Karlsruhe Gib mich die Kirsche!

Das erste Bildnis des "Ballmächtigen" (Foto: ka-news)
"Gib mich die Kirsche!" Der Ausspruch des BVB-Stürmers Lothar Emmerich ist Kult und steht jetzt Pate für eine besondere Ausstellung: Parallel zur anstehenden Fußball-Euro beleuchtet das "Ballgeflüster in der Nancyhalle" vier Wochen lang des Deutschen Lieblingssport aus ungewohnter Perspektive.

Visualisierte Flugbahnen, medienkünstlerisch aufbereitete Spielzüge und der Kampf um den Austragungsort der Weltmeisterschaft 2006 sind ebenso Bestandteile wie Fankulturelles und das erste Bildnis des "ballmächtigen" Fußballgottes.

Gleich am Eingang zieht der kirschenreichende, 800 Kilogramm schwere, aus Granit gehauene Buddha die Blicke auf sich: "Vor dem 'Ballmächtigen' ist zu entscheiden, welchen Weg durch die Ausstellung man einschlagen möchte", erklärt HfG-Absolvent Oliver Karl Boeg, der die vom Deutschen Fußballbund unterstützte Ausstellung mit Christina Lindner vom ZKM-Institut für Medien und Wirtschaft konzipiert hat.

Wenn "nur das Spiel zählt"... (Foto: ka-news)

Denn dem Besucher eröffnen sich auf seinem Rundgang - angefangen beim Buddha bis hinüber zur Spielzüge-Installation "Hacke, Spitze, Tor!" - sowohl visuelle Reize als auch akustische, wenn er etwa die Installation von Boeg und Lindner betrachtet: Auf mannshohen Kickerbeinen zeigen Bildschirme "Fußballfans" aus Politik, Kultur und Sport, die sich aus ihrer jeweiligen Sicht zu König Fußball äußern.

Auf den Boden der Tatsachen holt Jürgen Globas' "Anstoßpunkte": Der Künstler hat jeweils ein Rasenstück aller Stadien, in denen zur Saison 2001/02 Spiele der Fußballbundesliga stattgefunden haben, fotografiert, ausgestochen und in Glas gesetzt. Eines der Ausstellungs-Highlights ist aber die Installation des in Karlsruhe residierenden, freien Performancekünstlers Ilka Enno Uhde.

"Das Spiel produziert Formen. Das Spiel sucht sich seine Spieler. Das Fußballspiel ist Teil eines Lebensspiels, ist ein Wirtschaftsspiel. Fußball ist Kulturpolitik und produziert weit mehr als nur nur Fanstürme", erklärt Uhde und verweist auf sechs Bildschirme, die sowohl das Spielfeld als auch die Spieler aus mehreren Perspektiven beleuchten und die den triftigen Titel "Es wird gespielt, sonst nichts" trägt.

"Titanic" und FIFA im Streit um die Fußball-WM (Foto: ka-news)

Volker Albus, Professor für Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung, präsentiert dagegen ganz Bodenständiges: fußballgerechte Gebrauchsgegenstände von der Obstschale, dem passenden Aschenbecher bis zum Knabbergebäckschalenset "Günther und Gerhard". Unweit davon zeigen große Plakatwände, wie das Satire-Magazin "Titanic" die WM 2006 nach Deutschland holte: Mit vermeintlichen Bestechungsfaxen, die FIFA-Komiteemitgliedern im Tausch gegen ihre Stimme eine Kuckucksuhr und Schwarzwälder Schinken offerierten, sorgte Chefredakteur Martin Sonneborn im Juli 2000 für einen handfesten Skandal.

Harun Farocki zeigt in seiner Installation "Deep Play" einen anderen Aspekt der jüngeren Geschichte: die Finalbegegnung Italien gegen Frankreich während der Fußballweltmeisterschaft 2006. Millionen Zuschauer verfolgten damals die Partie anhand der von Sendeanstalten ausgewählten Bilder. Und der Künstler nutzt die Macht derselben: Abstraktionen des Spielflusses mit überlagerten Fernsehbildern ermöglichen ungewöhnliche Sichtweisen auf das Rasengeschehen.

Bögen symbolisieren die Flugbahnen berühmter Tore (Foto: ka-news)

Besondere Blicke gewährt dem Besucher auch die Installation "Hacke, Spitze, Tor." Sieben in orange, blau und grün gehaltene Flugbahnen aus Plexiglas zeigen berühmte Spielzüge wie das "Golden Goal" von Oliver Bierhoff, das berühmte Wembley-Tor im Endspiel Deutschland gegen England im Jahr 1966 oder den Elfmeter von Andreas Brehme, der Deutschland 1990 auf den Fußballthron hievte.

Und eine Weltmeisterin wird "Gib mich die Kirsche!" am heutigen Freitag, um 18 Uhr eröffnen: Steffi Jones, die aktuelle Präsidentin des Organisationskomitees der FIFA Frauenweltmeisterschaft 2011. Dann zeigt die Ausstellung vom 6. Juni bis 6. Juli in der Nancyhalle des Kongresszentrums, dass Kultur und Kicken durchaus astrein Doppelpass spielen können.

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