Karlsruhe Kunsthalle Karlsruhe: "Degas - Klassik und Experiment"

Unter dem Titel "Degas - Klassik und Experiment" sind vom 8. November 2014 bis 1. Februar 2015 internationale und besonders wertvolle Exponate aus dem Schaffen des großen französischen Künstlers in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen.

Die Idee, einen Künstler zu zeigen, der scheinbar untrennbar mit dem Impressionismus verbunden zu sein scheint, ist den sieben Arbeiten Degas' zu verdanken, die in der Karlsruher Sammlung vertreten sind. "Wir haben in unserer Sammlung ein breit gefächertes Spektrum seiner Kunst", so die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Junior-Kuratorin Sonja Krämer.  Mit ihrer Doktorarbeit setzt sie sich mit dem Schaffen und Wirken von Edgar Degas (1834-1917) auseinander und konzipiert gemeinsam mit Dr. Alexander Eiling, Kurator der Sammlung Moderne 19. bis 21. Jahrhundert, die Ausstellung.

Ihre Freude über das erste wichtige Werk des Künstlers, das vor wenigen Tagen in der Kunsthalle eingetroffen ist, kann sie nicht verleugnen. "Die Gesangsprobe´ zählt zu einem der wichtigsten Werke in unserer Ausstellung. Es ist ein Teil der Geschichte, die wir in unserer Präsentation erzählen, um unser Konzept zu verdeutlichen." Die Kunsthistorikerin, die eben noch gemeinsam mit Dr. Nina Trauth, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kunsthalle, das Gemälde sicher im Depot verstaut hat, berichtet mit leuchtenden Augen über die Idee der Ausstellung, die mit "Klassik und Experiment" genauer umschrieben ist.

Die Ausstellung ist Edgar Degas gewidmet, der über sechzig Jahre lang ein vielfältiges Spektrum an Werken geschaffen hat, die weit mehr als seine populär gewordenen Werke umfassen. "Klassik und Experiment" zeigt einen Künstler zwischen Tradition und Moderne, der als "Erbe der alten Meister" tituliert und dessen Arbeitsweise als "hochexperimentell und innovativ" beschrieben wird.

Die "Gesangsprobe" - das erste Exponat ist da!

Mit der "Gesangsprobe" hat die Kunsthalle ein wertvolles Bild aus Dumbarton Oaks, Washington, D.C. erhalten, das 1872/73 entstanden ist. Um das gesamte Werk des Künstlers zu verstehen, ist das Bild für Sonja Krämer ein Paradebeispiel im Schaffensprozess des Malers der sich Zeit seines Lebens an historischen Vorbildern orientierte. "Hier ist nicht nur eine Genreszene dargestellt bei der zwei Damen ein Duett proben," so Krämer, die den Bildaufbau in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen rückt. "Die zeitgenössische Genreszene die sich im Salon abspielt hält an einem klassischen Bildaufbau fest und lässt neben den beiden Protagonisten den Pianisten nur schemenhaft am rechten Bildrand sehen."  Degas, der eine klassische akademische Ausbildung in Paris genossen hat, ist von den alten Meistern fasziniert. Sein Malstil richtet er an der Historienmalerei aus, besucht Künstler und Freunde auf seiner drei Jahre andauernden Italienreise in Neapel, Florenz und Rom.

Das Kopieren der alten Meister, der Vorbilder, gehört zur essentiellen Ausbildung eines Künstlers - und Degas macht zeit seines Lebens Gebrauch davon. "In seinen Skizzenbüchern hält er Posen antiker Vorbilder fest, die  dann immer wieder zum Einsatz kommen." Krämer zeigt auf die spannungsgeladene, frei von der Erzählung gebliebenen Bildmitte bei der "Gesangsstunde" und erläutert: "Degas baut zwei Pole auf, die zueinander in Beziehung stehen. Ein klassischer Bildaufbau, aber das Motiv ist modern." Der Künstler, der zeitlebens  enormen Respekt vor der Traditionsmalerei hatte, hat diesen Bildaufbau bereits zehn Jahre zuvor bei "Alexander und Bucephalus" verwendet.

Während er bei seinem frühen Werk die Geschichte von Alexander dem Großen als Prinz von Makedonien erzählt, wandelt sich sein Stil in der Darstellung der Personen und Begebenheiten hin zur Moderne. Mit seiner Darstellungsweise bleibt er aber antiken Vorbildern verbunden. In der Ausstellung hängen diese beiden Gemälde nebeneinander, um den Facettenreichtum des Künstlers zu zeigen, der "als avantgardistisch-impressionistischer Maler, scheinbar mit der Tradition bricht und in den 1870er Jahren mit den Impressionisten ausstellt."

Erstmals in Deutschland werden die Besucher die Möglichkeit erhalten, die nach klassischem Vorbild komponierten Historienbilder und Portraits seines Frühwerks mit den bekannten zeitgenössischen Darstellungen von Oper, Ballett und Pferderennen zu vergleichen. Die Hängung präsentiert in 10 Themenräumen über 130 Werke seines Schaffens, bei dem es auch vorkommen konnte, dass "er bereits verkaufte Bilder wieder von den Eigentümern zurückforderte, um diese noch einmal zu überarbeiten." Der Perfektionismus, der dahinter steht, hat sich auf das Ausstellungsprojekt übertragen, das einen Audioguide  auf Deutsch und Französisch mit der Stimme von Roger Willemsen anbietet und darüber hinaus weitere Themenführungen für kleine und große Besucher anpreist.

Weitere und umfassende Informationen gibt es unter www.kunsthalle-karlsruhe.de.

Termin: 8. November 2014 bis 1. Februar 2015, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe

www.kunsthalle-karlsruhe.de

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.