Karlsruhe Karlsruher Literatur-Zeitschrift wird 100: "allmende" will Kultur für alle bieten

Die Literatur-Zeitschrift "allmende" ist gerade 100 geworden - und ka-news-Kulturredakteur Toby Frei sprach angesichts des Erscheinens der Jubiläumsausgabe mit dem Vorsitzenden der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe und dem Herausgeber der Zeitschrift, Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann, sowie "allmende"-Redakteur Matthias Walz, Mitarbeiter der Literarischen Gesellschaft.

Die "allmende" existiert jetzt bereits 36 Jahren, was ist das Besondere an der "Zeitschrift für Literatur"? Was unterscheidet die Publikation von anderen?


Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Matthias Walz: Die "allmende" versteht sich von der Gründung an als eine Literaturzeitschrift im politischen Kontext. Am Anfang stand das Aufbegehren gegen die geplanten Atomkraftwerke im Südwesten und im Elsass. Als grenzüberschreitendes Periodikum hatte man den oberrheinischen Kulturraum im Blick – das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn wir den Anspruch haben, der gesamten deutschsprachigen Literatur ein Forum zu bieten – gerade auch der jüngeren Generation, die mit ihrem Schreiben am Anfang steht.

Die 100. Ausgabe der "allmende" - inwiefern ein Genremeilenstein?

Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Matthias Walz: 100 Nummern, 36 Jahre Literatur, das ist schon ein "Meilenstein". Es gibt nur noch wenige deutschsprachige Literaturzeitschriften, die sich seit so vielen Jahren am Markt gehalten haben und wir arbeiten mit großem Engagement daran, die Zukunft der Zeitschrift langfristig zu sichern, auch um den Medienwandel in dem Sinne zu begleiten, dass Printmedien wie die "allmende" ihre Legitimation bewahren – die Autoren wollen gedruckt werden und nicht auf die digitalen Foren angewiesen sein, diese sind flüchtig – die "allmende" nicht. Jede Nummer ist auch ein Dokument der Relevanz von Literatur.

"Literatur als Gemeingut" – was ist damit genau gemeint?


Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Matthias Walz: Die Idee der Gründer um Martin Walser, Adolf Muschg und anderen war, den alten alemannischen Rechtsbegriff, eben ein freies Weidestück für alle Anwohner zu garantieren, auf die Kultur zu projizieren. "Kultur für alle", das war ein Schlagwort der achtziger Jahre, und eben nicht allein für Eliten. Das sollte wieder aktuell sein. Literatur will breite Zielgruppen erreichen, Diskussionen anregen und intervenieren, da wo es nötig ist – und Gründe dafür gibt es im Moment viel zu viele. Daher mischen wir uns ein – in der sogenannten Flüchtlingsfrage, Aufklärung über die repressiven Prozesse mit den vielen Inhaftierungen in der Türkei, gegen Rassismus und Antisemitismus beispielsweise. Dazu haben wir in den letzten drei Jahren Themenhefte gemacht.

Welche Bedeutung hat der Kulturförderpreis des Landes Baden-Württemberg (2017)?

Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Matthias Walz: Der Preis ist eine hohe Auszeichnung, die nur alle zehn Jahre für Literatur vergeben wird – diese Anerkennung ist für uns eine Ermutigung, wir sind stolz darauf und es ist für uns ein Ansporn, die "allmende" weiter herauszugeben, mit großem Einsatz!

Gibt es noch Wunschautoren, welche die "allmende"-Redaktion gerne einmal in der Zeitschrift sehen würde?

Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Matthias Walz: Es soll nicht unbescheiden klingen, aber wir haben die wesentlichen deutschsprachigen Gegenwartsautoren bei uns publizieren können. Gerade die Jubiläumsnummer zeigt ja, wer uns mit Texten unterstützt – unser Wunsch ist, dieses Niveau halten  und relevante Inhalte anbieten zu können.

Auf welche spannenden Autorenlesungen der Literarischen Gesellschaft dürfen sich Literaturinteressierte freuen?

Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Matthias Walz: Bereits im ersten Vierteljahr bieten wir wieder ein spannendes Programm: Am 1. Februar (20 Uhr) kommt Daniel Kehlmann in den Stephansaal mit seinem Roman "Tyll", ein ganz tolles Buch. Zudem sind zu Gast Ralph Dutli mit einem faszinierenden Text über das 12. Jahrhundert (8. Februar, 19 Uhr, Literaturhaus) und Jan Knopf mit einer Veranstaltung zu Bertold Brechts 120. Geburtstag (6. Februar., 19 Uhr Literaturhaus). Desweiteren gibt es Buchvorstellungen, darunter ein Band mit Texten von "Dr. Mabuse" alias Peter Kohl (23. Februar, 19 Uhr, Literaturhaus), der als Literaturkritiker sich einen Namen gemacht hat und im letzten Jahr viel zu jung verstorben ist, die Präsentation eines Bandes über das KPD-Verbot in den 50er Jahren (24. Januar, 19 Uhr Literaturhaus) und eine Veranstaltung anlässlich von "Zehn Jahre ‚Stoffwechsel" mit Blick auf Afrika (27. Januar, 16 Uhr, Literaturhaus). Und nicht  zu vergessen: Im Rahmen unserer erfolgreichen  Reihe "Lesung Süd" im Kohi am Werderplatz liest am 5. Februar Sina Pouset  aus ihrem Debütroman (20 Uhr) – alles wieder Veranstaltungen als "Gemeingut" für alle Interessierten.

www.literaturmuseum.de
www.allmende-online.de

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