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Karlsruhe art Karlsruhe: Sehen, Sammeln - und "Begrabschen"

Klassische Moderne und Gegenwartskunst für jeden Geschmack versprach die neunte Art Karlsruhe, die am Wochenende zigtausende Besucher auf das Karlsruher Messegelände lockte. Doch für faszinierende Sinneseindrücke brauchte man die großen Publikumsmagneten nicht zu bemühen. Ein Streifzug.

Skulpturen, Malerei, Fotografie und einiges dazwischen lockte Besucher von Nah und Fern. Highlights wie die Pop Art aus der Sammlung des verstorbenen Gunter Sachs und die quadratisch-praktisch-gute Ausstellung der Schokoladen-Enkelin und Kunstsammlerin Marli Hoppe-Ritter genossen große Aufmerksamkeit.

Grobe Materie, zarte Ausstrahlung

Neben den poppig-laut-bunten Exponaten wie der Installation "My Home" von Barbara Beckers Exmann Arne Quinze oder dem gehäkelten Penner-Ernie von Patricia Waller samt Rotweinflasche und Quietscheentchen konnte der aufmerksame Besucher aber auch zurückhaltendere, leisere Kunst entdecken.

Obwohl aus hartem, robusten Metall gegossen, wirken die kleinen Bronzeskulpturen der Künstlerin Susanne Kraißer filigran, grazil und zerbrechlich auf ihren weißen Wandwürfelchen. Trotz ihrer groben Oberfläche sind sie so verspielt und zart, dass man sich das Wasser lebhaft vorstellen kann, in das sie ihre kleinen Fußspitzen unter dem Titel "An der Wasserkante" strecken.

Zart sind auch die Farben, mit denen Reinhard Voss seine Holzköpfe bemalt: Sie bestechen vor allem durch die interessante Struktur, die durch das Zusammenfügen verschiedener Holzscheite entsteht, denen der Künstler dann die Form von menschlichen Köpfen verleiht.

Anfassen ausdrücklich erlaubt

Ganz menschlich ist auch das Bedürfnis, faszinierende Dinge anzufassen und mit dem Tastsinn ganz wörtlich zu "begreifen". Kunstliebhaber müssen diesen Impuls normalerweise unterdrücken. Nicht so bei Achim Däschner. Der freischaffende Künstler und Kunstdozent aus Karlsruhe stellte extra für die Messebesucher vier "Grabschblöcke" bereit.

Seine Skulpturen und Objeke sind ein Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien wie Wachs, Filz, Stahl und Beton, die in der Kombination eine eigentümliche Anziehungskraft ausüben. Man verspürt noch mehr als sonst das unmittelbare Bedürfnis, mit den Fingern über die Oberflächen zu streichen und das weiche Wachs, den rauhen Filz und den harten, kalten Stahlbeton zu ertasten.

Poetisches Verschmelzen der Elemente

Das soll man auch tun - nur eben nicht zu Zigtausenden auf einer so großen Messe wie der art Karlsruhe. Daher die Grabschblöcke, die das sinnliche Erlebnis der "echten" Kunstwerke doch nur erahnen lassen. Für sie lässt Däschner in aufwändigen Verarbeitungsprozessen die eigentlich so unvereinbaren Stoffe scheinbar ineinanderschmelzen. Kein Wunder also, dass er auch als "Alchemist unter den Bildhauern" gilt.

Und schon befindet man sich mitten in einer meditativen Beschäftigung mit den von jeglicher Funktion befreiten Materialien. Da braucht es die philosophisch anmutenden Titel kaum noch: "Gott Nr.2", "Der Pathetiker Nr.3" oder "Die Abwesenheit der Dinge Nr.1" nennt Däschner seine Werke.
Zwischen dem stark vertetenen und durchaus sehenswerten Kitsch der diesjährigen art Karlsruhe sind sie ein mentaler Ruhepol und zugleich eine Herausforderung für die Sinneswahrnehmung.

Die zehnte art Karlsruhe 2013 findet vom 7. März bis 10. März 2013 statt. Weitere und ausführliche Informationen zur "art Karlsruhe" gibt's online auf der Messe-Site oder im ka-news-Dossier.

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