. Rink
Toby O. Rink | Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Rink führt aus: "Wir produzieren mit diesem Engagement ein kleines Glücksgefühl, weil wir sehen, dass Design-Projekte etwas bewirken. Ich denke, hier muss und wird in Zukunft noch einiges mehr passieren, gerade als Signal aus der Wirtschaft kommend - was könnte man in punkto sozialer und kultureller Aktivitäten alles gemeinsam bewegen."

Vor allem seit dem Platzen der sogenannten Dotcom-Blase im Jahr 2000, bei dem zuvor in die Höhe getriebene Technologie-Aktien in den Keller fielen, habe Rink ein anderes Verständnis von Wachstum - "indem ich mich frage, was ich wirklich zum Leben brauche und wo die Grenzen zwischen Gier und Genügsamkeit liegen".

"Selbstverständlichkeiten wertschätzen lernen"

Eine schöne Sache aber, die man in dieser Krise bisher beobachten könne, sei die Tatsache, dass das erste Mal seit langer Zeit wieder der Mensch und nicht die Wirtschaft im Vordergrund stehe. Menschen in Jobs, die man vor der Krise als selbstverständlich betrachtet habe, rückten nun in den Fokus. "Und genau hier sollten wir uns alle überlegen, wie wir genau diese Selbstverständlichkeiten mehr wertschätzen lernen können", bilanziert Rink.

Toby O. Rink (rechts) im Gespräch
Toby O. Rink (rechts) im Gespräch | Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Abschließende Frage an den Gestalter: Was macht Corona mit einem, haben sich Dinge verändert? "Verloren haben wir in dem Sinne aktuell noch nichts, was aber nichts bedeutet", so Kampfsportler Rink. Man lebe in Zeiten, in denen erst einmal nichts mehr wirklich planbar sei. Es gehe vielmehr darum, sich zu überlegen, wie man dort draußen "gemeinsam" überlebe, also darum, wie man sich gegenseitig unter die Arme greifen könne und ergänzt, was wiederum auch Chancen beinhalte.

Rink weiter: "Ich persönlich habe mich nicht verändert, auch wenn die Ungewissheit dieser Zeit natürlich immer wieder mal am Gemüt nagt. Ich bin um viele neue Gedanken und Ideen reicher geworden, die sich ohne die Pandemie vielleicht erst später ergeben hätten."

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