Karlsruhe Neue Ära im Kammertheater: Gastspiele von Emil und Richy Müller

Ein junger, dynamischer Typ ist Bernd Gnann, der zwölf Jahre lang auf der Bühne und im Fernsehen als Schauspieler aktiv war. Und genau so frisch soll auch die neue Ära werden, die er 53 Jahre nach Gründung des Kammertheaters durch Wolfgang Reinsch mit der nächsten Spielzeit und berühmten Gästen einläutet.

Das Kammertheater war stets ein Boulevardtheater, in dem vor allem viel gescherzt und gelacht wurde. Weder das Lachen noch das Scherzen sollen künftig ausbleiben; doch ist es Gnanns Vision, ein neues, modernes Volkstheater zu gründen und auch der Ernsthaftigkeit ihren Raum zu lassen. Dabei hat der Spielplan für das nächste Jahr so einige Highlights zu bieten.

Ernst wird ersteinmal Nebensache sein, wenn Emil Steinberger mit seiner kabarettistischen Lesung "Drei Engel!" die Bühne zur Eröffnung der Spielzeit betritt. In 100 Minuten 200 Mal lachen - über Geschichten aus dem Leben und seinen zwei Büchern. Anschließend wird die erste Eigenproduktion gleich eine Schauspielgröße nach Karlsruhe holen: Richy Müller übernimmt in Edmond Rostands tragischer Romanze "Cyrano de Bergerac" die Hauptrolle. "Erotisch" wird es dann beim nächsten Stück; zumindest hoffen das die vier Herren, die sich dem Motto "ganz oder gar nicht" folgend, an die Damenwelt wenden. "Nur für Frauen" heißt die Produktion und ganz dem Namen gerecht, müssen die Herren bei diesen Vorstellungen draußen bleiben. Ralf Bauers Literatur Abend "Bauer In Love" ist nicht nur etwas für Frauen, obwohl man das bei dem "Gegen den Wind" Schönling meinen könnte. Er präsentiert Größen aus Literatur und Dichtung auf seine eigene Weise mit einer Kombination aus Leidenschaft, Heiterkeit und Musik.

"Wilder Westen" und "Tapetenwechsel"

Selbst ist der Mann, dachte sich der neue Intendant und wird bei seinem Heinz-Erhardt-Abend "Die Made" mit ausgefallenen Ideen die Lachmuskeln strapazieren. Dabei wird Gnann mit musikalischer Untermalung Geschichten aus seinem Leben und der Heimat Oberschwaben erzählen. Mit Musik soll es auch weitergehen. Immer neue Gäste werden beim allmonatlichen "Edo Zanki präsentiert..." überraschen und die Mannes Sangesmannen, die nicht nur einen merkwürdigen Namen haben, sondern als A-capella-Mundartistik Gruppe mit oberschwäbischen Geschichten diesem auch alle Ehre machen, sorgen für beste Unterhaltung. "Tapetenwechsel", eine Hommage an Hildegard Knef, wird Die Fendel mit rauchiger Stimme und scharfer Zunge im Frühjahr für das Karlsruher Publikum zum Besten geben. Corinna Harfouch "kommt mit was" und wird mit diesem und einem weiteren Programm das Kammertheater bespielen.

Bis jetzt waren Kinder im Kammertheater nur wenig gesehen. Das muss geändert werden, meint der Intendant und heraus kam "Buffalo Bill - ein Stück Karlsruhe" und "Südstadtindianer, ein Karlsruher Kinderstück". Beide handeln davon, wie drei Jugendliche versuchen, dem in Karlsruhe festsitzenden Wild-West-Star Buffalo Bill einen Zug nach Mannheim zu besorgen. Das eine soll Erwachsene, das andere Kinder locken.

Flexibel soll der neue Spielplan sein, deswegen wird auch nur noch zwei bis drei Wochen dasselbe Stück gespielt; hat es Erfolg, wird es später erneut aufgenommen, bleiben die roten Sitze im Theater leer, wird es aus dem Programm gestrichen. Gnann möchte ein neues Publikum ansprechen, ohne das alte zu verlieren. Nicht nur die neue Stückauswahl soll dazu beitragen, sondern auch die "Marktlücke", ein Kultur-Restaurant, in dem Künstler aus Baden neuartige Programme ausprobieren dürfen (siehe auch: "Theaterkleinkunst in der Krone"). Was die Gäste in "Marktlücke" und Kammertheater erwarten wird und ob Bernd Gnann seine Ziele verwirklichen kann, wird die seine erste Spielzeit zeigen. Eine spannende und überraschende wird es allemal.

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