Karlsruhe Schlossfestspiel-Intendant Udo Schürmer: "Werde die freudigen Gesichter der Zuschauer vermissen!"

Es ist bei der diesjährigen Abschlusspressekonferenz der Ettlinger Schlossfestspiele durchaus zu spüren, dass die Chemie zwischen dem scheidenden Intendanten Udo Schürmer und Ettlingens OB Johannes Arnold nicht mehr die beste ist - man ist aber deutlich um Ausgleich bemüht.

Udo Schürmer geht! Nach zwölf Jahren im Dienst verabschiedet er sich nun aus Ettlingen. Das aber mit sehr zufriedenstellenden Zahlen - und einer positiven Bilanz: "Viele Schauspieler wollen trotz niedrigerer Gagen hier in Ettlingen spielen - die Schlossfestspiele sind was Besonderes", so Schürmer gegenüber ka-news, und weiter: "Wir haben eine familiäre Atmosphäre, trotzdem waren es auch zwölf harte und anstrengende Jahre!" Nach dieser Zeit mit Dauerstress freue er sich, auch mal Verantwortung abzugeben.

Auch Oberbürgermeister Johannes Arnold meldete sich final zu Wort: "Wir waren nicht immer der gleichen Meinung, haben aber auch gemeinsam einige Klippen umschifft. Insgesamt konnten wir in der Schürmer'schen Ära mehr als eine halbe Million Besucher verzeichnen - dafür meinen großen Dank!", sagt das Ettlinger Stadtoberhaupt bei der Verabschiedung des langjährigen Intendanten.

Schürmer mit einem der besten Ergebnisse seiner Amtszeit

Mit einem der besten Ergebnisse seiner Amtszeit verabschiedet sich Intendant Schürmer nach zwölf Jahren aus der Festspielstadt an der Alb. Eine Vertragsverlängerung hatte er angesichts der neuen Vertragsbedingungen der Stadt Ettlingen abgelehnt. ka-news hat die Chance der Demission Schürmers genutzt, um diesem einige Fragen zu stellen.

Was werden Sie an Ettlingen vermissen?

Die freudigen Gesichter der Zuschauer nach den Vorstellungen.

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit hier zurück? Was konnten Sie bewegen bei den Schlossfestspielen? Können Sie zufrieden hier aufhören oder hätten Sie etwas anders/besser machen können?

Die meisten Musicals, die ich hier umgesetzt habe, waren woanders großteils erfolglos oder in Vergessenheit geraten und wurden hier weltweit zum ersten Mal Open Air gezeigt. Auch die vielfach ausgefallene Auswahl der Titel an sich und ihre erfolgreiche Umsetzung haben uns nicht nur überregional, sondern auch international bekannt gemacht. So haben wir in den zwölf Jahren meiner Intendanz in Ettlingen Musical-Geschichte geschrieben.

Im Bereich Schauspiel war sicher nicht alles geglückt, wobei im Sprechtheater die Erwartungen und Geschmäcker sehr unterschiedlich sind. Allerdings waren uns durch die Budgetierung und der Besetzung hierbei immer auch Grenzen gesetzt.

Was macht das Ettlinger Publikum aus? "Sweeney Todd" kam ja beispielsweise nicht so gut an - ist das zu progressiv für eine "Rentner-Stadt" wie Ettlingen?

Da irren Sie gewaltig! Wenn man die Zuschauer nach dem Musical fragt, die ihnen am meisten gefallen oder den größten Eindruck hinterlassen haben, hört man vor allem "Sweeney Todd" und "Rent". Überrascht war ich allerdings selbst von der großen Resonanz - auch bei Älteren - zum Beispiel beim Musical "Rent". Nicht dem Mainstream hinterherzulaufen, schärft das eigene Profil, setzt Maßstäbe und macht sich letztendlich bezahlt.

Was muss sich in Zukunft tun, damit die Schlossfestspiele weiterhin attraktiv bleiben und auch für jüngeres Publikum anziehend sind?

Das sollten sich besser meine Nachfolgerin und die Stadt Ettlingen überlegen!

Machen Sie jetzt erstmal Urlaub oder wohin führt Sie Ihre nächste Station?

Als erstes steht natürlich ein Erholungsurlaub an, dann der Umzug weg von Karlsruhe und natürlich ein paar Gastregien.

Lachendes oder weinendes Auge: Wie schwer fällt Ihnen heute der Abschied, es ist ja immerhin die letzte Presskonferenz im schönen Ettlingen?

Der Abschied wird mir ja durch gewisse Umstände und Verhaltensweisen sehr leicht gemacht. Vielmehr berühren mich allabendliche Begegnungen bei den Vorstellungen mit Zuschauern, die sich bei mir für die zwölf Jahre und für meine Arbeit bedanken und mir alles Gute für die Zukunft wünschen. Da erfährt man eine ehrliche unverstellte Wertschätzung, die ich bislang in Ettlingen so nicht kennen gelernt hatte.

Rückkehr ausgeschlossen? Immerhin haben Sie lange Zeit die Schlossfestspiele geprägt ...

Was vorbei ist, ist vorbei! Ich blicke nach vorn!

Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin?

Einen professionellen Blick dafür, dass sie nun für das Niveau und den Erhalt der Festspiele verantwortlich ist, und was dafür zu tun ist!

Die Fragen stellte Anya Barros.

www.schlossfestspiele-ettlingen.de

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