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Karlsruhe Karlsruher Lichtspiele: Wenn das Schloss zum Organismus wird...

Über 300.000 Zuschauer haben sich die Karlsruher Schlosslichtspiele 2016 bereits angeschaut - was als Jubiläumsshow zum 300. Stadtgeburtstag begann, entwickelt sich zum touristischen Erfolgskonzept. Jeden Abend begeistern die bunten Spiele ihre Besucher - doch wer steht hinter dem kreativen Videospektakel? Der Künstlerzusammenschluss Xenorama ist einer unter vielen kreativen Ideengebern - in ihrer Show "Transkutan" erwecken sie die Schlossfassade als Organismus zum Leben.

Wie habt ihr von den Schlosslichtspielen erfahren?

Nach den erfolgreichen Aufführungen unser Projektion "Oneironaut" während der letzten Schlosslichtspiele, wurden wir dieses Jahr erneut von der ZKM angefragt.

Was hat euch bewogen, daran teilzunehmen?

Das Karlsruher Stadtschloss bietet eine einzigartige Projektionsfläche im Herzen der Stadt. Das Schloss umgarnt die Zuschauer durch die angewinkelten Seitenflügel und lässt die Projektion dadurch zu einem immersiven Erlebnis werden.

Uns war von Beginn an klar, dass wir bei einer erneuten Projektion auf Schloss, eine gänzlich neue Arbeitsweise entwickeln wollen. Daraus entstand die Idee mit analogen Filmsettings zu arbeiten und diese durch digitale Aufarbeitung auf die reale Fassade zu übertragen.

Für die Umsetzung unseres Vorhabens, erstellten wir aus den 3D-Dateien des Schlosses unterschiedliche Schichten. Diese verwendeten wir anschließend, um mit einem Lasercutter Modelle aus verschiedenen Materialien und Farben, wie etwa Polystyrol, Acrylglas, Papier oder Moosgummi zu schneiden.

Die einzelnen Schichten wurden per Hand zusammengesetzt und in ein speziell angefertigtes Kamera-Setup eingespannt. So war es uns möglich natürliche, organische Animationen zu erzeugen die sich nicht am Computer simulieren lassen. Durch die digitale Bearbeitung konnten diese Animationen, in einem vergrößertem Maßstab, zurück auf die die physische Oberfläche des Schlosses projiziert werden.

Wie seid ihr auf die Fassade gekommen – wie habt ihr die Veranstalter überzeugt?

Für uns als Künstler die hauptsächlich an ortsspezifischen Projekten arbeiten, war es natürlich hilfreich auf die Erfahrungen aus dem letzten Jahr zurückgreifen zu können. Ebenso verhält es sich für die Veranstalter eines solchen Großprojektes, dass neben den künstlerischen auch enorme technische Herausforderungen an alle Beteiligten stellt.

Wie kompliziert war es, die Show für die Schlossfassade zu konzipieren?

Wir haben im Juni 2016 mit dem Projekt begonnen und mussten uns in der ersten Phase eine Arbeitsumgebung für unsere analogen Modelle schaffen. Danach galt es zu erforschen, wie die unterschiedlichen Elemente zu einer Show zusammengefasst und wie die realen Elemente zur Musik animiert werden können.

Da unserer Ansatz hauptsächlich der Erforschung unterschiedlicher Oberflächen galt, entwickelten wir eine abstrakte Reise durch die unterschiedlichen Schichten der menschlichen Haut, frei nach dem Ansatz: Die Haut ist für den menschlichen Körper, wie die Fassade für die Architektur.

Was ist die Kernaussage eurer Show?

Unsere Schlossprojektion erforscht die omniskalare Kohärenz von Architektur und Körper, von Fassade und Oberfläche. Kohärenz steht dabei für die Ähnlichkeit von Vorgängen, welche in Mikro- und Makrokosmos gleichermaßen auftaucht.

In Transkutan wird das Schloss Karlsruhe im Sinne des Kohärenzmodells als Organismus aufgefasst und seine Eigenschaften dementsprechend dargestellt. Die Schlossfassade wird - in Analogie zur menschlichen Haut - zur interaktiven Membran zwischen dem Inneren und dessen Umgebung.

Die Show "Oneironaut" von Xenorama ist noch am Donnerstag um 22.55 Uhr zu sehen. "Transkutan" läuft am Freitag um 20.55 Uhr sowie Samstag bis Donnerstag um 21.10 Uhr auf der Fassade des Karlsruher Schlosses. Das ganze Programm der Schlosslichtspiele gibt es hier (Link führt auf externe Seite)

 

Wer sind Xenorama?

Moritz Janis Richartz
Künstler und Designer
Studierte Bachelor Digitale Medien an der HfK Bremen
1985 | Geboren in Bremen, lebt in Bremen

Marcel Bückner
Künstler und Ingenieur
Studierte Bachelor Medientechnologie an der HS Düsseldorf
1987 | Geboren in Berlin, lebt in Köln

Lorenz Potthast
Künstler und Designer
Studierte Bachelor Integriertes Design an der HfK Bremen
Studiert Master Digitale Medien an der HfK Bremen
1990| Geboren in Bremen, lebt in Bremen

Tim Georg Heinze
Sound Designer
Arbeitet im Bereich der sozialen Resozialisierung in einer Psychiatrischen Klinik
1985| Geboren in Berlin, lebt in Potsdam

Richard Leroy Oeckel
Jazz Pianist und Komponist
Studiert derzeit Physikalische Ingenieurswissenschaften an der TU Berlin
1991 | Geboren in Berlin, lebt in Potsdam
Mehr zum Thema
Schlosslichtspiele Karlsruhe: Die Schlosslichtspiele finden seit 2015 vor dem Schloss Karlsruhe statt. In diesem Jahr präsentieren die Künstler ihre eigens für die Schlossfassade kreierten Shows vom 28. Juli bis 9. September 2018.
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Kommentare (5)
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  •   fuzzynervzwerg
    (1148 Beiträge)

    20.09.2016 14:06 Uhr
    Da ich für meine Duden-Kenntnise allseits beliebt und bekannt bin
    erlaube ich mir die Feststellung, dass es das Wort "immersiv" im Deutschen nicht gibt - noch nicht einmal als Anglizismus.

    Mit vorzüglicher Hochachtung
    grinsen fuzzy grinsen
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  •   andip
    (8983 Beiträge)

    20.09.2016 15:16 Uhr
    Dann bleibt die Frage
    hat dieses Wort der interviewte Künstler oder doch der ka-news Reporter "erfunden", weil der nicht richtig zugehört hatte.
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  •   fuzzynervzwerg
    (1148 Beiträge)

    20.09.2016 15:36 Uhr
    Das war wohl vom Künstler.
    Als Substantiv gibts ja "die Immersion" mit der Bedeutung "eintauchen in eine virtuelle Umgebung".
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  •   candyman
    (7188 Beiträge)

    20.09.2016 12:55 Uhr
    Die Überschrift ist nicht vollständig. Sie muss lauten:
    "Karlsruher Lichtspiele: Wenn das Schloss zum Organismus wird in Karlsruhe."
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  •   game.over
    (224 Beiträge)

    20.09.2016 13:37 Uhr
    In der Überschrift
    bin ich über Organismus gestolpert. zwinkern
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