Karlsruhe 100 Jahre Bauhaus in Karlsruhe: Max-Planck-Gymnasium, Dammerstock-Siedlung und Gartenstadt

Das Bauhaus wird 2019 100 Jahre alt, und der künstlerische, designtechnische und vor allem auch architektonische Ansatz und Einfluss der Einrichtung kann historisch nicht hoch genug eingeschätzt werden. Immer freitags nimmt ka-news.de seine Leser mit auf eine Reise durch Karlsruhe. Denn auch in der Fächerstadt kann man Spuren der berühmten Avantgarde-Institution erleben. Wussten Sie eigentlich, dass das Max-Planck-Gymnasium eine betreute Sternwarte sein Eigen nennt?

Das Moderne (oder auch das Neue) Bauen ist auch in der Fächerstadt weit verbreitet, verbunden mit dem revolutionären Gedankengut des legendären Bauhauses und seinem Gründer Walter Gropius. In Karlsruhe finden sich vielfältige und bemerkenswerte Beispiele für Architektur der Moderne.

Diese gebaute Avantgarde mit dem Anspruch auf modernes Design und Funktionalität findet sich hier in Wohnbauprojekten, in öffentlichen Gebäuden, aber auch in Hoch-/Schulgebäuden, Kirchen und Privathäusern.

In Teil eins der ka-news.de-Serie haben wir uns mit der Historie des Bauhauses und der "Grand Tour der Moderne" befasst. In Teil zwei ging es dann um das Rheinstrandbad, das Naturschutzzentrum und das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM).

Zum Abschluss steht die Gartenstadt im Fokus

Teil drei der Serie behandelte die Matthäuskirche, die Hardtwaldsiedlung und das Bundesverfassungsgericht. In Teil vier haben wir uns mit dem Landratsamt, der Schwarzwaldhalle und dem Zoologischen Stadtgarten auseinandergesetzt. In Teil fünf der Reihe ging es um den Alker Block und das Alte Hochschulstadion.
 
Der abschließende Teil der Serie setzt sich nun mit dem Max-Planck-Gymnasium, der Dammerstock-Siedlung und der Gartenstadt auseinander - also final eine reine Rüppurr-Folge.

Max-Planck-Gymnasium - durch Elterninitiative entstanden

Das in Rüppurr situierte Max-Planck-Gymnasium fand 1953 in einem für seine Zeit fortschrittlichen Gebäude das passende Lernumfeld. In mehreren Abschnitten wurde für das durch Elterninitiative ent-standene Gymnasium bis in die 1980er Jahre gebaut. Am Gebäude finden sich für die 1950er Jahre typische Elemente, wie das Flugdach, die großen Glasfassaden im sogenannten "Pavillon"-Teil oder auch die sichtbaren Betonfertigteile.
Max-Planck-Gymnasium in Rüppurr
Max-Planck-Gymnasium in Rüppurr | Bild: Stadtarchiv, 8_PBS_oXIVd_199
Doch erst mit dem 1960 fertiggestellten Klassenzimmertrakt im Hauptbau konnte der Schulbetrieb richtig aufgenommen werden. Aula und Turnhalle kamen später hinzu. Die letzte Erweiterung erfolgte 2016 mit dem Ausbau des H-Baus. Übrigens: Im Max-Planck-Gymnasium befindet sich auch seit 1979 eine durch die Astronomische Vereinigung Karlsruhes (AVKa) betreute Sternwarte.

Dammerstock-Siedlung - ein Kooperationsprojekt

Neben dem Weissenhof in Stuttgart ist die Dammerstock-Siedlung in Karlsruhe eines der wichtigsten Zeugnisse des Neuen Bauens im Südwesten Deutschlands. Der Auftraggeber für die Siedlung war die Stadt Karlsruhe - das ist wichtig, denn in Stuttgart war es beipielsweise der innovative Deutsche Werkbund.

Die Bebauung des Dammerstock - als innovative Antwort auf die Frage nach gutem Wohnraum für jeden -  wurde 1928 als Wettbewerb ausgeschrieben. Eingeladen waren vor allem Karlsruher Architekten und ausgewählte internationale Vertreter des Neuen Bauens.

Dammerstock-Siedlung
Bild: ps

Die Stadt Karlsruhe hatte mit ihremWohnungsbauprogramm und der daran geknüpften Wettbewerbsausschreibung klare Schwerpunkte gesetzt: Der Dammerstock sollte kein Spielfeld für die künstlerische Avantgarde sein, sondern realisierbare Antworten auf die soziale Wohnungsfrage liefern.

Den Zuschlag bekam Bauhaus-Legende Walter Gropius in Zusammenarbeit mit Otto Haesler. Während Gropius' Bebauungsplan auch Plätze aufwies, war Haeslers die konsequenteste Zeilenbebauung. Die Stadt wünschte sich beides, den prominenten Namen Gropius und den konsequenten Entwurf von Haesler.

Dammerstock-Siedlung
Dammerstock-Siedlung | Bild: Stadtarchiv, 8_Bildstelle_III_0359

Die Ansätze der beiden Architekten waren durchaus unterschiedlich: Während Haesler sich an dem Tagesablauf der Bewohner orientiert und sie mit der Sonne im Schlafzimmerfenster im Osten weckt und abends im Westen noch den Sonnenuntergang im Wohnzimmer genießen lässt, ist dies Gropius nicht wichtig. Er legt mehr Wert auf die abwechslungsreiche Kubatur der Gebäude und ein zentral gelegenes Wohnzimmer.

In nur sieben Monaten Bauzeit entstand das Wohngebiet 1929 als Mustersiedlung des sozialen Wohnungsbaus - Gropius und Haesler setzten gemeinsam 228 von 750 geplanten Wohnungen um. Wegen der Weltwirtschaftskrise blieb die Siedlung zunächst unvollständig.

Dammerstock-Siedlung in Karlsruhe
Dammerstock-Siedlung in Karlsruhe | Bild: Karlsruhe Tourismus GmbH (KTG)

In den 1930er Jahren wurde sie mit konventionellen Bauten erweitert. Erst 1949 setzte die Stadt den Bau gemäß Gropius' ursprünglichen Gestaltungsideen fort. Die mittlerweile denkmalgerecht sanierte Dammerstock-Siedlung ist bis heute vollständig bewohnt.

Es gab auch dunkle Zeiten: Die Nationalsozialisten konnten sich den Abriss oder die Überbauung der Siedlung mit Satteldächern nicht leisten, sodass sie die nächste Bauphase mit Satteldächern einmal um die Dammerstock-Siedlung anlegten. So war auf den ersten Blick von außen nichts mehr vom "Architektur-Bolschewismus" zu sehen.

Dammerstock-Siedlung
Dammerstock-Siedlung | Bild: ps

Die ausführenden Architekten waren übrigens teilweise die gleichen, die auch schon 1929 beteiligt waren. Teilweise ist an den Balkonen, Eckfenstern und besonders gering auskragenden Satteldächern zu erkennen, dass sie versuchten, einen für sie vertretbaren Kompromiss zu finden.

Gartenstadt - naturnahes Leben zu erschwinglichen Preisen

Die Gartenstadt in Rüppurr wurde 1907 gegründet und gehört mit der Dresdener Hellerau zu den ersten Gartenstädten Deutschlands. Nach angelsächsischem Vorbild sollte hier in unmittelbarer Stadtnähe ein gesundes, naturnahes Leben zu erschwinglichen Preisen möglich werden.

Damit es für jeden finanziell möglich war, sollte der Grund und Boden im Gemeinbesitz einer Genossenschaft verbleiben, die Mitglieder der Genossenschaft hatten dafür ein lebenslanges und vererbbares Wohnrecht in den gemieteten Wohnungen/Häusern. Die Gartenstadt ist bis heute genossenschaftlich organisiert.

Die Gartenstadt aus der Luft
Die Gartenstadt aus der Luft | Bild: Stadtarchiv, 8_BA_Schlesiger_A37_62_2_33

Nach Entwürfen von Friedrich Ostendorf und Max Läuger öffnet sich vom zentralen Ostendorfplatz mit mehreren Ladengeschäften die Siedlung in Richtung Osten. Aufgrund der unterschiedlichen Wohnbedürfnisse der Bewohner waren verschiedenartige Haustypen konzipiert, die das Gesamtbild abwechslungsreich gestalten.

Jedem Haus ist ein großer Nutzgarten zur Selbstversorgung der Bewohner zugeordnet. Die Einzelhäuser sind in Karlsruhe als Doppelhäuser, Vier-Familienhäuser und Reihenhäuser angelegt. Die Struktur der Siedlung ergibt sich durch Straßen und nur für Fußgänger begehbare kleinere Gartenwege, sogenannte "Mistwege".

Gartenststadt
Gartenstadt | Bild: Stadtarchiv, 8_PBS_oXIIIb_623

Anders als im Dammerstock, wo die physische und geistige Erholung im Vordergrund stand, so war hier der Garten als Wirtschaftsgarten für Gemüse, Obst und auch Kleinvieh gedacht und so auch bis in die jüngste Vergangenheit genutzt. Der Baumbestand und die Gärten tragen bis heute einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Klimatisierung der Siedlung bei.

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