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Karlsruhe Kulturszene zu Pegida: "Karlsruhe muss aufwachen!"

Das Badische Staatstheater in Karlsruhe reagiert auf die zunehmenden rechtsextremen Demonstrationen in der Stadt: Sie lädt in den kommenden Tagen jeweils nach ihren Vorstellungen zu Gesprächsrunden ein. Doch in der Kulturszene wird nicht nur geredet - aktuell befinden sich einige Schauspieler auf dem Stephanplatz und wollen den Veranstaltungsort für die spätere Pegida-Kundgebung blockieren.

"Wir als Theater verstehen uns als Ort der Vielfalt, Toleranz und Solidarität", sagt Jan Linders, Schauspieldirektor und stellvertretender Intendant des Badischen Staatstheaters, am Dienstagnachmittag im Gespräch mit ka-news. Zusammen mit einigen Kollegen ist er auf dem Stephanplatz vor Ort, um ein Zeichen gegen die Pegida-Demonstration zu setzen.

"Theater muss politische Fragen stellen"

"Ein Theater muss politische Fragen stellen", so Linders, "unser aktueller Spielplan bietet sich dafür an. Aus diesem Grund laden wir nach den Theaterstücken zu Gesprächsrunden mit dem Publikum ein." Die aktuellen Theaterstücke reichen von der Flüchtlingsproblematik ("Benefiz - jeder rettet einen Afrikaner"), über Edward Snowden ("Ich bereue nichts") bis zu Schillers Klassiker "Die Räuber".

Natürlich habe man keine Patentrezepte oder Parolen, so Linders, aber gesellschaftspolitische Themen gehörten auf die Bühne. "Ich glaube, dass es im Publikum ein Bedürfnis gibt, darüber zu diskutieren." Welche Zielgruppe wird mit den Gesprächsangeboten erreicht? "Wir haben in Karlsruhe ein breit gemischtes Publikum: Das reicht vom 16-jährigen Schüler bis zum 75-jährigen Rentner", so Linders.

Kulturszene kommt in Bewegung

Zur Mahnwache auf dem Stephanplatz sind laut Polizei rund 40 Menschen erschienen: "Zirka 40 Personen NoKargida werden nach Abschluss ihrer Kundgebung gebeten den Stephanplatz frei zu machen", zwitschert die Behörde über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Über die Entwicklung der Pegida-Demonstrationen war Linders nach eigenen Aussagen selbst erschrocken - auch angesichts der am 19. April angekündigten HoGeSa (Hooligans gegen Salafisten)-Demonstration: "Anfangs hieß es noch, Kargida sei ein mediales Phänomen. Doch die Demonstrationen zeigen: Das ist es nicht. Karlsruhe feiert diese Jahr seinen 300. Geburtstag - das bedeutet auch 300 Jahre badische Liberalität! Karlsruhe muss aufwachen."

Mit der Teilnahme an der Mahnwache auf dem Stephanplatz sowie den Gesprächsrunden will man beim Badischen Staatstheater dazu beitragen. Künftig sind weitere Aktionen in der Karlsruher Kulturszene geplant. Man stehe in engem Kontakt mit anderen Institutionen, so Linders.

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    (1402 Beiträge)

    14.04.2015 18:03 Uhr
    Prima!
    Wenn jeder - auf seine Weise - dazu beiträgt, den vorgestrigen Betonköpfen ihre Grenzen aufzuzeigen, ist mir um die sprichwörtliche badische Liberalität nicht bange!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1093 Beiträge)

    14.04.2015 17:59 Uhr
    Die Gidas und Hogesas
    können sich freuen,sind bei euch in der Stadt nur ein kleiner Haufen und trotzdem ständig im Gespräch.
    Wenn ich das Szenenbild anschaue das die Räuber darstellen soll,dann könnte ich zum Schluß kommen das ganz andere Leute für den "Untergang der Abendveranst...äh des Abendlands" verantwortlich sind.
    *Wieher*
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