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Karlsruhe Zocken im Museum: In neuer ZKM-Ausstellung werden Computerspiele zur Kunst

Am Freitag startete im ZKM eine neue Ausstellung: Gameplay zeigt ein junges Medium, das langsam erwachsen wird. GTA, Battlefield und Fifa - das sind inzwischen längst keine Fremdwörter mehr. Inzwischen hat der virtuelle Zeitvertreib das Potenzial, Kunst zu sein. ka-news traf Stephan Schwingeler, Kurator von ZKM Gameplay, zum Plausch über die Kunst des Spieleausstellens.

Videospiele im Museum sind nichts Neues: Das ZKM stellt bereits seit 1997 ausgewählte Games in der "Welt der Spiele" aus. "Es wurde früh erkannt, dass Computerspiele wichtiger Teil einer Lebenswelt sind, die stark von Digitalisierung geprägt ist - eines der zentralen Themen des ZKM", erklärt Stephan Schwingeler, der gerade seine Doktorarbeit "Kunstwerk Computerspiel" veröffentlichte und seit 2013 die Gameplay Ausstellung kuratiert.

Kommunismus und Peitschenhiebe

Dort werden Exponate wie Lea Schönfelders "Perfect Woman" ausgestellt - "ein feministisches Spiel, das die Lebensrealität Lea Schönfelders widerspiegelt", so Schwingeler. Die Ausstellung habe das Ziel, alle Facetten des Computerspiels zu beleuchten. Highlights sind beispielsweise "Long March: Restart" von Feng Mengbo, eine 16 Meter Projektion des politischen Spiels über das kommunistische China oder die berühmt berüchtigte "Pain Station", die während des Spiels Stromschläge und Peitschenhiebe austeilt.

Alle Exponate beleuchten individuelle Aspekte des künstlerischen Spiels. Dazu gehören auch kommerziell erfolgreiche Titel wie Heavy Rain. Schwingeler erklärt: "An diesem Spiel kann man zeigen, wie Computerspiele einem filmischen und fotografischen Realismus nacheifern und auch sehen, dass das eben nicht immer funktioniert."

Spiele auszustellen ist jedoch auch eine Herausforderung für den Kuratoren: "Wenn man schlecht spielt, kommt man nicht weiter und damit versperrt sich das Werk. Deshalb haben wir auch einige niederschwellige Exponate, damit die Besucher auch Spaß haben und nicht frustriert von dannen ziehen.

Es gibt aber auch Exponate, die die Besucher stark herausfordern und Erwartungshaltungen unterlaufen." So beispielsweise eine Doom-Modifikation der Künstler Jodi, bei welcher der Spieler nur noch einen weißen Bildschirm sieht, das Spiel jedoch mit allen anderen Funktionen weiter läuft.

Computerspiele an der Schwelle zur Selbstreflexion

Aber kann ein Computerspiel wirklich Kunst sein? Ja, findet Stephan Schwingeler. Nicht jedes Spiel sei Kunst, wie auch nicht jedes Gemälde Kunst sei. Aber es habe das Potenzial, Kunst hervorzubringen und das soll ZKM Gameplay deutlich machen. "Computerspiele stehen an der Schwelle zur Selbstreflextion, sie werden sich ihrer eigenen Geschichte bewusst.

Das Medium hebt sich auf ein neues Level", sagt Schwingeler und nennt FEZ als Beispiel. Das Jump&Run, ein Liebling der Independent-Szene, stürzt scheinbar ab, durchbricht die vierte Wand und startet neu. So erhält der kleine Held Gomez die Fähigkeit, seine Umgebung von einer dreidimensionale in eine zweidimensionale Welt zu ändern und damit neue Wege offen zu legen.

Nachdem die Ausstellung einem Update unterzogen wurde, ist sie seit Freitag, 12. September, wieder im Museum für Neue Kunst zugänglich. Am Sonntag, 14. September, finden im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des ZKM Veranstaltungen und Konzerte rund um ZKM Gameplay statt. Die Ausstellung soll ein breites Publikum ansprechen und ist laut Schwingeler nicht der Kinderspielplatz, sondern vielmehr ein Ort, an dem Menschen, die der Medienkunst offen gegenüberstehen, die Manigfaltigkeit des Computerspiels demonstriert werden soll.

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Kommentare (2)
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  • unbekannt
    (2169 Beiträge)

    14.09.2014 18:15 Uhr
    Computespiele waren schon immer Kunst,
    vor allem in den Anfängen in denen Hobbyentwickler ständig neue Genres erschufen.
    Die jüngere Generation zu der ich zähle kann sich zum Glück an einem Fundus von freien Emulatoren bedienen um diese Perlen die tlw. vor der eigenen Geburt entwickelt wurden zu spielen.
    Zum Glück hat sich die Indie-Szene stark formiert denn was die Mayorlabels entwickeln ist meist nur Blendwerk,Hollywood is calling.

    "Hinter Dir,ein dreiköpfiger Affe !"
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  • unbekannt
    (343 Beiträge)

    15.09.2014 01:52 Uhr
    Lieber
    ein anständiger Flipper.

    Judge Dredd, Speak Easy, Black hole, Haunted house, T2, um nur ein paar zu nennen.
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