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Karlsruhe Museumsbesucher zu Nutzern machen: Badisches Landesmuseum will 2019 neue Wege gehen

Das (programmatische) Pensum ist enorm, welches sich das Badische Landesmuseum fürs Jahr 2019 auferlegt hat. Man geht voran, denkt progressiv, und zwar in vielerlei Hinsicht.

Die Digitalisierung durchdringt unsere Lebens- und Arbeitswelten und verbindet die globale Gesellschaft in sich stetig entwickelnder Weise. Aus Forschung und Unterricht sind IT-Technologien einschließlich der Digitalisierung nicht mehr wegzudenken. Auch die allgemeine Öffentlichkeit verlangt nach Antworten auf historische, kulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen. International besteht ein großer Bedarf,
das historisch-kulturelle Erbe digital verfügbar zu haben.

Derzeit werden weltweit Wege und Mittel erprobt, um diesem Informationsbedarf gerecht zu werden und zur digitalen Sicherung von Kulturschätzen beizutragen, die in ihrem Bestand gefährdet sind. Die Digitalisierung ermöglicht die Reflexion über Vergangenes und regt die Bewusstseinsschaffung für Gegenwart und Zukunft an. Das Badische Landesmuseum (BLM) versteht sich als Teil der internationalen Gemeinschaft zur digitalen Verbreitung des kulturellen Erbes.

"Museumsbesucher zu Nutzern machen"

Mit dem revolutionären Museumskonzept "Museumsbesucher zu Nutzern machen" setzt sich das BLM das Ziel, mit den Museumsbesuchern eine digitale Gemeinschaft einzugehen. Ähnlich wie in einer Bibliothek oder einem Archiv sollen Nutzer den Zugang zu allen Sammlungsobjekten erhalten und zukünftig aktiv an den neuen Projekten mitwirken.

Landesmuseumsdirektor Eckart Köhne bei der Vorstellung der digitalen Strategie der Institution
Landesmuseumsdirektor Eckart Köhne bei der Vorstellung der digitalen Strategie der Institution | Bild: Eric Reiff

Den Anfang macht das Badische Landesmuseum zunächst mit dem partizipativ ausgerichteten Projekt "Creative Collections" und schließlich mit der Eröffnung der neu eingerichteten Sammlungsausstellung "Archäologie in Baden" im Juli diesen Jahres. Das Projekt "Creative Collections" will die mögliche Nutzung digital vorhandener Informationen und Daten ausloten, um Bürgern neue Zugänge zu den vorhandenen Sammlungen zu bieten.

Erstmals direkter Zugang zu Objekten

Im Pilotprojekt "Archäologie in Baden" wird den Nutzern erstmals der direkte Zugang zu den Objekten ermöglicht. An die Stelle der herkömmlichen Eintrittskarte tritt ein Nutzerausweis. Mit diesem können die Nutzer die einzelnen Sammlungsobjekte, deren Geschichte und Zusammenhänge erforschen - auch im Web.

Die im Pilotprojekt erfolgreich erprobten und als tauglich erwiesenen Erkenntnisse werden dann sukzessive im Rahmen des neuen Museumskonzeptes auf die anderen Ausstellungsbereiche übertragen. Zukünftig sollen die Funktionen des Nutzerausweises auf das gesamte Angebot im Badischen Landesmuseum ausgeweitet werden.

Flächendeckendes WLAN im Ausstellungsbereich

Unentbehrlich für all dies ist eine neue ganzheitliche IT-Systemlandschaft, sowohl hardware- als auch softwareseitig. Die Bereitstellung eines hochleistungsfähigen flächendeckenden WLANs im gesamten Ausstellungsbereich wurde bereits im vergangenen Jahr erfolgreich umgesetzt.

Mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und gemeinsam mit dem Bibliotheksservicezentrum entwickelt das Badische Landesmuseum als Modellprojekt eine neue Datenbank. Diese ermöglicht, Objektdatensätze des internen Objektmanagementsystems für digitale Anwendungen zu öffnen, sowohl für die Besucher in den Ausstellungen als auch im Internet. Derzeit zählt die stetig wachsende Objektdatenbank bereits über 181.400 Objekt- und 276.900 Bilddatensätze. Hinzu kommen im Laufe des Jahres weitere Daten, insbesondere hochauflösende 3D-Digitalisate.

Roboterarm und Drehteller zur Verfügung

Speziell hierfür wird in der neuen Sammlungsausstellung "Archäologie in Baden – Expothek" eine intuitiv bedienbare und leicht verständliche 3D-Digitalisierungsstation mit Roboterarm und Drehteller zur Verfügung stehen. Diese wurde von der Abteilung Digitalisierung von Kulturerbe vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD erstellt. Die entstandenen Digitalisate sollen vor Ort abrufbar sein und werden darüber hinaus auch direkt in die Objektdatenbank des Museums eingespeist.

Damit können die Daten von weiteren Portalen genutzt werden, zum Beispiel dem öffentlichen Digitalen Katalog auf der neu gestalteten Museums-Website, der Deutschen Digitalen Bibliothek, Europeana oder Nutzerplattformen wie Sketchfab. Die Station ist in ihrer Umsetzung so konzipiert, dass interessierte Bürger sowie Wissenschaftler nach kurzer Einarbeitung gemeinsam im Museumsbetrieb Originalexponate scannen können.

Einführung eines Nutzerausweises

Parallel zur Einführung des Nutzerausweises wird das bisher vorhandene Kassen- und Warenwirtschaftssystem durch ein modernes allumfassendes Besuchermanagementsystem ersetzt. Um redundante Daten zu vermeiden und Synergieeffekte zu schaffen, finden sämtliche Prozesse zukünftig in  
einem System statt.

Durch das Programmieren von neuen Schnittstellen, sowohl zu den digitalen Anwendungen in der Ausstellung und der neu gestalteten Website als auch zur internen Buchhaltung in der Verwaltung entfällt die zeitintensive manuelle Übertragung von Daten. Beispielsweise besteht durch die Einführung eines Kulturvermittlungsmoduls die Möglichkeit, über einen auf der Website integrierten Kalender direkt von zu Hause Führungen zu buchen oder sich für Veranstaltungen anzumelden. In einem umfangreichen Onlineshop werden Tickets respektive der Nutzerausweis für die Ausstellung angeboten.

Gesamtes Kollegium wird geschult und weitergebildet

Die Umsetzung der Digitalen Strategie ist nicht Aufgabe eines einzelnen Referates im Badischen Landesmuseum - die Ziele werden nur durch die Aktivität und die Entwicklung digitaler Fähigkeiten in der gesamten Organisation erreicht. Entsprechend werden alle Referate und Projekte in die Digitale Strategie des Hauses eingebunden.

Das gesamte Kollegium wird in seiner digitalen Kompetenz geschult und permanent weitergebildet. Mit diesem digitalen Transformationsprozess leistet das Badische Landesmuseum einen Beitrag zur Entwicklung neuer Führungsstrukturen, nutzt nachhaltig bestehende Ressourcen und macht seine Mitarbeiter im Hause fit für die Zukunft.

Mehr zum Thema

Das Ausstellungsprogramm im BLM gibt es hier: Virtuelle Zeitreise, Archäologie in Baden und Kaiser und Sultan: Das gibt es 2019 im Badischen Landesmuseum zu sehen

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Kommentare (2)
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  •   likeka
    (431 Beiträge)

    16.02.2019 15:09 Uhr
    Sehr gute Sache!
    Es freut mich, dass man im BLM innovativ nach vorne geht, um möglichst viele Menschen zu erreichen und mehr "Schätze" aus seiner Sammlung zugänglich zu machen!
    Vielleicht macht das BLM (und weitere Karlsruher Institutionen) ja in Zukunft in der neuen digitalen Kunsthalle des ZDF mit.
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  •   malerdoerfler
    (5090 Beiträge)

    16.02.2019 14:51 Uhr
    Innovativ
    revolutionär - unser BLM.
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