Karlsruhe Musikbühne steht fast "Fest"

Marcus Wiebusch und Band kehren wieder (Foto: pr)
Sie pfiffen es schon des Längeren von den Dächern, und mit den Spatzen haben's die fünf Hamburger ohnehin: Kettcar beehren "Das Fest" 2006, welches dieses Jahr vom 28. bis 30. Juli in der Günther-Klotz-Anlage steigen wird.

Auch jene Formation, die einen Terminus aus der Zeit des englischen Bürgerkriegs für ihren Bandnamen auserkoren hat - die 80er-Heroen New Model Army - und Ex-Skunk Anansie-Sängerin Skin alias Deborah Dyer wurden schon heiß gehandelt, bevor "Fest"-Organisator Rolf Fluhrer den Spekulationen am heutigen Mittwoch seinen offiziellen Segen gab.

"Rückkehr zu einem gesunden Altersdurchschnitt"

Das britische Breakbeat-Soul-Trio Kosheen (Samstag) und die vor wenigen Wochen noch im vollen Tollhaus feiernden Berliner von Culcha Candela (Sonntag) sind die übrigen renommierten Namen; als lokale Größen spielten sich Yakuzi und die "New.Bands.Festival"-Teilnehmer Creature und -Gewinner Damnasty (ka-news berichtete) ins Programm. Ein besonderes "Fest"-Comeback feiert derweil eine Band, die bereits bei der ersten Auflage 1985 dabei war: Moritz nehmen sonntags den Platz der Jazzer nach dem "Klassikfrühstück" mit Georg Friedrich Händels "Feuerwerksmusik" ein.

Ausdrucksvoll in Blick und Stimme: Sängerin Skin alias Deborah Dyer (Foto: pr)

Es ist eine einfache Formel: Wer einmal auf der "Fest"-Bühne stand, kommt nur zu gerne wieder. Ihr exzellenter Ruf eilt den Veranstaltern längst voraus; und man könnte unken, das Hauptbühnen-Programm buchte sich in Teilen fast wie von selbst: So ließen Justin Sullivan und seine New Model Army (bereits 1998 auf dem "Fest" zu Gast) "eigens via Agentur anfragen", freut sich Fluhrer und es war auch "Kettcars ausdrücklicher Wunsch bei uns zu sein".

Gelobt sei, was hart ist. Und voll macht.

Über die am "Fest"-Freitag spielende Band von Marcus Wiebusch ist eigentlich alles gesagt (ka-news berichtete). Keiner wollte sie produzieren, also machen sie's selbst, gründen das Label Grand Hotel van Cleef und fertig ist die schöne Mär von den fünf verkannten Musikern, die es gegen alle Widrigkeiten des Business geschafft haben. Zwei Alben später ist man Supergroup des German Indie-Rock oder besser (schließlich singt man deutsch): Kettcar sind das Ding der Stunde! Dennoch dürften sie wie die beiden anderen Top-Acts New Model Army (Freitags-Headliner) und Skin (Sonntags-Headliner) dafür Sorge tragen, dass Fluhrer und seinem Team nach der vielzitierten Teenie-Invasion im vergangenen Jahr mit Juli (ka-news berichtete) und Silbermond (ka-news berichtete) "die Rückkehr zu einem gesunden Altersdurchschnitt" gelingt.

Justin Sullivan und seine New Model Army haben ihren "Fest"-Gig von 1998 offensichtlich noch in allerbester Erinnerung (Foto: pr)

Denn der ist in der Tat gesünder; fürs "Fest" und für seine Besucher: Viele grundsätzlich Interessierte zeigten der "Klotze" ob des "jungen Programms" 2005 die kalte Schulter. Das Ausbleiben der zahlungskräftigen Generationen machte sich zwangsläufig am konsumierten Getränk bemerkbar. Denn der geneigte Pennäler-Pop-Freund labt sich statt an schnödem Bier altersgerecht lieber an zuckersüßen Alkopops. Gelobt sei, was hart ist. Und voll macht. Das sehen die Veranstalter des Stadtjugendausschusses um ihren Vorsitzenden Christian Klinger mit Verweis auf die Zielgruppe nicht gerne und halten derartiges Getränk vehement vom Gelände fern. Doch obwohl man in der Vergangenheit willigen Sponsoren wie Jägermeister eine 30.000 Euro-Absage erteilt hat, ist das Schlupfloch im System längst bekannt.

"Fest"-Bier kommt künftig aus der Burg

Und die Auswirkungen ebenso: Draußen eindecken, zudröhnen, reingehen, umfallen. "Diesem Elend werden wir nicht mehr länger tatenlos zusehen", so Fluhrer. Dafür sollen nun Jugendschutzteams sorgen, die sich unterstützt von Rotem Kreuz und Polizei der Komasäufer annehmen. Sofern sich jene im anstehenden Sommer ihren Rausch innerhalb des Festivalgeländes angeeignet haben, rührt er allerdings nicht länger vom über die Jahre liebgewonnenen Wolf-Gebräu, sondern fortan vom "Fest"-Bier Marke Hoepfner.

Kosheen-Frontfrau Sians Gesang verschmilzt mit den dunklen Elektro-Sounds
vonDarren Decoder und Markee Substance (Foto: pr)

"Die Brauerei Wolf ist nach langjähriger Partnerschaft auf eigenen Wunsch ausgestiegen", so die Formulierung der Veranstalter. Die ganze Wahrheit ist das sicher nicht, denn die von Jahr zu Jahr gestiegenen Logistikanforderungen konnten von der Karlsruher Traditionsbrauerei teilweise nurmehr unzureichend erfüllt werden; immer wieder ging hie und da das Radler aus, der Nachschub ließ (viel zu lange) auf sich warten. Einen weiteren Grund nennt Fluhrer selbst: "Mit dem Ausstieg von Wolfbräu-Geschäftsführer Ulrich Schultz im November 2005 haben wir natürlich auch ein Stück persönliche Bindung zum Unternehmen verloren." In der sich anschließenden "badenweiten Ausschreibung" unterbreitete die Brauerei Hoepfner "schlicht das beste Angebot"; ein Fünf-Jahres-Vertrag ist in Planung.

Das Defizit ist ausgeglichen

Gesundschrumpfen lautet indessen weiterhin das "Fest"-Credo (ka-news berichtete). Das Budget hat sich bei 984.000 Euro eingependelt und liegt damit wie im Vorjahr wieder unterhalb der Millionengrenze; wobei die Hauptbühne 110.000 und die sonstigen Programmpunkte 40.000 Euro verbuchen werden. Bleibt noch der bange Blick aufs über mehrere Jahre angehäufte Defizit in Höhe von 225.000 Euro. Aufatmen! Das "Umsonst-und-Draußen"-Event ist Stadtverwaltung sei Dank mit einem Schlag von seiner Schuldenlast befreit und kann sich weiterhin über Verzehr und Sponsoren - allen voran der dm-Drogeriemarkt von Vordenker Götz W. Werner (ka-news berichtete) - finanzieren. Denn "die Stadt Karlsruhe steht zu ihrem 'Fest'", wie Bürgermeister Harald Denecken betont und damit erübrigen sich fürs erste auch die Überlegungen, das "Fest"-Konzept grundlegend zu ändern (ka-news berichtete).

Die Musik der Multi-Kulti-Crew Culcha Candela ist wie gemacht für den Hügel (Foto: pr)

Noch besser gesichert als das Festival als solches sollen beim "Fest" 2006 die Besucher sein: Neben den bereits erwähnten Jugendschutzteams gehört ein neuer Haupteingang unter der Straßenbahnbrücke entlang der Alb, zusätzliche Beleuchtung des Geländes und der vermehrte Einsatz von Securitys zum überarbeiteten Sicherheitskonzept. Vornehmlich das Umfeld der vakanten DJ- und Zeltbühne soll damit entschärft werden.

Am Rest vom "Fest"-(programm) wird noch eifrig gearbeitet

Auch um den "endlosen Spekulationen Einhalt zu gebieten", haben sich die "Fest"-Macher entschlossen, zumindest die Künstler der Hautbühne schon früher als gewohnt öffentlich zu machen, während am Rest vom "Fest"-(programm) noch eifrig gearbeitet wird. Ein großes Fragezeichen jedoch bleibt bestehen: Den Samstags-Headliner darf Rolf Fluhrer "aufgrund vertraglicher Vereinbarungen" erst Ende Juni bekannt geben. Einerlei. Kettcar lauschen, Hoepfner schlürfen - jetzt schon ein echt hübsches Ding, diese Musikbühne im Sommer 2006!

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