Karlsruhe Premiere im Jakobus-Theater

Auszüge von William Shakespeares "Sommernachtstraum" sind Teil der Inszenierung und "Stück im Stück"
(Foto: pr)
Minutenlanger Applaus und begeisterte Reaktionen. Kann man sich einen besseren Start in eine neue Spielzeit wünschen? Das Premierenpublikum des für die Bühne neu inszenierten Stücks "Der Club der toten Dichter" im Karlsruher Jakobus-Theater war sich jedenfalls einig: Die Adaption des schon legendären Filmstoffes um den unkonventionellen Lehrer John Keating hat mit Bravour den Sprung auf die Bühnenbretter geschafft. Möglich geworden ist dies durch eine außerordentlich geglückte Ensemble-Leistung, die ausdrücklich auch die akzentuierende und erfrischende Inszenierung des Regisseurs Michael Hewel mit einschließt. Die minimalistisch wirkenden Bühnenbilder tun ihr Übriges, um dem Bühnenstück die Direktheit und Präsenz zu verleihen, die letztendlich zur großen Stärke der Inszenierung beitragen.

Es ist auf den ersten Eindruck ein buntes und überwiegend junges Ensemble, das sich dem Premierenbesucher präsentiert. Schnell wird jedoch klar, dass genau dieser Umstand die dargestellte "Kälte der Erwachsenenwelt" sehr deutlich zum Vorschein bringt. Die Schlüsselfigur und auch der Wendepunkt dieses Stücks, obgleich von Lutz Meyer zurückhaltend, charismatisch und mit Bedacht gespielt, ist eindeutig Literaturlehrer John Keating. Er weiht seine Schüler in die Lehren und Grundsätze des geheimen "Clubs der toten Dichter" ein, und lehrt sie, selbstständig zu handeln und vor allem zu denken. So wird aus einem geflüsterten "Carpe diem" schnell ein lautes und "barbarisches Johoo", gebremste Anarchie zieht ein und der titelgebende "Club der toten Dichter" erwacht zu neuem Leben.

"Mad World" als wiederkehrendes musikalisches Motiv

Sind es bis dahin doch eher die erwachsenen und auch dementsprechend autoritär gespielten Rollen - eindrucksvoll beispielsweise der Schulrektor Gale Nolan von Michael Obert -, so gewinnen die jungen Parts und demzufolge die jungen Schauspieler zunehmend und beeindruckend an Kontur. Anfängliche Nervositäten und "Kanten" sind spätestens in den intensiven Szenen der "Höhle" vergessen, manche Momente wie das zuerst solo begonnene und dann von allen gesungene "Mad World" sind schlicht ergreifend und einfach wunderschön.

Das von Tears for Fears im Original und von Michael Andrews neuerdings adaptierte musikalische Motiv wird im Laufe des Stücks immer wieder sinnbringend aufgegriffen und unterstützt eine der größten Stärken der Inszenierung. Wie Regisseur Hewel es schafft, die vordergründigen Nachteile des Raumes und der Technik zu einem Vorteil der Inszenierung zu nutzen, ja sozusagen aus vermeintlichen "Umbaupausen" emotionale Erlebnisse zu machen, das zeugt von Innovation und Klasse. Und nicht nur bei den elegant gelösten Übergängen wird offensichtlich, dass dem Stück eine detaillierte Vorbereitung und Auseinandersetzung vorangegangen sein muss. Eine These, die auch dadurch gestüzt wird, dass die Lyrik innerhalb des Stücks oft neueren Datums ist. Übrigens ein Umstand, der die Aktualität und Zeitlosigkeit der Lehren des Stoffes unterstreicht.

"Öffentliche Kunst, die ankommt"

Was weiter in Erinnerung bleibt, sind "klassische" Momente guter darstellerischer Leistungen. "Glutvolle" Szenen wie beim "Stück im Stück" - Shakespeares "Sommernachtstraum" - beweisen, dass beispielsweise gerade Andreas Zänker alias Neil Perry seinem Spiel schon viel Reife und Ausdruckskraft zu geben vermag. Hier versteht auch der Laie, warum es Momente solcher Intensität wohl nur im Theater zu erleben gibt. Natürlich liegt dies auch an der Nähe der Zuschauer zur Bühne des Jakobus-Theaters. Die direkte Konfrontation mit dem Spielgeschehen erzeugt beiderseitig emotionale Momente, an die sich jeder Augenzeuge noch länger erinnern wird.

"Wenn keiner wagt, zu denken und er selbst zu sein, dann wird diese Welt eine leere sein." Das Team des Jakobustheaters hat etwas gewagt, und feiert wahrlich einen kleinen Triumph, wenn man den Reaktionen der ersten Zuschauer glauben darf. Es ist vor allem "Kunst von Menschen für Menschen", wie es Regisseur Michael Hewel final ausdrückte. Interessierten kann am Ende nur noch den wohlgemeinten Rat gegeben werden: "Carpe diem" (Nutze den Tag) und geh´ ins Jakobus-Theater.

Das Stück "Der Club der toten Dichter" läuft noch bis einschließlich 27. November in den Räumen des Jakobustheaters in der "Fabrik" in der Kaiserallee 11. Wer mehr und Näheres wissen wil, kann bei ka-news mehr lesenoder im Internet unter der unten genannten Adresse informieren.

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