Karlsruhe Neuer Geschäftsführer Stanehl: "Kunsthalle steht vor großen Aufgaben!"

Philipp Stanehl ist relativ neu in der Stadt - und hat als neuer Kaufmännischer Geschäftsführer der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe vor sich. ka-news-Kulturredakteur Toby Frei hat mit Stanehl zum "Amtsantritt" gesprochen.

Philipp Stanehl wurde von einer Findungskomission zum Nachfolger des scheidenden Otmar Böhmer bestimmt, und der neue Kaufmännische Leiter gibt sich hochmotiviert.

Warum haben Sie sich beruflich für die Kunsthalle entschieden?

Als ausgebildeter Bankkaufmann studierte ich in Münster Betriebswirtschaftslehre und in Bremen Kulturmanagement. Mit diesem fachlichen Hintergrund suchte ich meinen Wirkungsbereich von Beginn an meiner Berufstätigkeit dort, wo auch meine Leidenschaft liegt: im Kulturbetrieb. Ich sammelte Berufserfahrung unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin sowie in der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf und war in einer Unternehmensberatung insbesondere für Projekte in Museen und der öffentlichen Verwaltung tätig.

Bis zu meinem Wechsel nach Karlsruhe habe ich als Stiftungsvorstand in der Künstlerkolonie Worpswede das denkmalgeschützte Hoetger-Ensemble mit dem Museum Große Kunstschau betreut. Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe gehört mit ihrer hochrangigen Sammlung und einer erstklassigen Ausstellungs- und Veranstaltungstätigkeit zu den großen Kunstmuseen in Deutschland. Gleichzeitig steht die Kunsthalle vor großen Zukunftsaufgaben im Bereich der Digitalisierung und vor allem der baulichen Sanierung und Erweiterung. Ich bin sehr stolz darauf, künftig meinen Beitrag zum Erfolg dieser renommierten Institution leisten zu dürfen.

Was sind Ihre kurzfristigen/langfristigen Ziele?

Kurzfristig stehen bei mir unter anderem der Aufbau und die Erweiterung meines beruflichen Netzwerkes in der Region im Fokus. Dazu gehört auch das Kennenlernen der lokalen Akteure in Wirtschaft, Verwaltung und Politik sowie der Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Landesmuseen. Langfristig hat das Museum große Zukunftsaufgaben vor sich: Hier ist vor allem die komplexe Aufgabe der baulichen Sanierung und Erweiterung zu nennen, die zeitnah voranzutreiben ist.

Darüber hinaus begreife ich die Digitalisierung als Chance, den Wirkungsbereich des musealen Angebotes sinnvoll zu erweitern. Mein Anliegen ist es auch, neue Partner für die Kunsthalle zu gewinnen und ihre finanziellen Spielräume zu vergrößern. Ich freue mich darauf, die vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben mit Elan und Unternehmergeist anzugehen und gemeinsam mit der Direktorin Pia Müller-Tamm und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe in die Zukunft zu führen.

Warum ist die Sanierung beziehungsweise Erweiterung der Kunsthalle von so eminenter Bedeutung für die Zukunft der Institution?

Die Liste der baulichen Defizite der Kunsthalle ist lang. Die räumliche Zergliederung erschwert die Arbeitsprozesse erheblich und wird auch von unseren Besuchern als verwirrend erlebt. Im Raumprogramm fehlt ein adäquater Wechselausstellungsraum, die Qualität der Präsentation unserer Sammlung ist extrem unterschiedlich, die Besucher haben Probleme mit der Orientierung im Hauptgebäude, die Zugänge für Menschen mit Beeinträchtigungen und die Anlieferung für Kunst sind suboptimal, die Büro- oder Depotflächen sind viel zu klein.

Der aktuell laufende Architektenwettbewerb, der im März 2018 entschieden wird, sieht einen Realisierungsteil für die Ertüchtigung des Bestandsgebäudes vor und einen Ideenteil für die Erweiterung auf das Areal des heutigen Amtsgerichts. Die räumliche Konzentration anstelle der heutigen Zergliederung ist Voraussetzung, um die Kunsthalle funktional und operativ, aber vor allem auch ästhetisch-architektonisch in die Zukunft zu führen. Wichtige Funktionen werden erst mit der Realisierung des zweiten Bauabschnitts – also in späterer Zukunft – adäquat untergebracht sein. Die Kunsthalle hat daher noch eine lange Strecke vor sich. Mit dem jetzt beginnenden Wettbewerb werden die Weichen gestellt. Er wird darüber entscheiden, ob wir die Potentiale der Kunsthalle erschließen und einen herausragenden Ort für die Kunst und für ihre Betrachter schaffen.

Wo sehen Sie die Kunsthalle im (inter)nationalen Vergleich?

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zählt zu den großen und traditionsreichen Museen in Deutschland. Die Kunsthalle wurde 1846 eröffnet und ist damit eines der wenigen, in großen Teilen ihrer alten Substanz und Ausstattung, original erhaltenen Kunstmuseen. Im Hauptgebäude und in der Orangerie sind 800 Werke vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart ständig zu sehen. Die Junge Kunsthalle präsentiert wechselnde Ausstellungen speziell für Kinder und Jugendliche.

Zeichnungen und Druckgrafiken aller Epochen verwahrt das Kupferstichkabinett, das mehr als 90.000 Werke beherbergt. Es gehört zu den ältesten in Europa. Im Zentrum unserer Museumsarbeit stehen die Bewahrung des Vermächtnisses aus sieben Jahrhunderten der europäischen Kunstgeschichte, aber auch der aktuelle Dialog mit der Sammlung und deren qualitätvolle Erweiterung. Die Kunsthalle bietet mit annähernd 100.000 Werken eine umfassende Sammlung auf europäischem Hochniveau, aber auch mit einer starken regionalen Verankerung.

Welche Kunst(richtung) fasziniert Sie persönlich?

Ich begeistere mich für künstlerische Positionen, die mich emotional berühren und intellektuell zur Reflexion anregen. Ich bin immer wieder beeindruckt, welche Wirkung von den starken Positionen der Kunstgeschichte für mich ausgehen kann. Die hochkarätige Sammlung der Kunsthalle bietet mir zahlreiche Möglichkeiten, mich zum Beispiel von Dürer, Rembrandt und Cézanne faszinieren zu lassen.

Darüber hinaus verfolge ich aber mit großem Interesse zeitgenössische Positionen in Kunstvereinen und Galerien, sowie nach Möglichkeit auch im direkten Dialog in den Kunstakademien. Insbesondere das künstlerische Werk der Düsseldorfer Fotoschule verfolge ich mit großem Interesse. So freut es mich besonders, dass sich auch zwei auf die Kunsthalle bezugnehmende Werke der Fotokünstlerin Candida Höfer in der Sammlung befinden.

www.kunsthalle-karlsruhe.de

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