Karlsruhe Kunsthalle Karlsruhe: Dank Cézanne erfolgreiches Ausstellungsjahr 2017!

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe blickt auf ein äußerst erfolgreiches Ausstellungsjahr 2017 zurück: 140.378 Gäste konnten im zurückliegenden Jahr begrüßt werden! ka-news blickt kurz zurück und dann programmatisch ausführlich nach vorne.

Zu diesem großen Erfolg hat die aktuelle Ausstellung "Cézanne. Metamorphosen", die noch bis zum 11. Februar zu sehen ist, wesentlich beigetragen. 85.717 Menschen haben bisher die Schau besucht, davon wurden 59.228 im Jahr 2017 gezählt.

Der Ausstellungserfolg kam über die Kunsthalle wie "ein Tsunami", so Kunsthallen-Direktorin Pia Müller-Tamm, "die Schau überzeugt wohl ihre Besucher!" Um dem anhaltenden Interesse gerecht zu werden, verlängert die Kunsthalle in der letzten Ausstellungswoche am 8., 9. und 10. Februar die Öffnungszeiten bis 21 Uhr. An diesen Tagen besteht die Möglichkeit, jeweils um 19 Uhr an zusätzlichen öffentlichen Führungen teilzunehmen.

Das Team der Kunsthalle Karlsruhe beim Pressefrühstück
Das Team der Kunsthalle Karlsruhe beim Pressefrühstück | Bild: tfr

Auf die Frage, ob man für den Ansturm gewappnet gewesen sei, verwies Müller-Tamm auf die Erfahrung, die man über die Jahre bereits gesammelt habe, man "lerne aber immer weiter dazu". Auch personell habe man nachgelegt, die Zahl der Überstunden solle nach der Cézanne-Ausstellung aber deutlich weniger werden.

Sean-Scully-Schau: 130 Werke in Kunsthalle

Ab 24. März präsentiert die Institution einen der international bedeutendsten Künstler der Gegenwart: Sean Scully. Der 1945 in Dublin geborene und in London aufgewachsene Maler interpretiert die Abstraktion neu: Er geht weit über eine rein formale Auseinandersetzung mit Farbe, Form, Fläche und Licht hinaus. Seine Werke sind nicht losgelöst von seinem philosophischen Nachdenken über Kunst, Gesellschaft, Ethik, Metaphysisches und die Natur des Menschen denkbar.

Mit rund 130 Werken gibt die Schau "Sean Scully. Vita Duplex" einen umfassenden Einblick in das bildnerische Werk des Künstlers und dessen Gedankenwelt. Der Titel "Vita Duplex" verweist dabei auf das Grundmotiv der Spaltung oder Dualität, der Spannung zwischen Polen, aus der für Scully künstlerisches Schaffen resultiert: Gefühl und Intellekt, Geschichte und Gegenwart, Hell und Dunkel, Ordnung und Störung liegen miteinander in einem produktiven Widerstreit, aus dem die Werke hervorgehen.

Sean Scully, Vita Duplex, 1993
Sean Scully, Vita Duplex, 1993 | Bild: Sean Scully, Courtesy of the artist

In Europa geboren und aufgewachsen, siedelte Scully in den 1970er-Jahren in die USA über und erhielt 1983 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sein Schaffen vermittelt zwischen den künstlerischen Errungenschaften der Alten und der Neuen Welt: Seine tiefe Verbundenheit zur europäischen Malereitradition und sein Geschichtsbewusstsein verbinden sich mit der intensiven Auseinandersetzung mit Abstraktem Expressionismus, Action Painting und Minimalismus.

In neun Räumen zeigt die Kunsthalle Gemälde, Aquarelle, Pastelle, Zeichnungen, Lithographien und ausgewählte Fotografien von den 1960er-Jahren bis heute. Die Ausstellung ist bis 5. August zu sehen und wird in Kooperation mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster realisiert. Dort wird die Schau ab Mai 2019 zu sehen sein. Kuratorin der Ausstellung in Karlsruhe ist Kirsten Voigt.

Farbe – querfeldein

Die Junge Kunsthalle widmet sich parallel zur Ausstellung des großen Koloristen Sean Scully dem Thema Farbe. Warum wird der Hintergrund von Landschaftsbildern häufig blau gemalt? Wie unterscheiden sich warme und kalte Farben? Können Farben Emotionen wachrufen? Diesen und weiteren Fragen geht die Ausstellung "Farbe – querfeldein" nach.

Die jungen Besucher sind eingeladen, sich mit der Verwendung von Farbe zu beschäftigen. Themen sind dabei unter anderem die Wirkung von Farben, Symbolfarben sowie Grund- und Komplementärfarben. Ausgewählte Originale aus der Sammlung der Kunsthalle bieten die Anschauungsgrundlage, auf der in den Werkstätten verschiedene künstlerische Techniken erprobt werden. Ein vielfältiges Kursprogramm rundet das Angebot ab. Die Ausstellung ist vom 25. März bis zum 21. Oktober zu sehen. Kuratorinnen sind Sybille Brosi, Petra Erler-Striebel und Sandra Trevisan.

Sehen Denken Träumen

Im Herbst 2018 präsentiert das Kupferstichkabinett der Kunsthalle rund 120 Zeichnungen französischer Künstler aus seinem herausragenden Bestand. Mit Werken von Claude Lorrain (um 1600–1682) über Jean-Honoré Fragonard (1732–1806) bis hin zu Edgar Degas (1834–1917) bildet die Sammlung ein vielfältiges Ensemble französischer Zeichenkunst vom 17. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert.

Dabei sind nicht nur Werke zeichnender Maler zu entdecken, sondern auch Blätter von Architekten, Bildhauern und Illustratoren. Die früheste Zeichnung von Jean Decourt zeigt ein Porträt des französischen Königs Heinrich III in minutiöser Kreidetechnik, während in den Landschaftsdarstellungen von Claude Lorrain aus dem 17. Jahrhundert die Suche nach neuen zeichnerischen Ausdrucksformen sichtbar wird. Werke von Antoine Watteau, François Boucher und Jean-Honoré Fragonard veranschaulichen den virtuosen und experimentellen Umgang mit der Linie im Rokoko.

Das "Denken auf Papier" formt sich in den frei komponierten Motivzusammenstellungen in Blättern von Théodore Géricault und Eugène Delacroix, während Zeichnungen von Camille Corot, Théodore Rousseau oder Jean-François Millet die Bedeutung der Landschaftskunst im 19. Jahrhundert veranschaulichen. Eine neue Subjektivität zeigt sich in den höchst originären Werken von Edgar Degas und Paul Cézanne.

Sie führt zum Symbolismus von Odilon Redon und Paul Gauguin, in dem das Traumhafte und Unbewusste neue Bedeutung erlangt. Ausstellung und Begleitbuch präsentieren ausgewählte Werke und thematisieren Besonderheiten der Kunst auf Papier. Exemplarisch vorgestellt werden die spezifischen Gestaltungsmöglichkeiten verschiedener Zeichenmittel und Papiere, die Aussagekraft von Beschriftungen und Stempeln sowie die Bedeutung von Montierungen. Die Ausstellung ist vom 29. September 2018 bis 13. Januar 2019 zu sehen. Kuratorinnen sind Dorit Schäfer und Astrid Reuter.

Passionsprogramm

Zu den festen Terminen im Programm der Kunsthalle gehört alljährlich die Passionswoche. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), dem Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg in Karlsruhe, der Evangelischen Erwachsenenbildung und der Hochschule für Musik gestaltet die Kunsthalle auch in diesem Jahr wieder die Woche zwischen Palmsonntag und dem Osterfest.

2018 stehen die sieben erhaltenen Tafeln der sogenannten "Karlsruher Passion" im Fokus. Der Name des vermutlich in Straßburg ansässigen Künstlers ist nicht bekannt. Sechs Tafeln sind im Besitz der Kunsthalle Karlsruhe. Die siebte Tafel, die die Gefangennahme Christi zeigt, befindet sich in der Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums Köln.

Ab Ende März wird diese siebte Tafel als langfristige Leihgabe in der Kunsthalle präsentiert. Aus diesem Anlass steht beim diesjährigen Passionsprogramm zwischen dem 25. März (Palmsonntag) und dem 1. April (Ostersonntag) jeden Tag eine der Tafeln im Mittelpunkt einer Führung, die von einem Theologen und einem Kunsthistoriker gestaltet wird. Am Karfreitag findet ein Konzert der Hochschule für Musik im Feuerbachsaal der Kunsthalle statt. Alle Details zum Passionsprogramm 2018 sind in Kürze online auf kunsthalle-karlsruhe.de aufrufbar.

Piranesi-Kolloquium

Am 9. und 10. April veranstaltet die Kunsthalle ein internationales und interdisziplinäres Piranesi-Kolloquium. Vor rund vier Jahren, im Sommer 2014, gelang in der Kunsthalle eine aufsehenerregende Neubestimmung: Zwei Klebealben mit insgesamt 297 Zeichnungen, zuvor dem Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner (1766–1826) zugeschrieben, konnten dem römischen Künstler, Architekten und Kunsttheoretiker Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) und seiner Werkstatt zugeordnet werden.

Seit Januar 2017 werden diese Alben in einem interdisziplinären Kooperationsprojekt erforscht, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Schweizer Nationalfonds (SNF) gefördert wird. Neben der Kunsthalle sind die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Studiengang Konservierung und Restaurierung von Kunstwerken auf Papier, Archiv- und Bibliotheksgut) und die Università della Svizzera Italiana in Mendrisio Partner des Projektes.

Die kunsthistorische Forschung und materialtechnische Untersuchung geschehen in enger Abstimmung. Schlüsselfragen betreffen die Autorschaft Piranesis beziehungsweise seiner Mitarbeiter, Typus, Funktion und Technik der Zeichnungen sowie die Konservierung der Blätter in den Alben. Das Kolloquium im April führt Piranesi-Forscher und Restauratoren vor den Originalen zusammen. Es wird gefördert von der Hubert Burda-Stiftung.

Fachtagung zu Hans Baldung Grien

Vom 18. bis 21. Oktober richtet die Kunsthalle in Kooperation mit dem Institut für Kunst- und Baugeschichte des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) eine Internationale Fachtagung zum Werk von Hans Baldung Grien aus. Die Veranstaltung findet im Vorfeld der Großen Landesausstellung statt, die die Kunsthalle dem Renaissance-Künstler vom 30. November 2019 bis 8. März 2020 widmet.

Obwohl Baldung zu den herausragenden Künstlern seiner Zeit zählte, blieb er im Unterschied zu Kollegen wie Albrecht Dürer und Lucas Cranach einer größeren Öffentlichkeit bislang eher unbekannt. Ziel der Tagung ist es, gemeinsam mit 15 ausgewiesenen Experten aus Europa und Amerika nicht nur aktuelle Fragen der Baldung-Forschung zu diskutieren, sondern neue Perspektiven auf das höchst originelle Werk des Künstlers zu gewinnen. Die Ergebnisse fließen unmittelbar in die Ausstellung ein und sollen in einem eigenen Tagungsband publiziert werden.

Architektenwettbewerb

Die Kunsthalle steht "vor einem zukunftsentscheidenden Entwicklungsschritt". Im vergangenen Jahr hat das Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg europaweit einen einphasigen Planungswettbewerb mit einem Realisierungs- und einem Ideenteil ausgelobt. Der Realisierungsteil umfasst die Instandsetzung und Sanierung des Hauptgebäudes, der Ideenteil sieht eine Erweiterung der Kunsthalle auf dem Gelände des Amtsgerichts vor. Am 14. und 15. März tagt das Preisgericht und wird die eingereichten Vorschläge der teilnehmenden Architekturbüros begutachten. Die Ergebnisse werden anschließend in der Kunsthalle ausgestellt.

www.kunsthalle-karlsruhe.de

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