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Karlsruhe Der ka-news-Kino-Tipp: Bohemian Rhapsody

Jeden Freitag gibt's eine kräftige Dosis Kultur, verabreicht von ka-news-Kulturredakteur Toby Frei, und zwar in der Kolumne "Kultur-Tipp". Heute: Queen waren die Götter ihrer Zunft, in ihrer Könnerschaft kaum zu übertreffen. Jetzt kommt mit "Bohemian Rhapsody" ein wunderbarer Film ins Kino, der aufzeigt, was das Quartett für die Musikwelt war - und wohl immer noch ist!

Liebe Musikfilm-Freunde,

ich war zunächst skeptisch, ein weiteres, eher belangloses Musiker-Bio-Pic? Doch ich muss zurückrudern: "Bohemian Rhapsody" erstreckt sich von den Ursprüngen der Band bis hin zu "Live Aid" 1985, im Fokus die bunte Vita des legendären Queen-Band-Leaders. Der Film von Regisseur Bryan Singer ist ein wohl austarierter Streifen, eine gelungene Mischung aus Musikfilm, Band-(Semi)-Doku und natürlich brillantem Mercury-Vehikel, dies im überaus positiven Sinne.

Rami Malek ist als Freddie Mercury eine echte Offenbarung, seine schauspielerische Präsenz beeindruckend, in dieser vollgepackten Geschichte avanciert er mit seinem leinwandfüllenden Charisma - so komisch das klingt - auch zum Ruhepol dieses Films und liefert eine beispiellose Performance (Mimik, Gestik) ab.

Grandezza des großen Meisters Mercury

Ihm gehört die große Bühne, er gehört dahin und hat tatsächlich die Grandezza des großen Meisters, der bereits erwähnte "Live-Aid"-Kurz-Gig (der minutiös abgefeiert wird) beweist dies und ist ohnehin Musikgeschichte. Vielleicht funktioniert es ja für den Hauptrollen-"Oscar", hinter diese überragende Leistung treten die anderen dann doch zurück. Der Kostümbildner hatte mit Freddies Bühnenoutfits übrigens wohl anständig was zu tun, alles richtig gemacht.

Queens Werdegang ist faszinierend und erfolgreich, ein kurzweiliges Vergnügen, doch mit der Zeit schleifen sich Abnutzungserscheinungen ein und die (schier) unvermeidlichen Geißeln einer Rockstar-Karriere (Drogen und Alkohol) gewinnen an Oberhand. Der Soundtrack, klar, ist weltbekannt und begleitet den Film kongenial. Gitarrist Brian May und Drummer Roger Taylor hielten hier vorsorglich ihre schützende Hand über die Produktion.

"Innuendo" musikalische Kunst par excellence

Die Briten haben mehr als ein Dutzend großer Alben veröffentlicht, die 1980er waren aus meiner Sicht die schwächste Dekade, "Innuendo" war dann 1991 wieder musikalische Kunst par excellence. Äußerst spannend (auch im Film) ist die Genese ihres wohl besten Albums "A Night At The Opera", ein unglaubliches, überbordendes und fulminantes Meisterwerk, seinerzeit von der Presse kolossal verkannt und auch heute noch von eminenter Bedeutung in der Musikgeschichte. Der titelgebende Song ist meiner Ansicht nach übrigens (vielleicht neben Led Zeppelins "Stairway To Heaven") der größte Titel der Rockgeschichte. Ist aber Geschmackssache!

"Bohemian Rhapsody" zeigt Mercury trotz aller Allüren als feinen Menschen, der sich mehr und mehr in der Scheinwelt Musik-Business verliert. Seine ausgeprägte und vor allem auch ausgelebte, verhängnisvolle (Homo-)Sexualität wird nur angedeutet, und diese Dezenz und Feinfühligkeit steht dem Streifen sehr gut zu Gesicht. Der Rest der tragischen Geschichte ist bekannt und markiert auch das Ende des Films.

Abschließendes Urteil: "Bohemian Rhapsody" ist ein großartiges Werk, beeindruckend gespielt und toll inszeniert. Besser und gehaltvoller kann ein Musikfilm eigentlich nicht sein. Hat das Potenzial zum Kult- und vor allem zum zukünftigen Lieblings-Film!

Ich wünsche unseren Lesern ein schönes und vor allem kulturelles Wochenende!

Ihr Toby Frei

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