Karlsruhe Eröffnung Skulpturenpark

OMI Riesterer und Margret Mergen lauschen den Klängen von "La Paloma" (Foto: ka-news)
Am gestrigen Mittwoch wurde im Karlsruher Osten mit einem Rundgang durch den Ostauepark die dortige Skulpturenausstellung eröffnet. Die temporäre Installation der sieben Objekte währt bis September 2010. Bereits zum fünften Mal findet damit in Karlsruhe eine Ausstellung dieser Art statt; seit 1989 wurde nun aber erstmalig das Schlachthofgelände gewählt. Statt Fleisch beherrscht dort jetzt Stahl, Holz und anderes künstlerisch verwertbare Material das Rund.

"Der Terminus Schlachthof muss endlich neu besetzt werden", wünscht sich schon in der Eröffnungsrede Bürgermeisterin Margret Mergen. Die Nähe zum entstehenden Kreativpark Ost unterstreiche die Wichtigkeit der Konversion des Schlachthofgeländes in ein Zentrum für Kultur. Auch in Zeiten knapper Kassen müsse Kulturförderung betrieben werden und kreative Köpfe sieht Mergen in Karlsruhe ausreichend, welche die Bevölkerung in eine künstlerische Unruhe versetzen könnten. Diesen Künstlern soll in der "Grünen Lunge der Stadt" jetzt ein Forum geboten werden, das die Bürger dazu bewegt, zwischen den Kunstwerken lustzuwandeln. "Let's Go East", so das markige Motto der Politikerin, mit dem sie vermehrt auch Bewohner der Weststadt, Rüppurr oder Durlach in die Freilandausstellung locken will.

Skulpturenpark soll Diskussionen anregen und Lächeln hervorrufen

Ulrike Settelmeyer vom Kulturamt Karlsruhe unterstützt diesen positiven Wandel des Areals: "Der alte Schlachthof muss endlich umbenannt werden und in den Köpfen der Menschen ein neues Bewusstsein erzeugen", fordert die hauptverantwortliche Organisatorin der Ausstellung. Ausgeschrieben wurde der Skulpturenwettbewerb von der Stadt nach Beratung in der Kunstkommission am 18. Oktober 2007. Angesprochen waren alle professionellen Künstler, die in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder im Elsass leben und arbeiten.

Unter 63 eingegangenen Bewerbungen wählte eine Jury in einer langen und heiß diskutierten Sitzung acht Künstler, darunter vier aus Karlsruhe, und deren sieben Objekte aus, die jetzt Rahmen der Ausstellung sind. Nicht als Denkmal, sondern auf Zeit soll die besondere Wirkung entstehen, verspricht sich die Kulturamtsleiterin Susanne Asche. "Respekt, Erstaunen, Diskussion und Lachen" sind nur vier Reaktionen, die sie sich von den Besuchern wünscht.

"Let's Go East"

"Pegasus" von Benoit Decque
(Foto: ka-news)
Der "Pegasus" des Elsässer Künstlers Benoit Decque stellt, zwischen den Baumkronen schwingend, eine Skulptur zwischen Himmel und Erde dar. Er selbst wollte eine leichte Thematik erreichen und verwendete deshalb kein Bronze, Stein oder Stahl. Im Gegenteil bediente er sich bei Lattenrosten und Obstkisten. Die Thematik sei für Decque sehr mystisch und lade ein, den Himmel etwas näher zu betrachten.

"Kantige Neulinge 1-3" von Allhaidis Hartmann (Foto: ka-news)
In unmittelbarer Nähe befinden sich die "Kantigen Neulinge 1-3" der Balinger Künstlerin Allhaidis Hartmann. Die Alu-Objekte sollen eine dreidimensionale Wirkung erzeugen, die sich je nach Blickwinkel verändert. Funktionieren würde dies aber von jedem beliebigen Standpunkt. Dabei wählte sie für die Bleche die Farben Orange, Rot und Magenta, die zwar verwandt seien aber nicht harmonisch.

"Wind-Folien-Raum" von Ursula Haupenthal (Foto: ka-news)
Einen auch akustischen Akzent will Ursula Haupenthal mit ihrem Werk aus Acryl und Edelstahl setzen. Der "Wind-Folien-Raum" besteht aus einem Stahlgerüst, in dem fächerartig hauchdünne Folien hängen. Die Wände aus Acryl sind jedoch nicht vollständig geschlossen, so dass der strömende Wind unterschiedliche Klangvariationen erzeugen kann. Optisch entstehe so parallel ein immer neues Bild der Skulptur. Bereits seit 1986 erforscht die Künstlerin die Klänge der Metalle und konnte deshalb einen passenden Beitrag für den Park kreieren. Ursprünglich als begehbare Installation geplant, realisierte Haupenthal bereits vor acht Jahren die aktuelle Version.

"Zwischendurch" von Martin Baumann (Foto: ka-news)
Wie gespannte Wäscheleinen mutet dagegen das Objekt des jungen Mainzer Künstlers Martin Baumann auf den ersten Blick an. Und in der Tat, er entkräftet diese Anschauung auch nicht. "Man kann alles sehen, worauf es ankommt", erörtert Baumann. Exakte Winkelberechnungen und Angelpunkte dienten zwar als mathematische Grundlage, aber man könne sehr emotional erleben, wie der Himmel vibriert und die Wäscheleinen wackeln. "Zwischendurch" nennt sich die Skulptur.

"Zwischen den Zweigen" von Dorothee Rosenbauer und Sabine Strauß
(Foto: ka-news)
Die beiden Lokalmatadorinnen Dorothee Rosenbauer und Sabine Strauß hatten bereits im Vorfeld mit organisatorischen Hürden zu kämpfen: Vor der Eröffnung wurden einige Bälle bereits aus den Bäumen entwendet. Somit mussten sie von den beiden Karlsruherinnen erneut aufgehängt werden, jedoch mit verbesserter Befestigung an Stahlseilen und mit Bauschaum aufgeschäumt, dass der Spieltrieb nicht nicht zm Diebstahl verführt. "Zwischen den Zweigen" sind im Ostauenpark etwa 50 dieser Bälle in den Bäumen befestigt.

"Variationen" von Bernadette Hörder (Foto: ka-news)
Aus korrodiertem Baustahl fertigte Bernadette Hörder aus Karlsruhe ihre "Variationen". Auf dem Grundriss eines Kreises angeordnet, erzielten die zwölf Säulen je nach Perspektive eine unterschiedliche Wirkung auf den Betrachter. "Rund und geschlossen" bezeichnet sie ihre Installation und gerade aufgrund der Lage im Park ein "behagliches Gefühl" erzeugend. Hörder könne sich auch vorstellen, dass die Betonfundamente nach Ablauf der Ausstellung als Sitzmöglichkeiten umfunktioniert würden.

Der krönende Abschluss fand neben den "Musikwalzen" von OMI Riesterer statt (ka-news berichtete). Wie bereits angekündigt, spielte zwar keine Kapelle, aber ein Automat des Musikautomatenmuseums in Bruchsal intonierte dann "Die Gedanken sind frei" und "La Paloma".

Alle Arbeiten gelangen nach 2010 zurück in den Besitz der Künstler. Die Künstler bekommen quasi als Miete 3.500 Euro pro Jahr von der Stadt, welche auch den Abbau und Abtransport der Arbeiten organisiert. Relativ kostenspielig sei der Skulpturenpark auch durch den Aufbau und die Organisation seitens der Stadt geworden. "Wir müssen das Budget für mehrere Jahre zusammenlegen, um den Park finanzieren zu können", erklärte Ulrike Settelmeyer.

Für alle Interessierten haben wir bereits eine Auswahl an Motiven aus dem Skulpturenpark in einem ka-news-Projektor arrangiert.

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